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Juli 29, 2026

Vom tiefen Sinn der Zuversicht und warum wir sie oft gerade in den schwierigsten Momenten finden

Zuversicht ist ein zartes Geschöpf und doch fast unverwüstlich. Warum wir oft just in der Krise oder Katastrophe lernen, offener für das Wunder des Lebens zu werden.

Dieser Blogbeitrag entstand im Rahmen der Blogparade #Zuversichtfinden meiner lieben Kollegin Pia Hübinger. Gedanken zum Thema Zuversicht spukten schon lange in meinem Kopf herum und ihr wunderbarer Themenimpuls half mir, sie nun zu sortieren und konkret werden zu lassen. Tausend Dank!

1. Der Moment, in dem meine Zukunft starb – und neu geboren wurde

Ich war Anfang zwanzig und mein Lebenstraum war gerade zerbrochen: Eine Kooperation mit einem Tonstudio hatte krachend und überraschend geendet und meine Musik, für die ich alles gegeben hatte, würde nie mein Beruf werden. Gleichzeitig war eine große Liebe gescheitert.

Als mich die volle Härte dieser Realisation traf, ging ich gerade die Straße, in der ich damals in Freiburg wohnte, entlang – umgeben von absurd fröhlich-opulenter Frühlingsnatur. Und dachte zum ersten Mal in meinem Leben: Ich sehe keinen Weg mehr. Mein Leben wird nie mehr schön und wie ich es mir wünsche.

Ich weiß noch wie heute das Gefühl völliger Hoffnungs-, Perspektiv- und Sinnlosigkeit.

Und dann kam mir, typisch Singer-Songwriterin eben, die erste Zeile eines neuen Lieds in den Kopf:

„When your dream is lost, you´ve got to hold on, because … all might not be lost.“
„Wenn dein Traum verloren ist, dann gib nicht auf, weil du nicht weißt, wie es weitergeht.“

Es war sehr stark, sehr klar. Und dann kam als nächstes: Nichts!

Keine weitere Zeile. Nur diese verdammte eine.

2. Warum Zuversicht mehr ist als Hoffnung

Ich wartete und hoffte so sehr, dass das Lied mir als nächstes verraten würde, wie es weitergehen sollte – nur ein Schnipsel einer Idee! Aber woher auch immer die Musik in Köpfe kommt: „Es“ schwieg hartnäckig.

Und so blieb die eine Zeile hängen. Innerlich ehrlich gesagt mit einem Fragezeichen am Ende: „All might not be lost?“

Aber irgendetwas in mir war trotz tiefster Depression auf eine Weise aufgewacht – und neugierig. Bei allen Tränen, die ich noch weinte: Beobachtend. Vielleicht auch innerlich sammelnd für den Rest der Lyrics, falls die Muse gedenken sollte, sich irgendwann erneut zu zeigen. Was sie auch tat – gut 10 Jahre später.

In der Zwischenzeit lernte ich, mit der offenen Frage zu leben. Und ich glaube, ich wäre heute nicht die, die ich bin, wäre damals gleich eine schlaue zweite Zeile für das Lied mitgeliefert worden.

Ich begann, mir noch tiefere Fragen zu stellen, als das Philosophiestudium bereit hielt. Ich fragte mich, woher diese Zeile gekommen war: Aus meiner Intuition, meinem Unterbewusstsein oder von ganz woanders? Ein bischen Hoffnung war auch dabei, klar. Aber entscheidend war etwas anderes: Zum ersten Mal begriff ich, dass ich weder Sicherheit und Gewissheit brauchte, noch Hoffnung, noch Kenntnis des Wegs in die Zukunft. Etwas in mir begann, sich von einem starren Lebensplan, so schön er auch gewesen war, zu lösen. Irgendwie offener zu werden – und damit auch lebendiger.

Es war ein äusserst schmerzhafter und angsterregender Prozess – aber im Rückblick ein echter innerer Wendepunkt.

3. Zuversicht: Das Netz, aus dem das Leben gewoben wird

Nicht nur mich, sondern auch die Wissenschaft beschäftigt die Frage, was uns in solchen Situationen eigentlich trägt. Ein wichtiges Konzept ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten das der Resilienz, der seelischen Widerstandsfähigkeit, geworden.

In der Resilienzforschung gilt „Optimismus“ gilt als eine der sieben Säulen der Resilienz. Sie ist also sogar auch ein wissenschaftlich validierter psychischer Schutzfaktor.

Denn gemeint ist damit natürlich keine naive Schönfärberei, toxisches Positivdenken oder Zweckoptimismus, sondern eine Weise, bewusst mit sich selbst und dem Leben und seinen Herausforderungen in Beziehung zu treten.

Das klingt abstrakt, ist aber Lebensweisheit pur.

4. Ist Zuversicht in einer Welt voller Krisen nicht naiv?

Zuversicht bedeutet nicht, dass ich glaube, alles wird schon irgendwie „gut“. Das wissen wir nicht. Wir müssen / dürfen uns auch darum kümmern. Und die großen Krisen unserer Zeit stellen uns vor Herausforderungen, vor denen wir schon mal den Mut verlieren können. Aber bitte nicht die Zuversicht!

Zuversicht ist für mich tiefer, existenzieller und philosophischer zugleich als „wird schon“-Optimismus: Sie ist (m)ein tastendes Vertrauen, dass das Leben weitergeht und neue Möglichkeiten entstehen können, selbst wenn ich sie gerade noch nicht sehen kann.

Optimismus als Grundhaltung dem Leben gegenüber ist etwas, was daraus im Laufe der Zeit entstehen kann. Diese äußere Lackschicht bekommt immer wieder Kratzer durch den Kontakt mit der Realität. Aber darunter ist für mich die Zuversicht, die erstaunlich unkaputtbar ist, auch wenn unser Verstand sich vielleicht in der schlimmsten Krise eine andere Geschichte erzählt.

Vielleicht ist Zuversicht das stille Ja zum Leben und vom Leben, auch wenn der Verstand gerade Nein sagt.

Interessanterweise gehen auch Traditionen, die betonen, dass das Leben voller Leiden ist (Yoga und die Veden, der Buddhismus, aber auch die monotheistischen Religionen), in der Tiefe von einem wohlwollenden und freundlichen Universum aus und der Möglichkeit der Transformation, der Freiheit und des persönlichen Lernens.

Daher ist Zuversicht und Optimismus samt Lernoptimismus heute einer meiner wichtigsten Werte. Und das ist aus meiner Sicht nicht naiv, sondern mutig. Denn es bedeutet, dass man sich immer wieder mit dem Leben, wie es wirklich ist, in Kontakt bringt und in Kauf nimmt, dass das Kratzer gibt oder die Geschichte kein hübsches Hollywoodende bekommt. Aber man wagt es, das Leben.

Und ich finde, dazu brauchen wir mutige Zuversicht, die sich über den Rand des bisher Bekannten, Vertrauten und Denkbaren hinauswagt, in die Zukunft. Insbesondere, wenn wir glauben, dass die Zukunft, die wir gerne gehabt hätten, so nicht mehr eintreten wird. Es könnte auch anders (gut) werden…

5. Was mir hilft, wenn meine Zuversicht wankt

Zuversicht ist nichts, das man in bester Laune und an guten Tagen wirklich bemerkt. Wahrscheinlich ist sie da auch dabei, aber so richtig bewusst wird sie uns meist erst, wenn sie uns irgendwo in innerer Finsternis überraschend findet.

Trotzdem können wir auch lernen, sie zu kultivieren und einzuladen, wenn wir sie brauchen.

Im folgenden einige Aspekte, die mir persönlich dabei helfen:

Musik: Musik kann Räume in uns öffnen, zu denen unser Verstand die Tür nie finden würde. Sie kann uns an etwas in uns er-innern, in Schwingung und Resonanz versetzen und so anregen, auch das Leben selbst wieder mehr zu spüren und seine Schwingungen zuzulassen.

Der Atem: Zum Zeitpunkt der eingangs geschilderten Szene hatte ich auch meine erste Panikattacke. Es war ein Erlebnis des extremen Kontrollverlusts und emotionalen Zusammenbruchs, das mich letztlich auch das erste Mal in Kontakt mit Psychotherapie brachte (auch das war ein Anstoß, dessen Bedeutung mir erst mehr als 20 Jahre später bewusst wurde. Wer weiß, ob ich ohne dies heute Heilpraktikerin für Psychotherapie wäre?).

Jedenfalls war ich damals mit meiner Panikattacke alleine und wusste auch nicht, was da geschah. Ich dachte nur, dass ich sterbe, weil ich vor lauter Weinen und Angst keine Luft mehr bekam. Aber auf einmal merkte ich, inmitten meines Zusammenbruchs und meiner Panik: Doch, ich bekomme Luft. Mein Körper nutzt jede Millisekunde Pause im Heulkrampf, um schnell Sauerstoff zu tanken. Es war nicht schön, aber mein Körper versorgte mich selbst in diesem Moment, als der Rest von mir nicht mehr konnte.

Es klingt vielleicht ein wenig seltsam, aber auch darauf können wir auf eine Weise vertrauen.

Kinder und Tiere: Manchmal genügt der offene Blick eines kleinen Kindes oder eines Tiers, um sich daran zu erinnern, dass die Welt größer ist als die eigene Angst.

Achtsamkeit: Achtsamkeit ist für mich keine Technik, sondern eine Haltung und ein Weg. Sie hilft mir immer wieder, von meiner Geschichte im Kopf zurück ins Hier und Jetzt und ins Leben zu kommen.

Neugier: Sich fragen, was als Nächstes kommt: Ein Atemzug? Eine Idee? Ein Anruf? Ein Seufzer? Eine endlich wieder etwas erholsame Nacht? Ein Traum, der einen Zusammenhang zeigt? Eine wertvolle Begegnung?

Das Leben wirken lassen. Und sich tragen lassen. Vom nächsten Schritt aus hat man eine neue Perspektive, die man jetzt noch gar nicht haben kann. Offenheit, Wunder und Staunen sowie eben Neugier nehmen enorm Druck heraus.

Ressourcenbewusstsein und Lösungsorientierung: Auf das schauen, was geht – und das stärken und nutzen, was funktioniert. Klingt simpel, aber oft gerät das gerade in schwierigen Zeiten aus dem Blick. Dieser ganzheitliche Blick auf das komplette Leben, und nicht nur unsere Probleme und Herausforderungen, ist aus meiner Sicht einer der wichtigsten Schlüssel zur Wirksamkeit, auch wenn wir uns überfordert, verloren und ohnmächtig fühlen.

Der Intuition vertrauen: Das Leben will leben und findet seinen Weg, wie Wasser. Wenn wir auf unsere innere Stimme hören, machen wir es dem Fluss des Lebens leichter, auch in uns wieder wirksam zu werden.

Wertebewusstsein: Unsere Werte können uns Leitsterne sein – gerade wenn in unserem Leben Chaos herrscht. Es lohnt sich, unter die Oberfläche unserer vermeintlichen Werte zu schauen und zu spüren, was uns wirklich in der Tiefe antreibt, gerade wenn da Widerspruch, Schmerz und Spannung ist.

Vorbilder verankern: Das können weise Menschen sein, die Schweres durchgemacht haben und daran gewachsen sind wie Maya Angelou, Nelson Mandela oder vielleicht auch unsere eigenen Vorfahren. Vielleicht gibt es ein Zitat oder ein Bild dieses Menschen, das wir in unsere Räume bringen können und so von ihnen Kraft und Zuversicht „borgen“.

Auch die Natur ist ein wunderbares Vorbild: Mich inspirieren Pflanzen, die unter den schwierigsten Bedingungen einfach wachsen und sich der Sonne zuwenden, immer wieder.

Humor: Humor hilft, unsere Mindfucks zu dekonstruieren und einen Schritt zurückzutreten und das kosmische Spiel zu bewundern. Um es mit Mark Twain zu sagen: „Mein Leben war voller schrecklicher Katastrophen. Von denen die meisten nie eingetreten sind.“

Wir sind Meister im Katastrophisieren (oder „Hinein-Theatern“, wie man in Österreich wohl sagt). Warum werden wir nicht Meister*innen im glückliche Wendungen für möglich halten?

6. Zuversicht als meine berufliche Verbündete

Heute arbeite ich als Coach und Heilpraktikerin mit Menschen, die ähnliche Momente wie ich damals (und auch danach immer wieder) erleben. Viele stehen dann vor einem Scherbenhaufen ihrer Träume, im Beruf oder in der Beziehung oder haben Angst, wie es in der Welt inmitten all unserer Krisen weitergehen soll.

Ich bin dankbar, dass ich gelernt habe, dass es immer weitergeht – auch wenn wir gerade nicht sehen können, wie. Und dass ich selbst erlebt habe, dass wir mehr Wandlungsfähigkeit und Resilienz besitzen, als wir selbst glauben.

Ich bin aufgrund meiner Erfahrungen und der Begleitung anderer Menschen in sehr schwierigen Situationen auch tief entwicklungs- und lernoptimistisch … Gegenüber fixen Lebensplänen und Identitätsverwechslungen mit Rollen bin ich hingegen gesund misstrauisch geworden. Was wir letztlich lernen dürfen, wenn solche Träume scheitern, ist dass wir und das Leben immer größer sind als unsere Ideen davon.

Ja, es kann sehr weh tun, wenn etwas zerbricht, das uns wertvoll war und sehr ängstigen, wenn wir um etwas bangen, das uns lieb ist. Aber wenn wir Jahre später zurückblicken uns sagen „Auch das habe ich überlebt“, erkennen wir, wie resilient und stark wir sind.

Manchmal ist es auch befreiend und es entsteht aus einer großen, bangen Frage oder einem Verlust etwas Neues und vielleicht auch Schönes. Daher finde ich auch Lebenswege so faszinierend – und insbesondere die Spurensuche nach der Zuversicht, die oft fast unsichtbar bleibt, ausser in den dunkelsten Momenten.

7. Fazit: Was ich dir wünsche, wenn du gerade den Weg nicht siehst

Vielleicht stehst du gerade selbst an einem Punkt, an dem du nicht siehst, wie es weitergehen kann oder soll. Tatsächlich wünsche ich dir dann keine guten Ideen und schnellen Lösungen. Sondern dass du den Mut und die Neugier findest, den nächsten kleinen Schritt trotzdem zu gehen.

Oft erkennen wir erst im Rückblick, Jahre später, wohin uns dieser Schritt geführt hat.

Manchmal besteht Zuversicht nur aus einem einzigen Gedanken:

„When your dream is lost, you´ve got to hold on, because … all might not be lost.“

Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Aber ich gehe trotzdem weiter.

P. S.: Der eingangs erwähnte Song schrieb sich übrigens rund 10 Jahre nach der ersten Zeile selbst fertig, binnen weniger Minuten. Es war wie eine innere Durchsage, nachdem ich jahrelang auf der ersten Zeile herummeditiert hatte.
Lust reinzuhören? Hier findest du den ganzen, finalen Song: HOLD ON
Wie es kam, dass meine Musikkarriere doch nicht endete, sondern dass ich zwei Alben mit meiner Musik aufnahm, kannst du hier lesen.

Teile gerne auch deine Gedanken und Inspirationen zum Thema Zuversicht in einem Kommentar.

Denn im Laufe der Jahre habe ich noch etwas über die Zuversicht gelernt: Sie wächst, wenn man sie teilt.

Selbstführung im KI-Zeitalter: ein Klassiker in Neuauflage Dez. 2, 2025

Selbstführung: Die Kernkompetenz im KI-Zeitalter

Selbstführung – das klingt nach noch mehr Verantwortung. Etwas schwer, etwas sperrig. Doch es ist in Wahrheit der Schlüssel zu unserer menschlichen Freiheit und Selbstbestimmung. Wir alle tragen die Fähigkeit dazu in uns – doch im KI-Zeitalter muss sie bewusst kultiviert werden, um nicht in einer ganz neuen Art von Stress und Überforderung durch unsere eigene Neugier unterzugehen.

Zum Einstieg eine Anekdote: Neulich sprach ich in einem Kurs zum Thema Resilienz bei der Arbeit voller Elan und Begeisterung über Selbstführung und meine zehn Strategien dazu (siehe unten). Doch irgendwann merkte ich, dass die Stimmung immer schwerer wurde. Ich fragte nach. Schließlich sagte ein Teilnehmer: „Puh! Ich ersaufe eh schon in Aufgaben und jetzt soll ich mich auch noch selbst führen!?“

Genau deshalb schreibe ich diesen Beitrag: Denn Selbstführung ist keineswegs ein weiteres „To do“ – sondern eine Haltung oder ein Lebensprinzip! Richtig verstanden, schenkt sie vielmehr Klarheit, Leichtigkeit und Sinn – und zwar gerade in einer Welt, die dank KI und diverser Herausforderungen nicht nur VUCA (volatile, uncertain, complex, ambiguous) sondern auch BANI (brittle, anxious, non-linear, incomprehensible) ist!

Selbstführung im KI-Zeitalter - to prompt or to be prompted
Selbstführung im KI-Zeitalter – to prompt or to be prompted!

Eine neue Art von Stress: KI als Erschöpfungstreiber

Man muss nur mal einige Tage viel mit KI arbeiten, um zu beobachten, wie es sich auswirkt, dass KI am Ende jeder Ergebnispräsentation neue Fragen und Fortsetzungsangebote aufwirft: Anfangs fühlt es sich großartig. Doch irgendwann wird man immer unruhiger – und stellt irgendwann fest, dass man in einem „Kaninchenbau“ gelandet ist, dessen Zweck es ist, die eigene Aufmerksamkeit gefesselt zu halten.

Das menschliche Gehirn spricht auf KI stark an, weil es Stimulation und Neugier liebt. Doch das gleiche Muster führt uns zugleich auch schnell in die totale Überlastung!

Diese Art von Stress ist eine neue Erfahrung für das menschliche Gehirn. Es gibt bereits Studien die zeigen, dass die häufige Nutzung von KI das kritische Denken schwächt. Zugleich ist KI aus der Arbeitswelt in den meisten Bereichen schon jetzt nicht mehr wegzudenken. Wir müssen und dürfen lernen, damit umzugehen.

Uralte philosophische Weisheit als „Future Skill“

Wichtig ist auch, dass wir den Mehrwert unserer menschlichen Arbeit ebenso verstehen wie die Chancen, die in KI liegen. Sonst verlieren wir den Kontakt zu uns selbst sowie das Empfinden von Sinn und Wirksamkeit. Und: Wenn wir nicht selbstbewusst unser Leben und unseren Beruf gestalten und „führen“, werden wir geführt und werden immer fremdbestimmter.

Das ist zugegeben kein neues Phänomen – in Corporate-Kreisen ist die Metapher mit den fremden „Affen“ auf eigenen Schultern seit Jahrzehnten geläufig. Und auch dem im Artikelbild gezeigten / zitierten Aristoteles ging es letztlich um Selbstführung: Nichts anderes ist der philosophische Ur-Auftrag, der Mensch solle „sich selbst erkennen und er selbst werden“.

Heute blickt er symbolisch (in Form einer Statue in Thessaloniki) auf eine Welt, die viel schneller, komplexer und widersprüchlicher geworden ist als die seine. Der Gedanke der Selbsterkenntnis und Selbstführung war für ihn ein Ideal, ein Leitbild. In der modernen Arbeitswelt ist es noch mehr: eine „Future Skill“ und meines Erachtens auch eine Überlebenskompetenz.

Denn es reicht nicht mehr zu „wissen“: Wir müssen lernen zu spüren, was stimmig ist. Es reicht nicht mehr, Vorgaben und Regeln zu folgen: Wir müssen und dürfen den eigenen Weg selbst gestalten. Das gehört zur Freiheit des Menschen – und wir müssen lernen, sie zu leben. Denn das entscheidet darüber, ob wir handlungsfähig bleiben oder im Strudel permanenter Anforderungen und „Prompts“ von außen untergehen.

Das Ende des Informationszeitalters – Beginn der „Sinn-Epoche“?

Die Rolle, die KI aktuell hat, entspricht wahrscheinlich der, die Wikipedia bis dato hatte. Es ist eine wichtige Referenz und ein guter Startpunkt für sehr viele Anfragen.

Doch jeder, der wirklich ein ernsthaftes Interesse hat, einem Sachverhalt auf den Grund zu gehen oder etwas zu verstehen, muss zwangsläufig weit darüber hinaus recherchieren – und Informationen und Quellen bewerten und validieren können.

Dazu wiederum braucht es kritisches Denken – aber rein über rationales Denken hinaus. Gefragt ist auch emotionale und intuitive Intelligenz! Besonders wenn es um große und komplexe Fragen geht.

Kleine vs. große Entscheidungen: Von Risiko- und Kontextbewusstsein

In vielen Situationen suchen Menschen eine schnelle und einfache Antwort. Hier liefert KI schnelle und gute Antworten. Aber wenn es um komplexe Fragen geht, die Fingerspitzengefühl und vor allem menschliche Erfahrung und Reife benötigen, liefert KI zwar auch Antworten – aber ob die Fragen damit lösbar sind, ist eher zu bezweifeln.

KI liefert auch klare Antworten auf Fragen, wie man seine Kinder am besten erzieht, ob man den Job wechselt oder auswandert oder wie man ein Online-Business gründet. Doch das sind große Fragestellungen – und das Risiko von falschen Entscheidungen ist sehr groß und hat einen hohen Preis!

Daher müssen wir uns mehr Zeit nehmen und mehr Mühe aufwenden, um Lösungswege dafür zu finden. Der Mensch ist treffsicherer als KI beim Bewerten der Risiken und Chancen verschiedener Optionen – und es ist sehr zu hoffen, dass das Bewusstsein dafür unserer Spezies erhalten bleibt! Selberdenken ist mühsam – aber es lohnt sich.

Der menschliche Suchimpuls kommt von innen

Ob mit oder ohne KI, online oder offline: Der menschliche Suchimpuls entspringt immer einem inneren Anliegen, das bestimmte Gründe hat. Wir sind zwar offene und neugierige Wesen, aber selbst als hochsensible Scanner gehen wir nicht komplett wahllos durch die Welt und saugen alles an Informationen auf. Wir sind angetrieben und motiviert von einer inneren Instanz, die immer nach etwas Bestimmtem sucht – auch wenn es Billionen Formen hat und für jeden etwas anderes ist:

Selbstführung und die Suche nach Sinn

In unserer ewigen Suche zeigt sich unser Selbstbestimmungsdrang. Er ist eines der treibenden Motive des Menschen. Denn wir Menschen sind nicht Informationssammelnde, sondern Sinnsuchende.

Doch es bleibt wichtig – im KI-Zeitalter wichtiger denn je! – , schon frühzeitig die Fähigkeit zum kritischen Denken zu vermitteln und wie man Informationen recherchiert und bewertet. „Kritisches Denken“ entspricht dabei nicht 1:1 dem Verständnis der Aufklärung. Es muss ergänzt werden um die Erkenntnis, dass der Mensch eben nicht nur rational ist, sondern viele andere Ebenen und Schichten hat, die in Form von Bedürfnissen, Wünschen und auch Erkenntnisebenen in unserer Sein hineinspielen. 

Wir brauchen eine Art somatisch informierte neue Aufklärung, die unsere rationalen, intuitiven und sozialen Fähigkeiten zusammenführt. Diese kann uns helfen, uns in dieser neuen und oft verwirrenden Welt zu orientieren und auch in Unsicherheit klug und für uns stimmig zu navigieren.

Diese Fähigkeit heisst „Selbstführung“ und ist die Kernkompetenz im KI-Zeitalter!

Was ist „Selbstführung“ genau? 4 hilfreiche Blickwinkel

Selbstführung hat – genauso wie der Begriff der Führung – verschiedene Aspekte, die betrachtet werden können: Es geht auch bei Selbstführung um Verantwortung, Überblick, Steuerung und Strategie, Motivation, Kompetenz, emotionale und soziale Intelligenz, Verbindung, Empathie und „Assertiveness“, Fürsorge, Kommunikation und Präsenz.

Für die Praxis finde ich vier Blickwinkel besonders hilfreich, um zu reflektieren, wie stark und klar die eigene Selbstführung bisher ist: Sie spiegeln, dass Selbstführung immer in Beziehung stattfindet – zu uns selbst, zu anderen, zu Aufgaben und zum Leben.

Selbstführungskompetenz ist Beziehungskompetenz
Selbstführungskompetenz ist Beziehungskompetenz!

Self-Leadership und die Führung von inneren und äußeren Teams

Eine besonders spannende Sichtachse ist meiner Erfahrung nach die auf das „innere Team“, sprich, die Beziehung zu uns selbst. Denn hier zeigen sich oft tiefere Ursachen einer chronischen Stress- oder Arbeits-Überlastung oder auch von äußeren Konflikten. Wenn wir mit uns selbst nicht im Reinen sind – also unter internen Spannungen wie Wertekonflikten leiden – hat das eine massive Auswirkung auf unser Wohlbefinden, unsere Wirksamkeit und unsere Beziehungen nach außen.

Leadership als äußere berufliche Rolle beginnt daher notwendigerweise immer mit gutem Self-Leadership. Denn sonst ist das Risiko groß, dass innere Konflikte ins Außen projiziert oder im äußeren Team re-inszeniert werden! Selbstführung als Fähigkeit des Selbstverständnisses und der Selbstbeziehung bekommt dadurch eine weitere hochrelevante Bedeutung im beruflichen Kontext.

10 Prinzipien gesunder Selbstführung im Beruf

Wir haben gesehen, dass Selbstführung kein „To Do“ ist! Es ist eine Art der Beziehung und Interaktion mit sich selbst und der Welt. Wie konkret sieht das nun aber aus? Wie kann es gelebt werden.

Hier einige spielerische Impulse, die zugleich für mich Prinzipien gesunder Selbstführung und „Inner New Work“ sind:

  1. Work hard, play hard – pflege deine Work-Life-Balance 
  2. Unterscheide Trainings-, Wettkampf- und Regenerationsphasen
  3. Übernimm radikale Selbst-Verantwortung und Lebensgestaltung
  4. Lebe Intrapreneurship & denke dabei an den „Circle of Influence“
  5. Setze Fokus statt „busy“ zu sein – und nutze Rhythmus statt Disziplin
  6. Kultiviere gute Selbst-Strukturierung – mit Flexibilität und Lern-Mindset 
  7. Kenne deine Bedürfnisse, Ziele, Stärken und Werte
  8. Vertrauen, Teamwork und vernetztes Denken 
  9. Verstehe, was KI kann und was dich als Mensch ausmacht: Bei der Arbeit und im Leben!
  10. Do what you love & Love what you do

Der eine Impuls, der meiner Erfahrung nach der schnellste Weg in die Haltung von Selbstführung oder „Inner Leadership“ ist, lautet: Be the CEO of your own life!

Inner Leadership statt "Matrix" - eine hochmoderne Kernkompetenz!
Inner Leadership statt Selbstverlust in der „Matrix“ – eine hochmoderne Kernkompetenz!

Nachforschung: Wer oder was hat mich „gepromptet“, diesen Artikel zu schreiben?

Das Thema Selbstführung brennt mir schon lange unter den Nägeln. Es ist eines der zentralen Themen meiner Arbeit als Coach und Mentorin mit Menschen, die viel Verantwortung tragen und mit Stress, Überforderung und Frust kämpfen. Für mein Empfinden ist diese Fähigkeit zu „Inner Leadership“ absolut zentral, um sich aus Selbstüberforderung, Fokusverlust und Fremdbestimmung in einer extrem eng getakteten und überreizten Welt zu befreien.

Denn hinter einem Gefühl von „zu viel“, von Überforderung und Hilflosigkeit, das so viele Menschen derzeit erleben, steckt meist ein Erleben von Selbstverlust – genauer: Vom Verlust des Gefühls für sich selbst.

Selbstführung ist kein Selbstmanagement – sondern wieder in Kontakt zu kommen mit der inneren Führung, dem inneren Kompass, der ohnehin schon da ist!

Auch philosophisch und psychologisch ist die Frage, was uns innerlich da eigentlich führt, wenn Sinnfragen auftauchen, hochinteressant. Sie führt uns nämlich zurück zu uns selbst. Wir verlieren uns nie wirklich ganz – wir verlieren aber oft unsere innere Mitte und lassen uns von außen (ver)führen und lenken.

Doch etwas Spannendes passiert, wenn wir eine Haltung von Neugier und Forschergeist gegenüber der inneren Instanz entwickeln, die uns motiviert, uns für bestimmte Themen oder Dinge einzusetzen. (Und etwa auch des Nachts, unter Schlafentzug, neue Gedanken für Blogartikel schickt … ;-))

Fazit: Selbstführung ist kein To-Do, sondern innere Verbundenheit

Selbstführung im KI-Zeitalter beginnt dort, wo wir uns nicht weiter von außen lenken („prompten“) lassen, sondern wo wir Verantwortung für unsere innere Orientierung übernehmen. Das muss sich nicht schwer anfühlen – im Gegenteil! Die beste Orientierung ist ein Gefühl von neugieriger Selbstzuwendung.

Zum Abschluss möchte ich daher einige Reflexionsfragen teilen, die zwar keine Antworten geben, aber auf einer tiefen Ebene wieder eben jenen Kontakt zu sich selbst herstellen können:

  • Woher kommen diese inneren Impulse? Was treibt mich da innerlich an?
  • Warum ist mir das Thema wichtig? Auf welche Werte in meinem Leben weist mich das hin?
  • Wie fühlt es sich an, dem zu folgen?
  • Was hilft mir im Alltag, mich selbst und diese inneren Impulse wieder klarer zu spüren?
Deine innere Stimme kennt den Weg Nov. 18, 2025

Motivationskiller KI? Selbstdenken und -schreiben macht den Unterschied

Es ist immer öfter so, dass ich nachdem ich ein Textkonzept mit KI erörtert habe, keine Lust mehr habe, den Text zu schreiben. Die Motivation ist weg. Aber warum eigentlich? Die Antwort ist vielschichtig und hat mit unserer natürlichen Intelligenz zu tun. Wir Menschen verarbeiten und verstehen Dinge auf eine Art und Weise, die sich mit KI weder simulieren noch abkürzen lässt.

Was mich beim Schreiben und Denken nur mit KI stört 

  1. Mir fehlt das geistige Workout und einige Aspekte des Erkenntnisgewinns, die nur beim Schreiben entstehen. Ich mag es, wenn der Text sich selbst schreibt. Doch mit einer Outline – selbst wenn sie 100 % auf eigenen Gedanken beruht – ist der Verlauf schon fixiert. Das nimmt Offenheit.
  2. Meine Texte sind lebendiger sind als alles, was KI vorschlägt. Auch meine Ideen verlieren von ihrer Energie, bis die KI sie durchgearbeitet hat. Es fehlt die Menschlichkeit.
  3. Es fühlt sich nicht richtig an, dem ohnehin schon überbordenden Lärm der Welt noch weiteren KI-mitgeschriebenen Slob hinzuzufügen. Ich will keine KI-Texte mehr lesen (außer vielleicht bei Manuals) und auch keine schreiben. Ich habe keine Lust, mich mit Dingen auseinanderzusetzen, wo am Ende klar wird: Das ist kein Mensch. Das ist wie Dating mit einem Phantombild. Es fehlt ein echtes Gegenüber und echte Beziehung.
  4. Es scheint immer mehr beliebig und bedeutungslos, einen Text zu veröffentlichen, den KI auch hätte schreiben können. Was ist überhaupt noch Autorenschaft? Was ist ein Rezipient? Was ist der Mensch und sein einzigartiger Beitrag und „Mehrwert“? Aktuell entsteht eine Art existenzielle Kränkung des Menschen in seiner „Authorship“ und Relevanz. Vielleicht auch, weil durch den ganzen KI-Slob mit unklarer Autorenschaft das Vertrauen insgesamt bröckelt – und immer mehr leere Echokammern entstehen…
  5. KI ist mit seinem ewigen „soll ich noch schnell für dich XY?“ wie übereifrige Eltern oder Lehrer, die dem Kind / Schüler alles abnehmen. Das killt die Selbstwirksamkeit, die auch aus eigener Anstrengung kommt. Und im Ergebnis mindert es den Erschaffer-Stolz und die intrinsische Motivation.

Dialog ist menschlich. Daher die Frage: Wie siehst du das?

Wie erlebst du deine Interaktion mit KI – und wie fühlst du dich danach?

Entscheidungswege - ein Leitfaden für Feinfühlige Juli 26, 2025

Stimmige Entscheidungen in komplexen Situationen treffen – ein Leitfaden

  • Wie kann man stimmige Entscheidungen treffen – auch wenn man sich (noch) nicht sicher ist?
  • Wie lässt sich mit widersprüchlichen inneren Wahrnehmungen zur Entscheidung umgehen?
  • Entscheidungsstark als feinfühliger und / oder dauergetresster Mensch – geht das überhaupt?!

Viele fein- und tiefsinnige Menschen hängen bei Entscheidungen innerlich komplett fest. Umso mehr, wenn Angst, Stress und Erwartungen anderer im Spiel sind! (Und wann sind sie es nicht?)

Oft spüren wir Sehnsucht und Angst, Neugier und Zweifel zugleich. Insbesondere feinfühlige, empathische und komplex denkende Menschen kennen diese tiefe Ambivalenz oft nur zu gut. Ich selbst auch.

Doch wo ich mir früher selbst Entscheidungsschwäche oder Prokrastination vorgeworfen habe, sehe ich heute: Diese Ambivalenz und der dadurch oft als quälend oder überfordernd wahrgenommene Entscheidungsprozess ist kein Fehler. Sondern ein Wegweiser und ein Indiz, dass in dir ein lebendiger innerer Dialog stattfindet.

Ich teile hier einige Anregungen, die mir heute helfen, mich im Ungewissen zu orientieren, den Prozess als solchen zu wertschätzen statt zu verurteilen und meine Stärken wie meine Intuition zu nutzen.

1. Der Mythos der glasklaren Entscheidung

Fangen wir mal mit der heiligen Kuh an: Es gibt keine glasklaren Entscheidungen! Dieses Entscheidungsideal ist bis auf wenige Heureka-Momente in unserem Leben die absolute Ausnahme. Und doch messen wir alles daran!

Viele von uns haben Vorstellungen über innere Entscheidungsprozesse, die auf längst überholten Theorien basieren, wie der Mensch angeblich so tickt. „Homo economicus?“ – Ein Mythos! „Cogito ergo sum“? – Eine Überhöhung des Denkens und ein einseitiges Erbe des westlichen Rationalismus und später des Scientismus. Wir sind nicht rein rational und immer klar. Und das ist gut so!

Tatsächlich können wir ohne unsere Emotionen gar nichts entscheiden – weil diese uns nämlich bei der Bewertung der Relevanz von Ideen, Stimuli und eben Optionen helfen. Und selbst wenn WIR so wären: Die Welt ist definitiv anders! Wie stehen im Leben immer wieder in komplexen und unsicheren Situationen, die wir nicht ganz durchdringen können – weder die äußere „Sachlage“, geschweige denn unsere innere! Bekanntermaßen ist unser Verstand oft der Pressesprecher, der eine woanders gefällte Entscheidung dann rational erklärt – oder sich die Welt so erklärt, dass das gefühlte Ausmaß an Unsicherheit dabei erträglich ist (Daher lieben wir auch Detektivgeschichten so sehr: Es wird am Ende immer offenbart, wie alles zusammenhängt. Im echten Leben – nun ja. Erklärungsmodelle gibt es meist viele, aber in der postmodernen Welt ist offenbar geworden, dass dahinter meist eine Agenda steckt, nicht „DIE WAHRHEIT“).

Und doch glauben wir meist eine Entscheidung sei dann gut, wenn sie sich eindeutig, sicher und richtig anfühlt. Und warten, bis es so weit ist. Sehr lange. Zu lange. („Und Jahr um Jahr im Flug verging, es wartete Rapunzel. Und als ihr Haar zu Boden hing, war sie ne alte …“)

Wir brauchen daher ein anderes, ein menschlicheres Verständnis von Entscheidungen.

Die Erschütterung des „glasklare Entscheidungen“-Paradigmas geht tiefer als auf Anhieb sichtbar ist. Es bedeutet nämlich auch: Eine stimmige Entscheidung muss nicht sicher sein.

Das klingt erstmal unlogisch – und ziemlich unattraktiv. Warum dann eigentlich überhaupt entscheiden?
Nun, zum einen üben wir so Selbstwirksamkeit. Zum anderen aber auch Demut gegenüber dem Leben und seiner Komplexität. Und wir geben uns mit der Bejahung der Aussage die Freiheit, später eine andere, dann stimmige Entscheidung zu treffen. Die Sicherheit wird nämlich nie „da draußen“ sein – sondern immer nur in uns und in unserem Vertrauen, auf das, was das Leben uns bringt, irgendwann eine gute oder zumindest immer bessere „Antwort“ geben zu können.

Das zeigt: Gute Entscheidungen kommen aus einer tiefen, vertrauensvollen Verbundenheit mit uns selbst und dem Leben. Sie sind nicht endgültig, sondern ein nächster, vielleicht auch kleiner Schritt.

Eine gute Entscheidung ist nicht „perfekt“, sondern tragfähig – im Kontext der aktuellen Situation! Die Art von Stimmigkeit, nach der wir innerlich suchen sollten, ist kein Match mit einem Fahndungs-Phantombild der perfekten Lösung, das wir uns gemacht haben. Sondern eher ein weites, offenes Gefühl eines inneren „Ja“ – oder zumindest ein „Ich habe Lust, das zu probieren – und egal, was herauskommt …irgendwohin führt es“.

Kurzum: Gute Entscheidungen entstehen nicht im Kopf, sondern im Zusammenspiel von Körper, Herz und Verstand. Es geht um die Integration von Ratio und Intuition – und Individuum und Kontext.

2. Ambivalenz als Wegweiser

Die Ambivalenz hat einen schlechten Ruf. Dabei bedeutet das Wort eigentlich „Gleich-Wert“ oder „beide gelten“. (Das Wort wurde zuerst im Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung, der Schizophrenie, von Eugen Bleuler geprägt. Heute ist es Teil des allgemeinen Sprachgebrauchs und hat es sogar in Trendbegriffe wie „VUCA“ – für: Volatile, uncertain, complex, ambiguous – als Beschreibung unserer modernen Welt – geschafft).

Der durchaus schmerzhafte emotionale Zustand der inneren Zerrissenheit zeigt sich also, wenn uns zwei oder mehr Optionen etwas wert und wichtig sind. Ist das schlecht? Nur solange wir uns hilflos im Umgang damit fühlen und nicht verstehen, was darin steckt.

Beim Auftauchen ambivalenter Gefühle können wir sicher sein, dass in dieser Situation mehr als einer unserer Werte und mehr als eine innere Stimme mitreden wollen.

Es ist also eine Einladung, in die Tiefe zu gehen und genauer hinzuspüren:

  • Welche inneren Werte stehen denn da gerade in Spannung?
  • Welche Bedürfnisse melden sich hier gerade gleichzeitig?
  • Wie nimmst du diese inneren Stimmen wahr? Kannst du sie differenzieren und etwa trotz Angst oder einem lauten inneren Kritiker auch deine Intuition und dein wahres Selbst herausspüren?

Ambivalenz ist also kein Zeichen für Entscheidungsunfähigkeit! Sondern sie zeigt, dass da eine Entscheidung noch im Prozess und am Reifen ist. Es ist unfair, sich dann zusätzlich zu belasten und unter Druck zu setzen und sich Entscheidungsunfähigkeit oder Prokrastination vorzuwerfen.

Ambivalenz kann also als Zeichen für Differenziertheit verstanden werden. Gerade bei feinfühligen, empathischen und emotional tief verarbeitenden Menschen ist Ambivalenz auch eher der Normalzustand als die Ausnahme – denn neben äußeren Reizen nehmen wir auch innere Prozesse und Stimmen intensiver wahr. Wenn es uns gelingt, das zu akzeptieren und sogar als Stärke zu erkennen, können wir genau MIT dieser Ambivalenz viel „bessere“ und integriertere Entscheidungen treffen als wenn wir sie verleugnen!

3. Unsere Intuition: innerer Kompass für stimmige Entscheidungen

Wir alle haben ein eingebautes Navi für Entscheidungssituationen. Es hat mehrere Funktionsarten und „Kanäle“, um mit uns zu kommunizieren. Die Rede ist von unserer Intuition. Diese ist viel mehr als das oft zitierte „Bauchgefühl“ – auch wenn sie dieses umfasst. Sie sammelt und verarbeitet unser Erfahrungs- und Körperwissen, bietet eine Art Möglichkeiten-Simulator (in Kombination mit unserer Kreativität) und weiß zugleich – oft auf verblüffende Weise – mehr als unser Verstand und unser Unbewusstes in Kombination tatsächlich „wissen können dürften“.

Wir können lernen, ihre Signale bewusst wahrzunehmen und sogar mit ihr in Dialog zu treten, wenn es um größere Entscheidungen geht. Sie zeigt sich beispielsweise mit kleinen, spürbaren „Ja“- oder „Nein“-Signalen deines Körpers, deiner Stimme oder deiner Energie.

Mit der eigenen „inneren Stimme“ kommunizieren zu lernen, ist eine Lernaufgabe. Und trotzdem liegt das Talent dazu in uns allen vor.

An dieser Stelle ist vielleicht eine allgemeine Richtlinie hilfreich: Eine Entscheidung ist meist dann stimmig, wenn sie uns vom Gefühl her nicht enger macht, sondern weiter. Das heisst nicht, dass sich Entscheidungen immer „gut“ anfühlen müssen – manchmal sind auch stimmige Entscheidungen schmerzhaft. Meines Erachtens darf also eine stimmige Entscheidung Mut und Vertrauen erfordern – allerdings darf sie sich nicht gewaltsam gegenüber uns selbst anfühlen.

Es ist meist eine Variation der Emotion von „Angst“, die die Wahrnehmung unserer Intuition erschwert oder verfälscht. Das kann eine große, existenzielle Angst sein („Was, wenn ich scheitere und pleite gehe?“) oder eine eher subtile Angst vor Ablehnung oder Verlust von Verbindung („Was, wenn mich meine Freunde mich nicht mehr mögen, wenn ich mich entwickle?“) – und natürlich alles dazwischen!

Leitfragen, die bei Unsicherheit helfen, können also sein:

  • Was zieht mich „nach vorne“ – auch wenn ich Angst habe?
  • Was ist das Anliegen und Bedürfnis hinter der Angst – und was kann ich tun, damit ich hier gut für mich sorge und mich sicherer fühle?
  • Was ist ein kleiner, stimmiger nächster Schritt, der mich dehnt, aber nicht überfordert?

4. Risikobewusstsein statt blindem Vertrauen

„Spring und das Netz wird erscheinen.“

Dieser Satz wird oft Julia Cameron, der Autorin von „Der Weg des Künstlers“ zugeschrieben. Sie ist keine naive Frau. Sie meint damit Vertrauen und den Mut, loszugehen auf dem Weg, der der authentische eigene Weg ist – auch wenn man noch nicht weiß, wohin er führt. Das ist auch die Grundidee dieses Beitrags.

Doch dieser Satz wird von anderen oft ganz anders verwendet – eher im Kontext naiven magischen Denkens, das manche dann als „Manifestieren“ bezeichnen. Kritisches Denken und Denken überhaupt werden dann gerne auch verteufelt – genauso wie jede Regung von Skepsis, Fragen und Zweifeln. Und das finde ich dumm – und gefährlich – und manchmal auch berechnend. Etwa in Sales Calls – wenn ein potenzieller Kunde zum Kauf gedrängt wird mit expliziten oder impliziten Hinweisen, dieses Zögern und solche Zweifel seien ein Zeichen, dass sein / ihr Money Mindset noch nicht weit entwickelt sei.

Vielleicht darf an der Stelle auch daran erinnert werden, dass eine Kaufentscheidung für oder gegen ein bestimmtes Produkt (oder einen Kurs im Bereich Persönlichkeitsentwicklung ;-)) nicht gleichzusetzen sind mit einer Entscheidung für oder gegen die Selbstentwicklung oder die Liebe zu sich selbst und seinen Träumen.

Wir sind immer größer als unsere Entscheidungen! Und es kommt recht selten vor, dass sich binnen weniger Minuten, Stunden oder Tage der Verlauf unseres gesamten Lebens durch eine Entscheidung für oder gegen etwas unwiderbringlich ändert. Daher wertschätze das Gefühl von Unsicherheit, wenn du dich in einer solchen Entscheidungssituation von einer anderen Person gedrängt fühlst als mögliche „rote Flagge“.

Vielleicht ist es auch ein Zeichen, dass du bei Entscheidungen generell in innere Blockade gehst, weil du früher gedrängt wurdest, dich selbst zu übergehen. Es ist wichtig, da gut hinzuschauen und zu differenzieren.

Und natürlich ist es auch hilfreich, Klarheit für Entscheidungen einzufordern (und zu geben), um weitergehen zu können. Aber wenn jemand in einem Lern- und Coaching-Setting mit Druck und Scham arbeitet, ist das nicht ok.

Oft schaffen wir uns den Druck aber auch selbst und erwarten von uns die Fähigkeit, ins Ungewisse zu springen. Auch das verdient einen differenzierten Blick, finde ich!

Ich mag Naivität, wenn sie zu Offenheit und Kreativität führt. Aber nicht zu Dummheit oder zu großem Risiko.

Wer springt da und wann und wohin genau – und wie ist die Erwartung an „Netz“ und das „Aufgefangenwerden“ durch das Leben“? Ist es eine Befreiung aus einer tatsächlich unproduktiven Grübelschleife – oder eine Vermeidung von Selbstverantwortung? Das sind einige Zusatzfragen, die ich gerne per Fußnote anfügen würde, wo auch immer der Sprung ins Ungewisse undifferenziert empfohlen wird.

Triopetra auf Kreta
Eine beliebte Mutprobe für Besucher des wunderschönen Triopetra auf Kreta ist, zu den Felsenspitzen im Meer hinauszuschwimmen, hochzuklettern und dann ins Meer zu springen. Der Adrenalinschub danach sei genial, sagen viele, die es gemacht haben. Doch ein solcher Sprung ist nicht für jede:n geeignet! Eine Frau erzählte mir, eine Bekannte habe sich „überreden lassen“ – doch der Sprung in die Tiefe rührte bei ihr an einen alten seelischen Abgrund, so dass sie in Folge wochenlang mit heftigen Ängsten und Flashbacks kämpfte. Ich persönlich würde nur springen, wenn ein Tiger hinter mir her wäre und der Sprung ins Meer die bessere Überlebenschance verhiesse, als mit dem Tiger zu kämpfen. Man sollte sich selbst und sein Sicherheitsbedürfnis gut kennen und respektieren, bevor man im übertragenen oder konkreten Sinne „springt“.

Seien wir ehrlich: Entscheidungen sind mit Risiken verbunden. Manche mit geringen Risiken (zu einem Seminar angemeldet, das anders als erwartet war -> Erwartungen enttäuscht und 1-2 Stunden „fehlinvestiert“), manche mit großen Risiken (aus einem Frustreflex gekündigt -> finanzielle Notlage).

„Ein bischen gezieltes Denken schadet nicht“, sagte Gregory Kramer zu Beginn eines Retreats zum Thema „Insight Dialogue“, an dem ich vor vielen Jahren teilnahm. Dieser Satz dieses sehr erfahrenen Achtsamkeitslehrers begleitet mich seither – denn er erinnert, dass die Verteufelung des analytischen Denkens genauso falsch ist wie seine Idealisierung.

Entscheidungsmatrix: Eine analytische Orientierung im Ungewissen

Hohe SicherheitGeringe Sicherheit
Hohe Resonanz(möglicher) Sweet SpotWachstumszone aber mit Risiko
Geringe ResonanzWahrscheinlich eher ein fauler KompromissIst es das Risiko wert? Ist das jetzt der richtige Schritt – oder gibt es eine „dritte“ Option?

Klar, eine solche Matrix ersetzt kein Gefühl und nimmt uns die Entscheidung auch nicht ab. Aber sie kann helfen, unsere Reflexionen etwas zu strukturieren. Manchmal zeigt sie auch einfach, dass es nicht die eine perfekte Lösung gibt, sondern eher eine Richtung, die im Vergleich mit den anderen etwas stimmiger – oder etwas weniger unstimmig ist.

Ich vergleiche die Arbeit mit der Intuition daher auch gerne mit dem Kinderspiel „Blinde Kuh“: Unsere inneren Signale sind wie die Mitspieler, die uns als blinden Suchenden zurufen „…. nein, kalt, kalt …. ja, heisser, heisser …!“

Wertehierarchie und Lebensgestaltung statt Schwarz-Weiss-Denken

„Was ist deine Wertehierarchie? Steht Sicherheit da (jetzt gerade) ganz oben – oder etwas anderes?“

Das ist eine Frage, die bei mir viel verändert hat. Denn das größte Risiko im Leben ist, nicht wirklich zu leben und für uns zu gehen. Ich bin kein Risiko-affiner Mensch und trotzdem weiß ich für mich ganz klar, dass ich – mehr als jede Fehlentscheidung! – bereuen würde, nicht für mich oder meine Träume und mein Wachstum entschieden zu haben.

Wichtiger als einzelne große „Wendepunkt“-Entscheidungen sind aber meist ohnehin die vielen kleinen Entscheidungen. Und das Bewusstsein, dass eine Entscheidung kein One-Way-Ticket-to-Mars ist, sondern unterwegs immer weiter justiert und modifiziert werden kann. Letztlich geht es gar nicht so sehr um binäre „Entscheidungen“, sondern mehr um mehrdimensionale Lebensgestaltung.

5. Entscheiden in Unsicherheit – mit Lern-Mindset!

Trotzdem ist es natürlich gut, wenn wir irgendwann eine Entscheidungen treffen! Denn es ist schmerzhaft, in diesem Spannungszustand oder gar in innerer Zerrissenheit zu verharren. Dauerhaftes Nichtentscheiden schwächt unsere Energie – denn wir bleiben stehen, drehen uns im Kreis und erleben uns als hilflos und unwirksam. Das wirkt auf Dauer toxisch!

Die Entscheidung kann dabei auch sein, JETZT noch nicht zu entscheiden, oder nur einen winzig kleinen nächsten Schritt oder eine Art „Fühl-Expertiment“ zu machen. Wenn wir uns herantasten, ohne eine große und perfekte Entscheidung von uns zu erwarten, sondern eher die Haltung einnehmen „Mal schauen, was ich noch herausfinden und lernen kann“, nehmen wir ganz viel Druck aus der Situation und bringen Dinge in Fluss.

Oft lässt sich dann schon bald viel leichter eine wirklich stimmige Entscheidung treffen – denn nun ist eine neue Erfahrungsbasis entstanden und wir haben die selbstzweiflerische Lähmung des Unentschlossen-Bleibens überwunden.

Seenebel
Eine Strategie der kleinen Schritte und die Orientierung an feinen Unterschieden ist wichtig, wenn die Sichtverhältnisse nicht klar sind. Ob das ist wie hier im Bild bei Seenebel, oder bei heftigem Regen auf der Autobahn, wo wir das Tempo drosseln sollten oder im übertragenen Sinn, wenn wir innerlich noch nicht klar haben, wo es lang geht.

6. Reflexionsfragen, die dir bei Entscheidungen helfen können

Wenn du gerade mit einer Entscheidung feststeckst, helfen dir vielleicht diese 12 Fragen:

  1. Ist das jetzt dran? Oder nicht – und eher etwas anderes?
  2. Warum entscheide ich bisher noch nicht: Warte ich auf den perfekten Moment?
  3. Gibt es Erfahrungen aus der Vergangenheit, die mich in einem alten Muster halten – oder ist es eine echte Unklarheit aus der Situation heraus? Was kann ich tun, um mehr Klarheit zu erlangen?
  4. Was passiert, wenn ich es jetzt nicht angehe? Wo bin ich in einem Jahr?
  5. Welche Folgen hat die Entscheidung dafür mit Sicherheit – und was befürchte oder hoffe ich?
  6. Was wäre der Worst Case, wenn ich es angehe und „scheitere“ – könnte ich damit leben oder wäre ich „broke“?
  7. Kann ich auf diesem Weg etwas Wertvolles lernen – selbst wenn er nicht „funktioniert“?
  8. Was muss ich dafür investieren (Zeit, Geld und Aufwand) – und bin ich bereit dafür?
  9. Was ist der Preis, wenn ich es zurückstelle?
  10. Passt diese Entscheidung zu meinen Herzenswünschen und („strategischen“) Lebens-Zielen – oder blockiert sie zumindest nicht? (Prio 1: mentale und körperliche Gesundheit)
  11. Passen die Menschen, mit denen ich diesen Weg gehe, zu meinen Werten und meinem Wesen?
  12. Und ganz simpel: Habe ich Lust, diesen Schritt zu gehen? Was brauche ich dafür?

Bringe dich in einen möglichst ruhigen und regulierten Zustand (Meditation, Tanzen, Musik) und stell dir diese Fragen, während du an deine Entscheidung denkst. Du kannst das auch gut als kreative Journaling-Übung machen!

Bei großen Entscheidungen lass dir Zeit und spüre über einige Stunden oder Tage immer wieder neu hinein. Vielleicht kennst du auch Intuitionsübungen wie die Ja-Nein-Übung, das Körperpendel oder die imaginative Reise zu deinem weisen alten Ich, das dir im „Rückblick“ auf diese Entscheidungssituation wichtige Impulse geben kann.

Oft tut es auch gut, mit einem anderen Menschen darüber zu sprechen, der nicht involviert ist, aber wohlwollend. Das kann ein:e Freund:in oder Mentor:in sein – am besten jemand, der dich unterstützen kann, offen, zukunfts- und lösungsorientiert auf die Situation zu blicken.

7. Fazit: Entscheidungslust unter Unsicherheit als „Future Skill“

Die Fähigkeit, stimmige Entscheidungen zu treffen, ist meines Erachtens in einer Welt voller Optionen, Unsicherheiten und Druck eine Kernkompetenz für gesunde Selbstführung.

Es geht dabei aber nicht um ein möglichst schnelles oder leichtes Ja, sondern um ein tief verankertes.

Als innere Haltung ist dabei folgendes hilfreich: 

„Ich weiß nicht alles und ich kenne die Zukunft nicht. Aber ich kenne mich und meine Werte, Bedürfnisse, Ressourcen und Ziele gut genug, um in meinem Tempo den nächsten Schritt zu gehen. Und egal was daraus wird – ich lerne dabei! Ich gehe los, wenn mein Herz Ja sagt!“

Klarheit durch Dialog
Wenn du spürst, dass dir eine wohlwollende und unvoreingenommene Perspektive helfen könnte, deine Intuition klarer herauszuhören und deinen stimmigen nächsten Schritt zu finden: Ich begleite dich gerne. Reserviere dir einfach ein unverbindliches und kostenfreies Orientierungsgespräch.

Tu was du liebst & sei wer du bist! – Ein Manifest für mehr leise Stärke in einer lauten Welt Juni 21, 2025

Tu was du liebst & sei wer du bist! – Manifest für mehr leise Stärke in einer lauten Welt

… „Das Leben ist kein Wunschkonzert“

… „Du bist zu sensibel und traumtänzerisch“

… „Damit kann man doch nicht seinen Lebensunterhalt verdienen“

Solche Sprüche kennen wir wahrscheinlich alle und haben sie tausendmal gehört … Besonders die Träumer:innen, Idealist:innen und Feinfühligen unter uns. (Vielleicht nehmen wir sie uns aber auch nur mehr zu Herzen? ;-))

Und doch können wir es nicht ganz lassen, das Träumen, die „brotlose“ Kunst, die „verrückte“ Businessidee. Aber sobald wir darüber nachdenken, damit sicht- und hörbar zu werden, kommen die anderen Stimmen, die wir so sehr internalisiert haben, dass wir sie oft für eigene halten:

  • „Wer bin ich denn schon, das zu wollen oder zu tun?“
  • „Wer will das schon hören oder sehen?“
  • „Diese Welt ist doch schon voll genug von verrückten Ideen und Spinnern“

Wenn solche Gedanken dir bekannt vorkommen, dann ist dieser Beitrag für dich. Er ist als Er-Innerung gedacht, warum es so wertvoll und wichtig ist, sich zu zeigen – auch als stiller, feinfühliger Mensch. Man muss dazu nicht so (laut) werden wie die anderen. Sondern sein Licht nur so strahlen lassen, wie es ist.

Das hat das Potenzial, das eigene Leben komplett zu verändern – denn auf einmal ist da: Resonanz. Wirksamkeit. Lernen und Wachstum. Verbundenheit. Lebendigkeit und Freiheit. Und Ermutigung zum So-Sein oder zu Veränderung, auch für andere.

Dieser Beitrag ist sehr persönlich geworden – er ist auch eine Er-Innerung an mich selbst. Vielleicht inspiriert er auch dich – das würde mich sehr freuen.

Danke für das wunderschöne Thema an Sandra Jost, die zur Blogparade „Tu, was du liebst – und verändere die Welt“ eingeladen hat. Weitere Beiträge zum Thema findest du unter dem Hashtag #Tuwasduliebst.


„Unsere tiefste Angst ist nicht, unzulänglich zu sein.
Unsere tiefste Angst ist, dass wir über die Maßen machtvoll sind.
Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, das uns am meisten Angst macht.“

– Marianne Williamson, in ihrem Text „Unsere tiefste Furcht“


Imagine … Träumen als Superkraft

Was passiert, wenn die stillen selbstreflektierten Menschen sich zurückziehen, unsichtbar bleiben, nochmal darüber nachgrübeln statt ihrer inneren Stimme, ihren leisen Impulsen und ihren zarten Gefühlen und vielfältigen Ideen zu folgen, erleben wir leider gerade: Die Lauten übernehmen. Der Ton wird rauer. Zwischentöne, Vielfalt, Empathie und Kreatives fällt allzu oft unter den Tisch.

Wenn wir als feinfühlige Menschen immer mehr in die innere Flucht gehen – ein durchaus verständlicher Reflex – geht etwas verloren. Für uns selbst – auch auch für die anderen, für die Gesellschaft und die ganze Welt.

Aber was, wenn du …

  • das Buch doch schreibst?
  • das unfertige und feinsinnige Gedicht doch teilst?
  • für deinen verrückten Traum gehst und damit Ja zu dir und zum Leben sagst?

Was würdest du tun, wenn du tust, was du liebst?

-> Stell dir vor, du würdest es tun: Was könnte passieren?
-> Und stell dir vor, du würdest es NICHT tun – was würde dir und der Welt fehlen?

Ich glaube, in diesen Fragen liegt ein wichtiger Schlüssel. Denn es geht um Lebendigkeit …Im eigenen Leben – und in dem anderer.

Sensibilität als Stärke leben – und dein Licht in die Welt bringen

Stell dir vor, du tust das, was du wirklich liebst. Du arbeitest und lebst so, wie es dir wirklich entspricht. Nicht angepasst. Nicht funktionierend. Nicht selbstzweifelnd – sondern mit deinem ganzen Sein.

Das kann auf einer kleinen, ganz alltäglichen Ebene sein: Vielleicht zeigst du dich in deinem persönlichen Lebenskreis noch etwas mehr, wie du wirklich bist. Auch die feinen, verletztlichen und empathischen Seiten.

Das kann letztlich in immer größer werdenden Kreisen sehr viel bewegen und so mehr Lebendigkeit, Liebe und Authentizität in die ganze Welt bringen.

Denn wenn mehr Menschen ihrem inneren Ruf – im kleinen und im großen – folgen, statt sich hinter äußeren Erwartungen zu verstecken und innerlich abzutauchen, entstehen neue Dinge und neue Energie.

Sie bringen Verbundenheit, Freude, Sinn, Wirkung – für uns selbst, für andere – und für das große Ganze.

Hummel an Blüte
Macht Duften in einer oft stinkigen Welt Sinn? Kommt darauf an, wen man anziehen will… 😉

Innerer Raum und Freiheit – warum das meine Arbeit prägt

Ich liebe es, mit meiner Arbeit Menschen an ihr inneres Leuchten zu erinnern. An die leise, oft verschüttete Stimme, die spürt, was wirklich stimmig ist.

Solche Räume zu öffnen, in denen die Intuition wieder spürbar wird.
Erlebbar zu machen, dass Achtsamkeit kein Rückzug ist, sondern pure Präsenz & Lebendigkeit.
Zu erinnern, dass Selbstführung nicht Kontrolle bedeutet, sondern dass es um innere Freiheit und Verbundenheit geht!

Es ist erfüllend und (mir) wichtig, solche Räume zugänglich zu machen, für feinfühlige, kreative und idealistische Menschen, die viel geben – aber oft sich selbst vergessen oder verleugnen. Es ist wunderschön, einen Menschen, der sich als „ausgebrannt“ erlebt hat, auf einmal wieder innerlich leuchten zu sehen.

Ich glaube, die Welt braucht feine Menschen, die ihr Licht in die Welt bringen statt am „System“ zu zerbrechen.

Interessanterweise spiegelt das innere System dabei oft das äußere. Daher beginnt jede Veränderung in uns selbst – mit einem Ja zu unserem authentischen Sein. Und der Bereitschaft und dem Mut, uns so zu zeigen.

Mein „Purpose“ ist daher, engagierte und verantworungsvolle Intrapreneur:innen in Organisationen oder Unternehmer:innen / Solopreneur:innen mit einer Mission dabei zu unterstützen, genau diese authentische innere Kraft wieder zu finden. Und so ihr inneres System zu transformieren und zu befreien – und aus ihrer Tiefe heraus stark zu sein.

Waldweg
Die innere Stimme kennt den Weg. Oder zumindest den nächsten stimmigen Schritt.

Von wegen Soft Skills: Intuition, Achtsamkeit & Sensibilität als Superkräfte

Viele verbinden mit dem Wort „Stärke“ Leistungsfähigkeit, Selbstsicherheit, Souveränität im Außen. Doch aus meiner Sicht sind einige der wichtigsten Stärken still, fein, kreativ und empathisch.

Diese Art von Stärke wird gesellschaftlich oft (noch) nicht voll gewertschätzt oder als „Soft Skill“ abgetan:

  • Die Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen und ganzheitlich zu denken.
  • Die Intuition, was wirklich wahr, stimmig und hilfreich ist.
  • Die Empathie, was andere gerade brauchen.
  • Das tiefe Gespür für Sinn, Werte und Authentizität.

Ich erlebe viele Menschen, die denken, sie müssten robuster, rationaler, fokussierter, selbstsicherer und lauter sein, um OK zu sein. Dabei berauben sie sich im Grunde der Superkraft dieser Eigenschaften, die das Geschenk ihrer (Hoch)Sensibilität, Reflektiertheit und inneren Vielfalt sind!

Seinen Purpose zu leben braucht oft einen „Inner System Shift“

Purpose bedeutet für mich zuerst SEIN und dann TUN.
Er beginnt damit, mich zu er-innern, wer ich wirklich bin. Mein eigenes Licht wieder zu sehen und zu lieben. Egal wer es sieht oder nicht. Egal ob es gut ankommt oder nicht. Und dann dem vertrauen, was durch mich in die Welt will – und dem zu folgen. Für mich ist Purpose so letztlich eine Haltung, aus der heraus ich lebe und wirke.

Viele von uns haben jahrzehntelang „funktioniert“, auch ich. Wir waren leistungsstark, verantwortungsbewusst und auch empathisch – aber innerlich zugleich oft abgeschnitten von unserer wahren Kraftquelle. Wir können jedoch erst ins Wirken kommen (und innere Burnout-Muster überwinden), wenn wir uns Erlaubnis geben, so zu sein, wie wir sind. Das zu tun, was wir wirklich lieben. Er beginnt im Inneren – mit einem Ja zu uns selbst. Mit dem Mut, uns nicht länger selbst zu verstecken oder gar zu verleugnen.

Wenn wir beginnen, unser inneres System zu transformieren und unsere eigenen Regeln zu schreiben, entsteht etwas Neues. Dann wird aus Selbstzweifel Selbstführung. Aus Überanpassung Souveränität. Aus innerem Druck kreative Kraft.

„Wer bin ich schon, fragen wir uns, dass ich klug, schön, begabt und einzigartig sein soll?
Aber mal ehrlich, wer bist du, es nicht zu sein?
Du bist Ausdruck der Liebe des Lebens zu sich selbst.
Dich klein zu machen, dient dem Leben nicht“

– Marianne Williamson, in ihrem Text „Unsere tiefste Furcht“

Brennen ohne auszubrennen

Ich glaube, die Reflexion über den Wert von Arbeit ist wichtig. Denn Arbeiten kann Beitrag zu Gesellschaft und zur Welt sein. Doch es muss ein Arbeiten sein, das nährt statt zehrt. Woran wir nicht ausbrennen, sondern von unserem innere Licht getragen werden. Es ist keine Selbstantreiberei aus Pflicht, Angst oder Vergleich sondern Selbstführung, die auf Selbstrespekt, Vertrauen und Liebe basiert.

Und mit Arbeit meine ich natürlich nicht nur Erwerbstätigkeit im klassischen Sinne, sondern alles, was wir erschaffen und wozu wir beitragen – ganz ausdrücklich auch Care-Arbeit und die Gestaltung von Beziehungen in Gesellschaft und Familie sowie Ehrenamt, Kunst und Kultur, gesellschaftlicher Diskurs und Reflexion!

Eine solche Selbstführung mit liebevoller Verantwortung für das eigene Leben ist für mich der Schlüssel zu wahrer Wirksamkeit und Beitrag. Sie beginnt mit dem Mut, dich selbst ernst und wichtig zu nehmen. Mit allem, was dich ausmacht – auch mit den Teilen, die du vielleicht jahrelang für Schwächen gehalten hast. In Wahrheit sind sie oft deine ungelebten Stärken!

Dünenrose
Viele Dornen, ein einfacher Blütenkranz mit hauchzarten Blättchen: Vermeintliche Schwächen sind oft Stärken!

Dream big: Wir sind die Erschaffer:innen unserer Welt – von innen nach außen

Ich wünsche mir eine neue Kultur des Arbeitens und des Wirkens. Eine, in der Verbundenheit, Intuition und Präsenz echte Wertschätzung haben. Ich gestalte mit meiner Arbeit daher Räume, in denen Menschen sich mit diesen sensiblen Stärken wieder „rückverbinden“ können – um in Kontakt zu sein mit sich selbst, miteinander und mit dem, was wirklich zählt.

Ich wünsche mir, dass wir gerade als feinfühlige Menschen verstehen, dass wir nicht „fertig“ sein brauchen, um einen wertvollen Impuls zu geben. Dass wir unsere „Edge“ nicht verlieren, wenn wir weich und offen sind – im Gegenteil. Und dass wir nicht laut sein müssen, um gehört zu werden.
Dass wir darauf vertrauen können, dass unser Sein und Tun wertvoll ist. Und dass das genug ist.

Die Welt wird mit jedem stillen und zugleich mutigen Ja zu dir selbst ein wenig besser.

Sei einfach du selbst und tu das, was du liebst – genau das ist dein größter Beitrag.

Was wäre, wenn mehr Menschen mutig ihrem inneren Ruf folgen würden?
Wenn Sensibilität nicht als Schwäche, sondern als powervolle „natürliche Intelligenz“ verstanden würde?
Wenn Intuition als Navigationssystem ernst genommen würde – im Leben, in Unternehmen, in der Gesellschaft?

Ich mag eine Träumerin sein, aber ich glaube, dass wir eine solche Welt gestalten können: Indem wir zeigen, wer wir wirklich sind und indem wir tun, was wir lieben. Eine Welt, in der leise Stimmen gehört werden. In der Arbeit nicht gegen die Gesundheit oder die Werte geht, sondern mit ihnen. In der Mitgefühl und Macht keine Gegensätze sind, sondern zwei Flügel, die gemeinsam tragen.

Machst du mit? 🙂

„Indem wir unser eigenes Licht leuchten lassen,
geben wir anderen Menschen unbewusst die Erlaubnis, es ebenso zu tun.
Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreien, befreit unser Dasein die anderen ganz von allein.“

– Marianne Williamson, in ihrem Text „Unsere tiefste Furcht“

Straßenlaterne vor leuchtendem Abendrot am Meer
Straßenlaterne, Leuchtturm, Glühwürmchen oder Abendstern? Wichtig ist nur, dass wir unser Licht teilen.
Gedankenkarussell - nicht immer so schön wie hier Juni 5, 2025

Krisenkarussell und Nebel im Kopf: Wohin wir uns wenden können, wenn das Außen kaum Orientierung bietet

Viele Menschen sehen sich derzeit in schwierigen inneren und äußeren Gewässern: Sie haben – durchaus berechtigte – Sorgen und Ängste um die politische, gesellschaftliche, berufliche Zukunft. Sie sind müde vom Denken, doch das Denken hört nicht auf. Und trotzdem führt es auch nicht heraus aus der Verwirrung und Sorge.

Wir alle sehnen uns nach Orientierung. Doch das, wenn das Außen dauerhaft diffus, widersprüchlich oder überfordernd ist? Irgendwann beginnt sich alles zu drehen – im Kopf, im Gefühl und im Nervensystem.

  • Warum das Gedankenkarussell gerade in Dauerkrisenzeiten so viele Menschen festhält,
  • Wie wir wieder zu innerer Klarheit und Selbstverbindung finden können
  • Und warum ein „inneres Navigationssystem“ dabei so entscheidend ist wie nie…

… Meine Gedanken dazu teile ich hier und freue mich, wenn du mir einen Kommentar darlässt, wenn dich das berührt oder zu eigenen Gedanken anregt.

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade „Gedankenkarussell stoppen – Wege aus der Gedankenschleife“ von Pia Hübinger – selten schien mir ein Thema so aktuell und notwendig wie jetzt!

Das innere Navi aktivieren – von innen nach außen orientieren

Neulich war ich am Meer und habe zum ersten Mal in vielen Jahren Seenebel erlebt. Ein sehr interessantes Erlebnis und eine starke Metapher für dieses Gefühl, dass auf einmal jede Orientierung im Außen weggefallen ist!

Seenebel
Dieser unerwartete Besuch von William Turner erfreut das Fotografen-Herz. Als Spiegel eines derzeit häufig anzutreffenden inneren Zustands von Orientierungslosigkeit ist es ein starkes Symbolbild

In stürmischen und nebligen Zeiten ist es unendlich wertvoll, mit dem, was ich das „innere Navi“ nenne, vertraut zu sein. 

Dazu gehören Aspekte wie

  • Wertekompass
  • Bedürfnispyramide 
  • Intuition
  • Achtsamkeit
  • Stärkende Beziehungen*

*(Ja, auch letztere gehören für mich zum „inneren Navi“ – denn sichere Beziehungen geben uns Geborgenheit und ein Gefühl von Zuhause in einer chaotischen Welt.)

Zugleich darf diese Innenorientierung nicht dauerhaft sein. Sie darf nicht zur Abkapselung und Realitätsverweigerung führen. Sonst kracht es nur später umso heftiger.

Wir können in Krisen und in Unsicherheit nur „auf Sicht fahren“. Zur langfristigen Kurskorrektur benötigen wir ein starkes inneres System, das so stark ist, dass es offen sein kann für neue Impulse von außen.

Im Spannungsfeld zwischen veralteten Systemen und hochdynamischen Entwicklungen

Wir befinden uns, falls das noch nicht aufgefallen sein sollte, in einer Multi- und Stapelkrise (das heisst, die Krisen beeinflussen und triggern sich gegenseitig – vgl. Fukushima): 

Wirtschaft, Gesellschaft, Natur und die Menschen durchlaufen große Herausforderungen und Veränderungen. 

Die Ursachen sind dafür teils alt – ungelöste Fragen, die sich jetzt zuspitzen wie etwa die Rentenkrise als Ausdruck des starren Festhaltens am Wachstums- und Gewinnmaximierungs-Paradigma. 

Andere Treiber der Krisen sind neu – wie etwa KI, die binnen weniger Jahre schon jetzt zu Kündigungswellen und massiven Strukturumbrüchen auf dem Arbeitsmarkt führt (und wir stehen erst am Anfang).

Gigantische Herausforderungen – kollektiv wie persönlich

Viele Menschen sind derzeit mürbe, krisenmüde, dauerangespannt oder schon tief erschöpft. Wir haben die letzten Krisen – etwa Finanzkrise oder Corona-Krise – noch in den Knochen. Die Zeitverdichtung und der Druck steigen in fast allen Bereichen rapide an.

Und in vielen Firmen stehen weitere Kündigungswellen an. Man weiß gar nicht, ob man inmitten der KI-Arbeitswelt-Transformation lieber seinen Job verlieren möchte, um vielleicht nie wieder einen solchen zu finden – oder ob man wirklich zu den armen Tröpfen gehören will, die bleiben dürfen, um dann künftig die Jobs von allen, die gegangen sind, auch noch mitzumachen. 

Der „Stresstunnel“: gemeinsam im Gedankenkarussell

Ich glaube, viele von uns – gleich ob angestellt, gleich ob mit oder ohne Führungsrolle, gleich ob selbständig oder unternehmerisch tätig, spüren die gigantischen Herausforderungen, vor denen wir individuell und kollektiv stehen und angesichts derer wir uns allzu oft recht überfordert fühlen.

Viele Menschen sind derzeit …

  • komplett im Stresstunnel – samt Brain-melt – denn Dauerstress verändert unsere Wahrnehmung und unser Denken
  • haben große (und durchaus berechtigte) Zukunft-Sorgen und -Ängste 
  • denken und handeln in dieser Überforderung teils reaktionär – etwa mit psychologischer Regression, innerer Abkapselung, Starre und Entscheidungsverweigerung oder Zynismus.

Das ist verständlich – und doch natürlich nicht hilfreich.

Und im Grunde wissen wir auch alle, was wir tun könnten, um auszusteigen aus diesem Karussell …

Spüren statt Ausweichen – simpel, doch nicht leicht

Es ist eigentlich ganz einfach – und doch alles andere als leicht, da unsere emotionsgeladenen Gedanken und alarmierten Selbstschutzinstinkte uns weismachen, dass es gefährlich ist, auszusteigen.

Doch auch die Fähigkeit zur Selbstregulation und Achtsamkeit ist uns angeboren. Etwas Magisches kann geschehen, wenn wir aufhören, weiterzuhetzen. Uns stattdessen dem, was uns sorgt, ängstigt, beschäftigt, zuwenden. Uns selbst wieder spüren und bei uns selbst ankommen.

Es gibt unzählige Wege, die uns bei der Selbstregulation und Restauration unterstützen können und uns helfen, den Kopf wieder klarer zu bekommen, aus dem Gedankenkarussell auszusteigen. Einige davon habe ich hier gesammelt.

Mind the gap: Die Kraftquelle Pause

Die Essenz von all diesen Wegen – gleich ob Bewegung, Natur, Atmen, Meditation, Austausch oder Musik – ist ganz SIMPEL:

Ich möchte dich einladen, genau jetzt beim Lesen einmal innezuhalten. Nach innen zu spüren. Wahrzunehmen, wie es dir wirklich geht. Auch beim Unangenehmen hinzuspüren. Die Spannung zu spüren und zu halten. Das ist dein Leben. 

Und vielleicht spürst du zugleich auch, dass dieser Moment „reich“ und vielschichtig ist. Es gibt nicht nur „Krise“. Die ist irgendwo da draußen und, ja, auch in deinem Kopf. 

Mehr als Krisen oder Gedankenkarussell wahrnehmen und sein

Da ist noch viel mehr als deine Gedanken und Krisen – reale oder befürchtete. Etwa: Dein Körper, dein Atem, dein Herzschlag. Deine Mitmenschen. Dein komplexes und faszinierendes Innenleben. Deine Bedürfnisse, Wünsche und Träume. 

Deine Sehnsucht nach mehr. Nach Freiheit und Lernen. Eine leise innere Stimme, die dir Hinweise gibt, was für dich jetzt „stimmig“ ist. Genau heute. Und als nächster Schritt in deine Zukunft. 

Es ist diese stille und ruhige Kraft des Seins und die Entwicklungsfreude unserer menschlichen Natur, die uns als „inneres Navi“ Halt und Orientierung in Zeiten geben, in denen im Außen die Orientierung fehlt.

Kennst du diese Seite in dir?

Wie kannst du sie heute – jetzt – wahrnehmen?

Wie kannst du dich im Alltag an sie erinnern?

Innehalten und Spüren um das innere Navi zu aktivieren
Innehalten und Spüren, um das innere Navi zu aktivieren
Cornelia mit Gitarre Juni 1, 2025

Ich und mein Musculus decisiosus major: Wie ich lernte, meine Träume selbst zu verwirklichen

Eine überraschende anatomische Entdeckung, dank derer ich doch noch „signed Artist“ wurde – und noch viel mehr!

Inspiriert durch Birgit Krügers wunderbare Blogparade Die eine Entscheidung, die in meinem Leben wirklich etwas verändert hat erzähle ich hier die Geschichte, wie ich recht spät in meinem inneren Entscheidungsmuskel eine noch tiefere Schicht entdeckte – mit lebensverändernden Folgen.

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Wie an anderer Stelle beschrieben, wollte ich als junge Frau weder (Latein-)Lehrerin noch (Sport-)Ärztin werden, sondern: Popstar. Genauer gesagt war mir schon damals klar, dass man, um von Musik leben zu können, sehr erfolgreich sein muss. 

Die Musik ist meine große Liebe. Schon als Kind war meine Lieblingsbeschäftigung Singen und Tanzen – übrigens ein großartiges selbstregulatives Gegengewicht zu meinem anderen Supertalent – „Mir-selbst-Stressmachen“

Seit ich zwölf bin, schreibe ich Songs. Was habe ich nicht alles durch die Musik und meine Leidenschaft dafür gelernt! Hier nur zwei Beispiele: Meine musikalischen Heroes, die Beatles, waren meine Englisch-Lehrer und nicht unschuldig daran, dass ich zum Studieren später nach England ging. Und von Michael Jackson lernte ich – neben musikalischen Inspirationen – ziemlich viel über Edutainment und Storytelling (und kam darüber letztlich mit einem kurzen Zwischenstopp im Journalismus zur PR – doch das ist eine andere Geschichte). 

Hochambitioniert und fremdbestimmt – an mir selbst vorbei

Ich tat alles, was man damals, Anfang der 2000er, tat, um im Musikbusiness entdeckt zu werden. An die Jüngeren: Damals gab es noch große Musik-Labels, die tatsächlich ihre Künstler proaktiv promoteten. Wenn man einen „Plattenvertrag“ hatte (Platten sind diese dünnen Scheiben, die … ach, egal), hatte man eine (un)faire Chance, zu dem einen von zehn Künstlern zu werden, der statistisch den Durchbruch schafft und eine Musikkarriere hat. Um ehrlich zu sein, das Musikbusiness fand ich damals schon schrecklich – laut, grell, oberflächlich und durchaus suboptimal für die psychische und körperliche Gesundheit. Besonders als sensibler Mensch. 

Ich folgte trotzdem meinem Herzen, produzierte Demo-Tapes (auf Vierspur-Kassette, für die Eingeweihten) und schickte sie immer wieder an verschiedene große Labels. Oder brachte sie persönlich vorbei, wenn ich in London oder Berlin war. Ich belegte Kurse an der Mannheimer Popakademie. Ich hatte Bands (bzw. ich managte meine Mitmusiker, denen es oft mehr ums Zusammen-Abhängen ging). 

Und ich verbrachte viel Zeit in einem Tonstudio – verzichtete dafür sogar auf ein weiteres Studium (Psychologie wäre relevanter und berufsführender gewesen, wie ich feststellte, nachdem ich meinen Master of Philosophy aus Cambridge in der Tasche hatte. Sag einer, dass das Studium nicht lebensreifer macht)!

Ich wurde versetzt, vertröstet, angebaggert und mit guten Ratschlägen beglückt: 

„Warum singst du nicht auf Deutsch?“ 

„Warum tanzt du nicht wie Britney?“ 

„Warum hängst du dir auf der Bühne nicht eine Gitarre um?“

Doch kein Label interessierte sich wirklich für mich und meine Kunst. 

Ein jähes Ende meines großen Traums und die lange Sinnsuche danach

Das Ganze endete abrupt, als ich im Tonstudio, mit dem ich damals zusammenarbeitete, persönlich bedroht wurde. Da wusste ich, dass es Zeit war, zu gehen und doch „etwas Vernünftiges zu machen“, um Geld zu verdienen und unabhängig zu sein. 

Aber es war nicht nur mein großer Traum zerbrochen. Sondern auch ein Teil meines Selbstbewusstseins, meines Selbstverständnisses. Ich hatte immerhin einen Ruf gehabt. Diese Songs schreibe nicht ich – sie fallen mir zu, fliessen durch mich in diese Welt. Doch jetzt? Würde sie niemand hören. 

Ich suchte nach meinem Lebenssinn. Denn das, was ich bisher dafür gehalten hatte, war nicht lebbar.

Es war ein heftiger Schlag und ich verlor sogar für einige Zeit meine Stimme, konnte nicht mehr singen. 

Eine Passion ist uns treu – ich fand sie wieder, auf eine ganz neue Weise 

Ich fand meine Liebe zur Musik wieder – sie war ja eigentlich nie weg gewesen. Nur meine alte Vorstellung vom Weg war pulverisiert. 

Dank meiner Passion für Yoga, die ich damals in dieser Sinnsuche-Zeit entdeckte, fand ich über Kirtan-Musik auch meine Stimme wieder – beziehungsweise entdeckte damit meine authentische Stimme sogar erst überhaupt – in von Leistungs- und Erfolgsansprüchen befreiter Form.

Beim Proben fürs Tonstudio meines 2. Albums - im Wohnzimmer meiner Mentorin Spring in Los Angeles, 2018
Da war sie wieder, meine Stimme und Inspiration!
(Beim Proben fürs Tonstudio meines 2. Albums mit meiner Mentorin Spring in Los Angeles, 2018)

Bei einem Yoga- und Kirtan-Retreat bekam ich im Jahr 2008 die entscheidende Inspiration: Die Yogalehrerin führte am Ende der Stunde in eine Meditation. Und zwar nicht in irgendeine, sondern in die innere Reise bis zum Augenblick des Todes und dem Rückblick auf das eigene Leben. Und da sah ich glasklar, dass ich es immer bereuen würde, meine Musik nicht in die Welt gebracht zu haben! 

Doch die Frage, wie das gehen sollte und warum ich bisher gescheitert war, beschäftigte mich weiter. Ich zerbrach mir den Kopf, was ich falsch gemacht hatte oder wo ich nicht diszipliniert genug gewesen war. Ich machte sogar nochmal Anläufe, im Homestudio meine Songs aufzunehmen – doch da erstickten Technikhürden (oder mein Perfektionismus? ;-)) meine Kreativität. 

Es folgten weitere Jahre der Sinnsuche. Ich wurde zertifizierte Achtsamkeits-Lehrerin und begann meine Ausbildung zur Yogalehrerin. 

Und dann stieß ich im Jahr 2011 /2012 – durch meine hauptberufliche Arbeit in einer Schnittstelle aus Marketing, Kommunikation, Produkt- und Businessentwicklung – auf das Thema Startups und Investorentum. Ich wurde innerlich zur Intrapreneurin (und das war auch der Start meiner Reise zum Entrepreneurship – dazu unten mehr).

Der zündende Entwicklungsfunke – geboren aus einer tiefen Krise

Inneres Wachstum ist wie ein Same: Unsichtbar, bis der Keimling die Krume durchbricht. Oft braucht es auch einen Durchbruch-Imuls. Dieser war bei mir im Jahr 2014, als mich eine schwierige Beziehungssituation  existenziell wachrüttelte. 

Damals flossen mir viele neue Songs zu, die mich beflügelten – während mein Privatleben eher Richtung Tiefpunkt schlitterte. Ich wollte so vieles ausdrücken und leben – und konnte nicht. Die Umstände schienen sich dagegen verschworen zu haben. 

Vielleicht war es das Gewicht dieses Gefühls von Ohnmacht, was endlich meinen Lebenssinn nach ganz neuen Lösungen suchen ließ? 

Ich werde nie den Moment vergessen, als ich in meinem Wohnzimmer saß und auf einmal diese Erkenntnis in meinen Kopf spazierte und mir zutiefst klar wurde:

Ich muss nicht darauf warten, „entdeckt“ zu werden! 

Weder in der Liebe. Noch im Job. Noch in der Musik. 

Ich kann selbst meine erste (und einzige) Investorin in meine Herzenswünsche und meine Zukunft sein! 

Und so entdeckte ich im zarten Alter von 36 Jahren meinen „Musculus decisiosus major“.

Es war ein tiefer Perspektivwechsel – der Gedanke war tatsächlich nichts weniger als bewusstseins-verändernd. 

Die tiefste Schicht des Entscheidungsmuskels: Nicht „was willst du tun“, sondern „wer willst du sein“?

Es war mehr als eine Entscheidung für den einen oder anderen Weg. Denn natürlich hatte ich auch zuvor schon große Entscheidungen mutig getroffen – viele sogar! Aber diese ging tiefer: Es war eine Entscheidung für ein neues Selbstverständnis – von mir als mutige Gestalterin meines eigenen Lebens. 

Ich sagte also „Ja“ zu mir selbst und entschied mich, 8.000 Euro für die Produktion einer CD zusammen mit Profimusikern in einem Tonstudio in die Hand zu nehmen. Das war damals sehr viel Geld für mich – aber ich konnte es mir leisten, auch dank des „vernünftigen“ Jobs. 😉

Und so kommt es, dass ich inzwischen zwei Alben mit meiner Musik aufgenommen habe. 

Mein Geschenk an mich selbst: An meinem 36. Geburtstag im Tonstudio zu den Aufnahmen meines ersten Albums "The Space between"
Mein Geschenk an mich selbst: An meinem 36. Geburtstag im Tonstudio zu den Aufnahmen meines ersten Albums „The Space between“

Könnte ich heute in Frieden sterben? Nein, denn ein reifer Ruf hat Schichten  

Es gibt noch vieles, was ich unbedingt in die Welt bringen möchte – und auch das Musikthema ist keineswegs erfüllt. Denn der Witz ist, dass ich noch immer keinen Weg gefunden habe, meine Songs über meine Festplatte oder Website hinaus „in die Welt zu bringen“.

Aber die Suche nach Möglichkeiten dazu brachte den nächsten entscheidenden Impuls in mein Leben: Ich entdeckte auf diese Weise die Welt des Online-Business! Und Menschen wie Amy Porterfield, Jeff WalkerSigrun und Maria Husch, die auf inspirierende Weise zeigen, was mit „Boot-strapping“ und einem unternehmerischen Mindest möglich ist.

Das erweiterte meine Sicht von mir selbst als Intrapreneurin und Selbst-Investorin nochmals. Und es führte mich nach und nach zu dem Punkt, wo ich erkannte, dass diese Art des Arbeitens für mich ideal ist – gleich ob mit Musik oder anderen Themen, für die ich brenne, wie persönliche Entwicklung! 

Mein Ruf 2.0: Verbundener – und offen für weitere Entwicklung 

Und so bin ich heute, 10 Jahre nachdem meine erste CD das Licht der Welt erblickt hat, stolze Solopreneurin und bringe meine Herzensthemen durch meine Arbeit in die Welt: Andere, feinfühlige, vielfältig interessierte und engagiert-idealistische Menschen dabei zu unterstützen, ebenfalls in ihre Kraft zu kommen. Zu entdecken, wie sie ihre großen Leidenschaften leben können ohne auszubrennen. Indem sie sich selbst als Investor:innen und Leader:innen ihres Lebens erkennen und lernen, sich selbst gut dahin zu führen, wo sie innerlich wirklich zuhause sind und ihre Talente und Visionen sinnvoll einbringen können! 

Und meine Musik? Ist als „innere Stimme“ und kreative Impulsgeberin meines Arbeitens mit anderen dabei. Und auch meine „äußere Stimme“ prägt meine Arbeit – etwa beim Anleiten von Achtsamkeitsübungen und inneren Reisen. 

Außerdem wartet irgendwo in meiner Zukunft auch schon mein Musikprojekt Nummer drei sowie viele weitere SEHR große Projekte für Bücher und Filme darauf, dass ich meinen Musculus decisiosus major weiter trainiert habe …

Blick in die Zukunft - Entscheidungsmuskeltraining
Blick in die Zukunft – mit Entscheidungsmuskeltraining
5 Dinge, die ich meinem jüngeren Ich zu Beruf und Berufung sagen würde Mai 18, 2025

Beruf & Berufung – 5 Dinge, die ich meinem jüngeren Ich mitgeben würde

Wenn ich heute an mein jüngeres Ich denke – die junge Frau, die mit so viel Idealismus, Engagement und Erwartungen in den Beruf gestartet ist – mit großen Träumen und noch größerer Unsicherheit (gut versteckt in Perfektionismus) – dann würde ich ihr sooo gerne ein paar Herzensweisheiten in Hinblick auf Beruf und Berufung mitgeben. Dinge, die ich heute weiß. Dinge, die mir damals Mut gemacht hätten oder mich vor schmerzhaften Fehlern und Enttäuschungen, ja handfesten Krisen, bewahrt hätten.

Wobei: Hätte ich damals darauf gehört? Niemals! Würde ich es wieder so machen? Unbedingt!

Trotzdem ist es sehr spannend, im Rückblick den eigenen Lernweg zu betrachten und voller Wohlwollen auf mein jüngeres Ich zu schauen – mit der Erfahrung, Gelassenheit und inneren Stärke, die ich heute habe. Und die auch schon damals in meinem jüngeren Ich steckte – nur wusste sie es nicht.

Ich teile hier einige sehr persönliche Learnings aus mehr als 20 Jahren Berufserfahrung als sehr ambitionierte und -engagierte, vielseitig interessierte und (allzu?) feinfühlige Frau im Berufsleben. Du erkennst dich wahrscheinlich in manchem wieder. Ein wenig provozieren und pieksen könnten einige meiner Gedanken dich auch. Anderes bringt dich vielleicht zum Schmunzeln.

Und Achtung: Dieser Beitrag könnte (und soll) dich inspirieren, selbst ein solches „Memo“ an dein jüngeres Ich zu schreiben. Wenn das der Fall ist, teile sehr gerne dein eigenes Fazit und Link zu deinem Blog – hier als Kommentar in meinem Aufruf zur dieser Blogparade! Ich bin sehr gespannt, dein #MemoAnMich zu lesen!

Hier kommt jedenfalls mein #MemoAnMich:

1. Berufswahl: Setze auf deine Passion, nicht auf Sicherheit

Ich hielt mich damals mit Anfang 20 für rebellisch. Aber heute weiß ich: Ich habe mich extrem und lange angepasst – an Erwartungen, an Sicherheit, an meine Angst vor dem Scheitern meines großen Traums und an das, was „funktioniert“. Und dabei teils ziemlich aus den Augen verloren, was mich wirklich lebendig macht!

Erst später habe ich verstanden: Du musst direkt für das gehen, was du willst!

Werde nicht Buchhalterin, wenn du Pilotin sein willst. Und umgekehrt…
Bei mir war die Verstrickung jedenfalls ein Lehramtstudium – und heimliche Tonstudio-Besuche.

Denn eigentlich wollte ich Popstar werden! Ich schrieb und komponierte Songs, seit ich 12 war. Die Musik war und ist meine Leidenschaft.

Aber mit Mama und Papa – beide Lehrer – wollte ich mich auch nicht anlegen. Also – „total rebellisch“ – studierte ich auf Lehramt! Gottseidank wenigstens Fächer, die ich liebte: deutsche und englische Literatur und Philosophie.

Meine Story: Meine Studienfächer (Deutsch, Englisch, Philosophie) haben zwar zu mir gepasst (ich wollte immerhin „auch“ Schriftstellerin werden!), aber innerlich wusste ich schon vor dem ersten Praxissemester: Ich bin nicht dafür gemacht, täglich im Klassenzimmer zu stehen und mit 30 Jugendlichen um ihre Aufmerksamkeit zu ringen.

Ich habe oft bereut, dass ich nicht schon damals gewechselt habe – und meiner Passion für die Musik mit voller Energie gefolgt bin. Die berühmten 10.000 Stunden, die man braucht, um richtig gut zu werden, bekommt man im Hobby-Modus nicht zusammen. Wobei ich im Rückblick auch sehe, dass vielleicht meine Intuition im Spiel war – denn das Showbusiness ist sicher ein weitaus unfreundlicherer und Hochsensible noch mehr überfordernder Arbeitsort als ein Klassenzimmer.

Am Ende meines Studiums mit einem Master of Philosophy in der Tasche kam ich nochmal an eine Weggabelung: Ich hatte inzwischen gemerkt, dass mich Psychologie fasziniert und hätte große Lust gehabt, noch ein Studium dazu draufzusetzen.

Auch dagegen habe ich mich aber entschieden – und es später noch mehr bereut als das mit der Musik. Denn die Arbeit mit Menschen und innerer Entwicklung ist meine Berufung. Doch ich wollte damals, mit 23, unabhängig sein und nicht länger auf Kosten meiner Eltern leben. Also begann ich mein Berufsleben, zuerst im Journalismus, später dann in Marketing und Unternehmenskommunikation.

Mein Ausweichen vor einer unangenehmen Situation führte mich also für viele Jahre teils immer weiter von mir selbst weg. Oder genauer gesagt: Mein Ruf meldete sich wiederholt vehement um mir meine Abweichungen in Form von gesundheitlichen Problemen oder schwierigen bzw. letztlich nicht ganz erfüllenden Arbeitssituationen zu spiegeln.

Wahrscheinlich gehört aber genau auch dieses Ausweichen und Merken, dass es nicht geht, zu jeder Heldenreise dazu. Und so kam es letztlich, dass ich Jahre, nachdem mein Traum vom Leben als Musikerin „gescheitert“ war, zwei eigene Alben aufgenommen habe. Ich verdiente dank meiner Berufswahl nämlich gut genug, um das – in moderatem Setting – auf eigene Faust zu tun. Mit kompletter kreativer Freiheit. Ohne Label, ohne Kompromisse.

Und die Erkenntnis, dass ich die Freiheit habe, meine eigene erste Investorin in meine Träume zu sein, war zugleich der Startschuss für meine Suche nach einem Weg, in dem ich meine andere Passion – die sinnorientierte Arbeit mit Menschen – leben kann. Es war der Moment, in dem ich aufhörte zu warten, „entdeckt“ zu werden: Von einem Label, einem Talent-Scout im Job-Kontext, einem Mentor. Es war der Moment, in dem ich ernsthaft erstmals in innere Selbstführung ging und begann, mich selbst als meine eigene „Chefin“ zu sehen.

Manchmal führt uns ein Umweg genau dorthin, wo wir hingehören. Mehr dazu unter 5.

Folge deinem Feuer, nicht der Vernunft
Geh 100 % für das, was dich lebendig macht – nicht für das, was sicher scheint oder anderen gefällt. Wenn du spürst, wofür du wirklich brennst, dann geh diesen Weg. Auch wenn er unsicher, unbequem oder wenig „vernünftig“ wirkt. Vertrau deiner Sehnsucht – sie zeigt dir den Weg.

Berufungs-Wunderfrage: Was würde ich, wenn ich sterbe, bereuen, nicht gewagt zu haben?
Meine Wunderfrage heute an großen Entscheidungs-Weggabelungen: „Was würde ich, wenn ich irgendwann sterbe, bereuen, nicht gewagt zu haben?“

2. Erfolg: Beziehungen sind wichtiger als Leistung

Ich war lange überzeugt: Wenn ich nur immer weit überdurchschnittlich leiste, werde ich bzw. mein Potenzial gesehen. Die Wahrheit war aber: Als fleissiges Bienchen machte ich einen guten Job, war im Grunde dort also unabkömmlich. Befördert wurden oft Kollegen, die viel Zeit in Selbstmarketing und Karriereentwicklung steckten. Dafür war ich mir lange zu fein. Schade eigentlich.

Meine Story: In allen meiner Jobs habe ich mich überdurchschnittlich reingehängt. In einem bin ich aber in einer schwierigen Phase in eine Art Arbeitssucht geraten. Mein Privatleben war so trostlos, dass ich mich lieber ganz in die Arbeit stürzte. Ich habe also immer mehr organisiert, getragen, vorausgedacht, und Verantwortung übernommen.

Die Firma war auch in einer Krise, insofern kam das gelegen – aber gedankt wurde es mir eigentlich nie. Ich war in einer typischen Frauen-Karriere-Falle. Wobei …. Irgendwann kam eine Kollegin ins Team, deren Hauptaktivität – nach meinem Eindruck – nicht die eigentliche Arbeit war, sondern sich strategisch überall zu vernetzen. Und sie hatte Erfolg! Während ich nur immer noch mehr Arbeit hatte. Zugegeben, ich war verärgert, fassungslos und neidisch. Doch irgendwann habe ich verstanden, was für eine wertvolle Lektion ich durch sie gerade lernte: Ich hatte immer geglaubt, dass starke Leistung immer für sich spricht und reicht. Tut sie aber nicht. Verbindungen sind wichtiger. (Im Idealfall geht natürlich beides Hand in Hand).

Was ich später übrigens auch verstanden habe: Mein extrem hoher Leistungsanspruch und mein Übermaß an Bereitschaft, Verantwortung zu tragen, wo andere dran waren, hat nicht nur mich selbst erschöpft, sondern auch meine KollegInnen unter Konkurrenz-Druck gesetzt.

Lesson learned. Wenn du „Arschengel“ identifiziert, stehen die Chancen gut, dass jemand anderes dich umgekehrt auch so sieht. 😉

Es sind die Beziehungen, die dich tragen. Verpasse nicht, sie aufzubauen und zu pflegen! Zum einen für die Verbindung und Sichtbarkeit, zum anderen aber auch, um Isolation und Ausgrenzung vorzubeugen. Leistung allein bringt dich nicht dorthin, wo du hin willst und kannst.

Ich habe es so erlebt, dass Leistung alleine selten zu Wertschätzung führt. Und, noch wichtiger: Wer nur funktioniert, wird vielleicht bewundert – ist aber nicht verbunden. Das kreiert kein Vertrauen und Rückhalt – sondern sogar Stress für andere.

Berufungs-Wunderfrage: Wie kann ich zu einem guten Ökosystem beitragen?
Meine Wunderfrage heute in Situationen, wo ich mich nach mehr Wertschätzung und Wirksamkeit sehne: „(Wie) kann ich hier zu einem lebendigen und vertrauensvoll vernetzten Ökosystem beitragen?“

Exkurs zum Thema „toxisches Arbeitsumfeld“

Es macht nur Sinn, Ökosysteme dort aufzubauen, wo keine Bagger am Werk sind, die alles wieder einreissen. Sobald Mobbing oder Bossing im Spiel ist oder die Geschäftspraktiken des Unternehmens an sich unmoralisch sind oder die Mitarbeiterrechte aus echter Rücksichtslosigkeit mit Füßen getreten werden, ist es Zeit zu gehen. Sofort. Am besten mit Jobwechsel und diskret. Zur Not aber auch mit Krankschreibung, Betriebsrat und juristischer Begleitung.

Ich höre es allzu oft in meinen Gesprächen mit Klientinnen und auch im Freundeskreis, dass Frauen über Monate oder gar Jahre mit sich, ihrer Wahrnehmung der Situation und ihrem Pflichtgefühl ringen – oft mit heftigen Folgen für ihre Gesundheit und ihr Selbstvertrauen!

Versuche nie als Einzelperson, ein System zu ändern oder gar zu retten.

Der Begriff „toxisch“ wird meines Erachtens derzeit inflationär benutzt

Nicht jede scharfe und vielleicht sogar ungerechte Kritik ist persönlich entwertend gemeint. Nicht jeder talentierte Selbstdarsteller ist Narzisst. Nicht jede Führungsunsicherheit ist absichtliches Ghosting.

Eine echte Toxizität zeichnet sich meines Erachtens fast immer durch eine gewisse Systematik und Vorsätzlichkeit, Systemstarre und Dialogunfähigkeit über längere Zeit hinweg aus. Eine hilfreiche Analogie zur Einordnung einer eigenen belastenden Situation können die neun „Eskalationsphasen“ nach Professor Friedrich Glasl bieten.

Allerdings gibt es in vielen Unternehmen oder Teams auch alle Arten von Zuständen, Rollen-Fehlbesetzungen und Dynamiken, die im Grunde nicht tragbar oder zumutbar sind. Auch ich habe das schon erlebt – und mit dem mir eigenen sturen Idealismus versucht zu verstehen, zu kommunizieren und zu verbessern. Der Preis? Meine Gesundheit.

Daher würde ich meinem jüngeren ich und allen anderen klar sagen: Toxische Systeme musst du so schnell wie möglich verlassen. Du kannst sie nicht ändern. Sie dich aber leider schon.

Was toxisch wirkt, ist aus meiner Sicht dabei neben der systemischen Sichtweise durchaus auch subjektiv und individuell zu bewerten: Und zwar durch die Wirkung, die es auf deine geistige und körperliche Gesundheit hat. Was für den einen eine sportlich-raue Herausforderung sein mag, zerstört den Selbstwert eines anderen.

Es geht also auch darum, sich selbst und seine aktuelle Gesamtsituation so gut zu kennen und zu respektieren, dass man erkennt, was schadet, bevor der Schaden bleibend wird.

Und das bringt mich zum nächsten Punkt:

3. Erfüllung: Wie du arbeitest ist wichtiger als das Was

Du kannst im richtigen Beruf krank werden – oder im falschen Beruf gesund bleiben. Entscheidend ist: Wie gehst du mit dir selbst darin um?
Ich habe über Jahre in Jobsettings gearbeitet, die ehrlich nicht „ideal“ waren. Aber ich habe gelernt, meine eigene Arbeitsweise zu gestalten – und meine eigenen Regeln zu entwickeln. Auch das war ein langer Lernweg, der aus einem heftigen Tiefpunkt entstand:

Meine Story: Ich hatte als Kind Asthma und verpasste in der ersten Klasse fast ein viertel Jahr Unterricht. Es wurmte mich, dass ich das Schlusslicht der Klasse war und ich entwickelte enormen Ehrgeiz, alles aufzuholen. Es funktionierte – mehr als gut. Bald gehörte ich zu den Klassenbesten. Ich hatte gelernt zu lernen. Und die Erfahrung gemacht: Wenn ich mich nur genug anstrenge, kann ich alles zum Erfolg bringen – gerade auch dann, wenn es fast unmöglich erscheint.

Dieses Erfolgsrezept funktionierte super. Bis es nicht mehr funktionierte. Denn irgendwann kam – schleichend, aber im Nachhinein betrachtet unvermeidlich – die logische „Quittung“ für jahrzehntelanges Funktionieren, Dauerüberlastung und emotionale Selbstverleugnung: Ein deftiges Burnout!

Nach meinem Burnout war mir klar: So wie bisher geht es nicht weiter. Ich habe in einem neuen Job angefangen, der inhaltlich wunderbar gepasst hat – aber die Anforderungen waren teils ungesund hoch. Ich bin aber trotzdem nicht wieder ins Burnout gerutscht. Denn ich hatte nicht nur äußerlich, sondern auch in mir etwas geändert: Nämlich meine Art zu arbeiten.

Ich habe mir meine eigenen Guidelines erstellt. Nicht, um gegen das System zu rebellieren, sondern um in ihm gesund zu bleiben. Ich wusste: Meine inneren Ansprüche sind sowieso strenger als die äußeren. Also kann und muss ich mir auch erlauben, Pausen zu machen. Mir Raum zu nehmen. Grenzen zu setzen – freundlich, aber klar.

Diese Entscheidung zur Selbstführung hat alles verändert. Natürlich nicht die Aufgaben und die Umstände – sondern „nur“ meinen Umgang mit mir selbst. Doch der ist entscheidend.

Selbstfürsorge ist kein Egoismus, sondern Voraussetzung für nachhaltigen Impact

Gerade für hochsensible, kreative Menschen ist es essenziell, sich selbst zu fragen: Welche Bedingungen brauche ich, um gut zu arbeiten? Wie viel Reiz, wie viel Stille? Wie viel Freiheit, wie viel Struktur?

Berufung ohne Selbstfürsorge ist Selbstausbeutung. Die Art, wie du arbeitest, ist wichtiger als das, was du tust. „Berufung“ heißt auch: Arbeit lebendiger machen – durch dich selbst.

Und auch dein Einfluss und deine Wirksamkeit wächst, wenn du deine eigenen Regeln definierst und lebst. So fand ich – dank meiner Achtsamkeitspraxis, aber auch dank meines Burnouts – vom System der Erschöpfung zur gesunden Selbstführung.

Es ist ein Weg der subtilen Veränderung von innen, nicht der dramatischen äußeren Veränderungen (das habe ich auch versucht durch Jobwechsel, kam aber natürlich vom Regen in die Traufe): Es ist wichtig, die eigene Arbeitsweise zu hinterfragen, eigene Antreiber und dysfunktionale Muster zu untersuchen und zu verändern, sich im Setzen und Einfordern von gesunden Grenzen zu üben.

Und, aus meiner Sicht, die Masterskill: einen klugen Umgang mit der eigenen Energie zu lernen. Zuerst, aus einer Erschöpfung heraus, den Fokus darauf zu richten, was Energie raubt und was sie schenkt – auf Minutenbasis bei der Arbeit. Und dann zu erlernen, wie man die eigene Energie gezielt anhebt und steigert, indem man erkennt, dass man selbst keine Batterie, sondern ein Kraftwerk ist, wenn man seine Werte, Bedürfnisse und Ziele klar kennt und achtet.

Berufungs-Wunderfrage: Was BRAUCHE ich jetzt?
Meine Wunderfrage heute in solchen Situationen, wo ich vor lauter innerem und äußerem Druck wie gelähmt bin: „Was brauche ich JETZT? Wie kann ich es kreativer und leichter machen?“

4. Entscheidungen: Vertraue deiner Intuition – sie weiß mehr als dein Verstand

Ich hatte schon immer ein starkes Bauchgefühl, eine klare innere Stimme und lebendige innere Bilder. Das gehört bei vielen feinfühligen und hochsensiblen Menschen zu den Gaben, die diese Eigenschaft mit sich bringt. Aber darauf gehört habe ich früher oft nicht – und vor allem nicht, wenn es um Berufliches ging. Oft folgte ich eher einer Konvention, Erwartung, meinem Verstand oder Ehrgeiz … bis ich allzu oft auf die Nase gefallen war und schließlich lernte: Meine Intuition ist mein sicherstes Navigationssystem.

Manchmal sagt sie nur ein Wort. Oder schickt ein inneres Bild. Ein Gefühl. Oder ein inneres „Stopp“. Seit ich gelernt habe, ihr zu vertrauen, lasse ich sie in entscheidenden Momenten führen. Es ist ziemlich faszinierend, was da passieren kann – und, ganz ehrlich, evidenzbasiert erklären kann ich es auch meist nicht. Aber es funktioniert!

Meine Story: Es war mein Traumjob: Eine Stabstelle für Kommunikation bei einem sehr bekannten Coach, der eines meiner Lieblingsthemen auf höchstem Niveau unterrichtet. Ich hatte alle seine Bücher gelesen, schon vor Jahren. Mich sofort auf die Stelle beworben. Und war nach dem telefonischen Vorgespräch direkt zum Kennenlernen vor Ort eingeladen worden.

Es war ein wunderbares Gespräch – so wie man sich ein Vorstellungsgespräch nur wünschen kann. Warm, wertschätzend, direkt. Ich hatte das Gefühl, dass alles passt. Und die Arbeitgeberseite offenbar auch. Nur – als es um den neuen Arbeitsvertrag ging, stockte ich auf einmal innerlich. Es war im Äußeren alles gut – es gab keinen Haken. Sondern ganz im Gegenteil offene Türen. Meine Intuition liess mich dennoch stocken.

Ich konnte mein Zögern nicht verstehen. Als ich tiefer auf das Gefühl einging und in Dialog mit meiner innere Stimme trat, zeigten sich nur ein paar Punkte, die irgendwann hätten stören können: Etwa, dass ich damals schon im Hinterkopf hatte, igendwann selbst Coach und Heilpraktikerin und damit selbständig zu werden. Aber konkret stand das noch lange nicht an. Das innere Nein blieb und ich war komplett ratlos. Ich könnte viele Geschichten mit meiner Intuition teilen, die erklären, warum ich schließlich allein auf Basis dieses Gefühls schweren Herzens und verwirrt absagte. Rational verstand ich mich selbst nicht.

Ein Jahr später war dann aber klar, was daran gut gewesen war: Aufgrund der Pandemie veränderte das kleine Unternehmen seine gesamte Struktur und mein Traumjob, für den ich sogar weiter von meinem Partner weggezogen wäre, wäre Geschichte gewesen.

Das beste Navi – ist nur so smart wie derjenige, der es bedient

Auch berufliche Entscheidungen sind nie nur rational. Ein vorhandenes Navigationssystem wie die Intuition nicht zu nutzen, wäre allerdings unlogisch. Doch natürlich geht es um die Integration von Verstand und Intuition.

Frauen fühlen sich im Beruf oft mit dem direkten oder versteckten Vorwurf konfrontiert, sie seien „zu emotional“. Und ja, die Berufswelt ist auch heute noch eher männlich dominiert. Nicht nur wenn man Führungsrollen-Besetzungen betrachtet, sondern auch bis tief hinein in die meisten Arbeits- und Entscheidungspraktiken. Und so leben viele Frauen unbewusst dauernd „auf dem falschen Fuß“ – und versuchen, um sachlich und kompetent zu wirken, alles Emotionale und auch Intuitive auszublenden.

Eine bewusste Gegenbewegung finde ich wichtig, denn wir erscheinen schließlich als ganze Menschen bei der Arbeit. Sollten es zumindest. Denn unsere heutigen beruflichen Aufgaben sind zu komplex und anspruchsvoll, als dass wir nur als halber Mensch – rein rational – einen guten Job machen könnten. Und ja – das betrifft auch Unternehmer-, Freiberufler-, Künstler- und Wissenschaftler:innen!

Was ist allerdings auch oft sehe, ist dass übers Ziel hinausgeschossen wird mit der Emotionalität. Denn der Verweis auf Gefühle darf eine diskursive Auseinandersetzung mit konkreten Argumenten nicht abbügeln. Beides sollte sich vielmehr gegenseitig bereichern.

Es geht beim intuitionsbasierten Entscheiden nicht darum, Verantwortung und Ownership von sich wegzuverlagern oder die eigenen Entscheidung zu rechtfertigen. Doch oft ist es gut zu hinterfragen, wie viel vom eigenen Erkenntnisprozess kommuniziert werden muss.

Zu einer starken Intuition gehört also auch die Kultivierung eines gesunden Verständnisses von Macht und Kommunikation.

Intuition als Schlüssel zur Berufung

Die Intiuition ist wie ein Kompass: Auf sie in kleinen wie in großen Entscheidungen zu hören, wird meiner Erfahrung nach letztlich über die Zeit hinweg fast unausweichlich zur eigenen Berufung führen.

Doch an der Stelle auch eine kleine Warnung: Die Intuition ist keine Feelgood-Managerin. Sie will nicht, dass du es bequem und sicher hast. Sie verfolgt mit Leidenschaft das Ziel, dich zu Wachstum und zur inneren Ganzheit zu führen. Das bedeutet, dass sie dich auch immer wieder in Situationen führen wird, die sich vorher gut und mittendrin besch**en anfühlen.

Berufungs-Wunderfrage: Was will ich hier lernen?
Meine Wunderfrage heute in Situationen, wo ich merke, etwas ist nicht stimmig: „Was will ich hier lernen?“

5. Berufung ist kein Ziel, sondern ein Weg

Was habe ich im Laufe der Jahre über die Frage gegrübelt, was der perfekte Job, der ideale Arbeitgeber, meine wahre Berufung und mein Beitrag zur Welt sein könnte!

Heute weiß ich: Jede Etappe und jede Erfahrung war ein Puzzlestück. Mein früheres Studium, mein Job in der Kommunikation, die beflügelnden wie die schwierigen Phasen – sie haben mir Werkzeuge gegeben, die ich heute als Coach, Mentorin und Autorin täglich nutze.

Du musst nicht möglichst früh und perfekt wissen, „was du wirst“, was dich zu 100% ausmacht. Wichtiger ist, wie du dich selbst führst – um die zu werden, die du sein kannst und willst!

Meine Story: Ich habe lange gedacht, dass ich „meine Berufung“ finden müsste. Dieses eine Ding, das alles erfüllt und höchsten Sinn macht. Klingt überfordernd? War es auch. Ich begann mich nach und nach zu entspannen und einfach zu leben. Ich entdeckte Achtsamkeit und Yoga und meine Intuition als meine wichtigste Lehrerin. Mein Weg ist so betrachtet nicht geradlinig: Lehramt, Musik, Journalismus, Marketing und Kommunikation, Therapieausbildung und schließlich meine Selbständigkeit als Coach und Heilpraktikerin für Psychotherapie.

Doch von innen her betrachtet und aus dem Rückblick macht es unglaublich viel Sinn. Jede Station hat mir etwas gezeigt. Überall bekam ich wichtige Fähigkeiten, Erfahrungen und Werkzeuge an die Hand, die ich heute als Coach und Mentorin nutze.

Auch die schwierigen Phasen waren wichtig. Tatsächlich gerade die. Denn ich habe noch etwas gemerkt: Einer meiner höchsten Werte ist Entwicklung. Es ist eine spannende Reise – und sie geht immer weiter.

Berufung = sich selbst treu bleiben im Gehen

Geh deinen Weg – folge deinen Leitsternen – Werten und Idealen – in deinem Tempo. Hab einen langen Atem. Genieße den Weg. Umwege erhöhen die Ortskenntnis. Und du weisst nie, welche Herausforderung oder Durststrecke später einmal genau den Unterschied macht und dir hilft. Tatsächlich steckt genau in den Herausforderungen meist das größte Geschenk und die Chance für persönliches Wachstum. Daher meide nie Dinge, bloß weil sie anstrengend erscheinen. Zugleich lass alles, was sich nach Kämpfen anfühlt, los.

Ja, und rückblickend macht fast alles Sinn. Ich dachte lange, ich hätte Chancen oder gar meine Berufung „verpasst“, weil ich zu spät bemerkt habe, was mich wirklich interessiert und weil ich aus Vernunftgründen andere Wege gegangen bin.

Doch das war kein Fehler. Das war mein Weg!

Wir dürfen wachsen und in unserem Tempo gehen.

Und unser Beruf muss auch immer zu unserem aktuellen restlichen Leben passen. Während der Pflegephase meines Vaters und meiner Kinderwunschzeit war nicht die richtige Zeit, beruflich durchzustarten (auch wenn ich damit immer wieder gehadert habe).

Dafür ist diese Zeit jetzt – und jetzt kann ich auch viel mehr bewegen, da ich freier bin als damals.

Berufung ist nicht ein Ziel – sondern eine Bewegung auf mich selbst zu. Und sie verlangte bis heute schon ein paar mutige Abbrüche und neue Starts. (Kleiner Texterwitz: Umbrüche sorgen für Klarheit! ;-))

Ja, der Weg darf lang und krumm und meiner sein. Ich bin gespannt, wie er weiter geht!

Berufungs-Wunderfrage: Was ist jetzt ein stimmiger nächster Schritt?
Meine Wunderfrage heute in Situationen, wo ich schmerzhaft spüre, dass ich längst nicht da bin, wo ich hin will – aber den Weg noch nicht erkenne: „Was ist jetzt ein stimmiger nächster Schritt?“

Schlussgedanken – mit den wohl wichtigsten Impulsen

Ganz ehrlich: Wenn ich meinem jüngeren Ich heute wirklich etwas mit auf den Weg geben könnte, würde ich vielleicht doch gar nicht zu viel sagen, sondern lieber einladen zur Offenheit. Offenheit, sich auf Erfahrungen voll einzulassen, sie auszukosten und zu durchleben im Guten wie im Schlechten.

Es geht im Leben ja nicht darum, Fehler und Schmerzhaftes zu vermeiden. Ganz im Gegenteil – damit reifen und lernen wir. Gerade das Unstimmige zeigt uns oft im klarsten, wo wir fehl am Platz sind. Wo es Zeit ist, weiterzugehen. Wirklich dankbar für das, was wir haben und sind, können wir eh nur sein, wenn wir auch die anderen Zustände kennen. Die Nicht-Erfüllung, das Verkorkste, die Sehnsucht.

Eines möchte ich ihr aber schon sagen, meinem jüngeren Ich, in meinem #MemoAnMich: „Hör auf dein Herz und deine Intuition. Gerade im Berufsleben. Lass dich nicht ein auf offensichtlich falsche Kompromisse. Such nicht die Sicherheit, die gibt es eh nicht. Und die einzige Anerkennung, die zählt, ist dein Selbstwert und -respekt.“

Beruf und Berufung sind nicht alles – das Leben will als Ganzes gelebt werden

Beruf und Berufung sind wichtig – sehr wichtig sogar. Schließlich bringen wir hier unsere Schaffenskraft ein und können so nicht nur unsere eigene Existenz sichern, sondern zum Wohl unserer Familie, Gemeinschaft, sogar der Welt beitragen. Und zugleich ist Arbeit nicht alles. Das Leben ist vielfältig und facettenreich. Der Sinn des Lebens ist zu leben – nicht nur Sinnvolles zu arbeiten.

Ein gelingendes Leben braucht einen ganzheitlichen Blick. Es geht um Sein, nicht um Haben oder Werden – auch und gerade für Selbst-Entwicklungs-Freaks wie mich.

Umgekehrt kann man vom Thema Arbeit auch viel Hilfreiches für andere Lebensbereiche lernen. Disziplin, Miteinander, Gelassenheit, Zielstrebigkeit, gemeinsames Lernen, Kommunikation und vieles mehr.

Ja ehrlich, ich glaube ich würde meinem jüngeren Ich wünschen, dass sie genauso ambitioniert, idealistisch und offen ist, wie sie war. Nur mehr respektvoll und radikal konsequent gegenüber ihren eigenen Wünschen, Bedürfnissen und Herzenswünschen.

Ich würde ihr sagen: „Egal wie jung und unerfahren du bist: Kenne deinen Wert und gebe und erwarte Respekt. Beende toxische Verstrickungen so schnell wie möglich. Sei zu anderen nicht loyaler als zu dir selbst. Es ist dein Weg. Egal für oder mit wem du arbeitest. Du hast die volle Verantwortung. Gehe in gesunde Selbstführung. Jetzt, nicht später. Weder Berufung noch Erfolg sind Ziele, die man irgendwann erreicht. Sie sind Leben in Einklang mit dir selbst. Und das darf jeden Tag ein wenig mehr wachsen.“

Nutze die Erfahrung und die Begleitung von anderen

Ich würde ihr zudem auch sagen: „Hol dir Begleitung von berufs- und lebenserfahrenen Frauen. Suche dir eine Mentorin. Pflege von Anfang an bewusst Beziehungen zu Vertrauens-Kolleginnen. Investiere in deine persönliche Entwicklung und Selbstführungskompetenz. Sei hilfsbereit und engagiert – UND strategisch. Setze dir Ziele und nominiere dich selbst – statt zu hoffen, dass jemand dich als High Potential „entdeckt“ und fördert. Das ist für Frauen auch heute noch eher unwahrscheinlich.“

„Suche dir Arbeitsumgebungen, die so fair und wertschätzend sind, dass du als Frau nicht zwischen Karriere- und Kinderwunsch entscheiden musst. Gib dich nicht mit Wartepositionen und Entwicklungssackgassen ab, wenn du nicht unglücklich und unzufrieden sein willst. Nimm deine Entwicklung selbst in die Hand und vor allem: Folge nicht dem angstbasierten Wunsch nach Sicherheit, sondern wähle bewusst den Weg, der mehr Gestaltungsraum, Ausdruck und Wachstum bietet.“

Berufung und Beruf: I did it my way!

Ich habe viele Umwege gemacht und neben sehr erfüllenden Arbeitserfahrungen auch sehr schmerzhafte gemacht – aber genau diese Erfahrungen haben mir das Rüstzeug gegeben, heute andere auf ihrem Weg zu begleiten. Es geht gar nicht so sehr um den äußeren Weg – sondern um unsere innere Selbstführung. Um Authentizität, Lernen, Präsenz und Miteinander.

Ich glaube nicht an den perfekten Berufsweg. Und Berufung ist nicht der eine große Job unseres Lebens. Es ist die innere Bewegung, die uns lebendig macht und hält. Und die Transformation beginnt dort, wo wir auf diese leise weise Stimme hören. Wo wir uns dem zuzuwenden, was JETZT stimmig ist.

Wie siehst du das?

Was würdest du deinem jüngeren Ich in Hinblick auf Beruf und Berufung gerne als Rat mitgeben?
Wenn du Lust hast, schreibe gerne deine eigenen Reflexionen zu dem Thema nach dem Motto #MemoAnMich und teile sie in meinem Aufruf zu dieser Blogparade!
Ich freue mich natürlich auch sehr über Kommentare unter diesem Artikel!

Tourguide gesucht?
Vielleicht stehst du gerade an einem Punkt im Beruf, an du merkst: Es muss sich etwas ändern. Oder du spürst eine Sehnsucht, aber weißt noch nicht, wohin sie dich führen kann und soll.
Dann melde dich einfach bei mir. Ich begleite dich gerne dabei, deinen Weg zu finden. Du musst nicht alles sofort wissen oder hinschmeissen. Es geht darum, den nächsten stimmigen Schritt zu erkennen. Dein Weg entfaltet sich – in deinem Tempo, mit deiner inneren Führung. Und wenn du magst mit meiner Begleitung für mehr Leichtigkeit, Verbundenheit und inneren Raum.

Dez. 15, 2024

Großer Schmerz – große Chance

Die Kraft für eine bessere Zukunft ist im gegenwärtigen Moment enthalten“ – sagt Eckart Tolle. Doch oft beginnt die Reise dahin damit, dass wir spüren, dass der bisherige Weg nicht mehr stimmt. Vielleicht ist es Dein Job, der Dich nicht mehr erfüllt. Oder das Gefühl, dass Du immer wieder an den gleichen Stolpersteinen hängenbleibst. Unter Deinem Potenzial bleibst. Das voll zu spüren und zuzugeben, ist sehr schmerzhaft – aber es birgt ein großes Veränderungspotenzial!

Die Heldenreise beginnt mit dem „MessAnger“

Vor rund 8 Jahren Jahren steckte ich inmitten eines Burnouts. Damals beschäftigte ich mich intensiv mit dem Gedanken der Heldenreise. Mich inspirierte – im Tal der Verzweiflung – die Grundidee, dass man aus solchen Krisen gestärkt herausgehen kann. Nur wie?! Bei meiner Suche nach Lösungen stieß ich auf ein spannendes Detail der Heldenreise, die immer mit dem Erscheinen des „Boten“ beginnt: Das Wort „MessAnger“ – Bote – setzt sich aus „mess“ (Chaos) und „anger“ (Wut) zusammen (…wenn man sich die kleine Rechtschreib-Freiheit nimmt, „Messenger“ auf „MessAnger“ umzudeuten 😉).

Jedenfalls ist es oft dieser innere Zustand von Unordnung und Frustration, der uns dazu ruft, innezuhalten und eine Entscheidung zu treffen: Gehen wir weiter wie bisher? Oder folgen wir dem Ruf, unseren eigenen Weg, unsere Heldenreise, zu beginnen?

Wichtig: Ich möchte mit dieser Geschichte Burnout nicht heroisieren! Ganz im Gegenteil: Ich wünsche mir, dass die Geschichte dich motiviert, einem solchen Verlauf entgegenzusteuern, indem du frühzeitig umdenkst. Ich habe durch viel Schmerz gelernt – und möchte für frühe Erkrankungs-Anzeichen sensibilisieren. Eine Heldinnenreise ist nicht weniger spannend und wertvoll, wenn es gelingt, ein solches Knock-Out zu vermeiden – es spricht vielmehr für Weisheit, Selbstliebe und Mut, einen neuen Weg zu beschreiten, bevor es soweit kommt.

Herzenswege sind nicht immer geradlinig …

Damals hörte ich also (endlich) diesen Ruf – und folgte ihm. Ich hatte zwar schon länger nebenberuflich Achtsamkeit und Yoga unterrichtet, doch hauptberuflich war ich auf noch auf dem alten Weg. Es war der Wendepunkt, als ich beschloss, dem Ruf zu folgen und insgesamt einen neuen beruflichen Weg einzuschlagen.

Ich entschied mich damals, Heilpraktikerin für Psychotherapie zu werden. Es fühlte sich stimmig an und dem folgte ich, auch wenn der Weg dorthin alles andere als einfach war. Es waren eine Menge Mut, Geduld, Lernen, Beharrlichkeit sowie Umwege und Pausen notwendig.

Ich arbeitete mich aus dem Burnout heraus und in einen neuen Vollzeitjob ein, dann kam die Pandemie, mein Vater wurde schwer krank und ich zog in meine alte Heimat zurück, um bei meiner Familie zu sein. Kurzum: Ich verschob die Prüfung mehrfach, um nicht erneut im Burnout zu landen. 

… wichtig ist, wer wir „unterwegs“ werden!

Trotz aller Herausforderungen verlor ich mein Ziel nie aus den Augen – und Ende November 2024 war es endlich so weit: Ich konnte meine Prüfung als „Heilpraktikerin für Psychotherapie“ ablegen und darf künftig Menschen auf ihrem Weg zurück zur psychischen Gesundheit und Resilienz begleiten.

Wichtig: Das werde ich im Rahmen von persönlichen Einzelgesprächen an meinem Wohnort tun – die Arbeit als Heilpraktikerin für Psychotherapie ist also ein anderes Thema und ein anderes Setting als meine Online-Tätigkeit als Coach und Mentorin für ambitionierte und feinfühlige Menschen im beruflichen Kontext.

Welche Geschichte Deiner Heldenreise willst Du schreiben?

Ich teile die Geschichte hier und heute mit Dir, um Dich zu inspirieren, Deine eigenen großen Träume der beruflichen Weiterentwicklung und Veränderung anzugehen – insbesondere, wenn der „MessAnger“ immer wieder auftaucht! Es lohnt sich, anzufangen und dranzubleiben – auch wenn der Weg lang und steinig ist!

Wenn Du also im Job immer wieder das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt – dass Unzufriedenheit oder innere Konflikte Dich begleiten, dass Du stets unter Deinem Potenzial bleibst oder dauererschöpft bist – könnte das der Ruf Deines „MessAngers“ sein. Vielleicht stehst Du an der Schwelle, Deinen eigenen Weg (neu) zu wählen!

Denke daran: Es ist Dein Weg. Es ist Dein Tempo. Und so unangenehm er manchmal ist: Der „MessAnger“ – das Chaos und die Wut – ist nicht Dein Feind. Er ist Dein Wegweiser… Er taucht auf, um Dich zu erinnern, dass es Zeit ist, los- oder weiterzugehen.

Apr. 5, 2024

Wetter (innerlich / äußerlich)

Wir mögen es meist nicht so gerne, wenn Dinge sich plötzlich ändern.

Das fängt schon beim Wetter an! Jahreszeiten mit vielen Temperatur-Umschwüngen kann daher schon rein wettertechnisch herausfordernd sein.

Denn: Veränderungen erfordern von uns eine Anpassungsleistung. Wenn unsere Ausgleichsfähigkeiten bereits durch anderen Stress erschöpft sind, kann ein Wetterwechsel uns auch mal ausknocken! Dann bekommen wir Migräne oder das Immunsystem macht schlapp…

Doch es ist – wie so oft – spannend, einmal tiefer zu blicken und unsere Reaktion auf äußere Veränderung zu beobachten! Ist da ein Unbehagen aufgrund der Nicht-Kontrollierbarkeit? Eine Gereiztheit, weil schon so viel anderes gerade nicht „rund“ läuft? Ein Ärger, weil dadurch ein Plan, den wir hatten, durchkreuzt wird? Tendieren wir dazu, von Veränderungen, die von außen kommen, nur Schlechtes zu erwarten? Sehen wir eher den Regen oder entdecken wir auch den Regenbogen, wenn es anders kommt als gedacht?

Manchmal ärgern wir uns auch über uns selbst – weil wir über Anzeichen, die auf eine bestimmte Entwicklung hingewiesen haben, hinweggegangen sind. Ein Bauchgefühl oder auch äußere Anzeichen ignoriert haben… 

All das bezieht sich natürlich keineswegs nur auf das äußere Wetter, sondern metaphorisch auch auf unser soziales oder inneres Wetter.

Und gerade bei letzterem wird es noch “heißer“! Wie ist Dein inneres Wetter? Ist es leicht durch äußere Einflüsse wandelbar oder ruhst Du in Dir selbst? Bist Du zugleich offen genug, um mitzubekommen, wie die Atmosphäre um Dich herum gerade ist? Und ehrlich zu spüren, wie es Dir damit geht – und auch Spannungen wahrzunehmen und „zu halten“?

Vielleicht fällt Dir auch etwas ein, das Dir helfen kann, mit Veränderungen und den damit oft einhergehenden Spannungen besser umzugehen. Etwa mal wieder Tagebuch schreiben, etwas Bewegung, eine Meditation, in die Sauna gehen (da ist die Wechselhaftigkeit Programm!), eine gute Freundin anrufen, ausreichend Schlaf, Lieblingsmusik hören oder oder oder….

Es sind spannende Reflexionen, zu denen uns wechselhaftes Wetter einlädt!

Apr. 5, 2024

Wetter (innerlich / äußerlich)

Wir mögen es meist nicht so gerne, wenn Dinge sich plötzlich ändern.

Das fängt schon beim Wetter an! Jahreszeiten mit vielen Temperatur-Umschwüngen kann daher schon rein wettertechnisch herausfordernd sein.

Denn: Veränderungen erfordern von uns eine Anpassungsleistung. Wenn unsere Ausgleichsfähigkeiten bereits durch anderen Stress erschöpft sind, kann ein Wetterwechsel uns auch mal ausknocken! Dann bekommen wir Migräne oder das Immunsystem macht schlapp…

Doch es ist – wie so oft – spannend, einmal tiefer zu blicken und unsere Reaktion auf äußere Veränderung zu beobachten! Ist da ein Unbehagen aufgrund der Nicht-Kontrollierbarkeit? Eine Gereiztheit, weil schon so viel anderes gerade nicht „rund“ läuft? Ein Ärger, weil dadurch ein Plan, den wir hatten, durchkreuzt wird? Tendieren wir dazu, von Veränderungen, die von außen kommen, nur Schlechtes zu erwarten? Sehen wir eher den Regen oder entdecken wir auch den Regenbogen, wenn es anders kommt als gedacht?

Manchmal ärgern wir uns auch über uns selbst – weil wir über Anzeichen, die auf eine bestimmte Entwicklung hingewiesen haben, hinweggegangen sind. Ein Bauchgefühl oder auch äußere Anzeichen ignoriert haben… 

All das bezieht sich natürlich keineswegs nur auf das äußere Wetter, sondern metaphorisch auch auf unser soziales oder inneres Wetter.

Und gerade bei letzterem wird es noch “heißer“! Wie ist Dein inneres Wetter? Ist es leicht durch äußere Einflüsse wandelbar oder ruhst Du in Dir selbst? Bist Du zugleich offen genug, um mitzubekommen, wie die Atmosphäre um Dich herum gerade ist? Und ehrlich zu spüren, wie es Dir damit geht – und auch Spannungen wahrzunehmen und „zu halten“?

Vielleicht fällt Dir auch etwas ein, das Dir helfen kann, mit Veränderungen und den damit oft einhergehenden Spannungen besser umzugehen. Etwa mal wieder Tagebuch schreiben, etwas Bewegung, eine Meditation, in die Sauna gehen (da ist die Wechselhaftigkeit Programm!), eine gute Freundin anrufen, ausreichend Schlaf, Lieblingsmusik hören oder oder oder….

Es sind spannende Reflexionen, zu denen uns wechselhaftes Wetter einlädt!