Achtsamkeit

Artikel healthstyle - 7 Arten von Pause Aug. 1, 2026

7 Arten von Pause – und warum wir alle davon brauchen

Für viele beruflich stark eingespannte Menschen ist der Sommer die Jahreszeit, auf die sie sich besonders freuen. Denn oft ist jetzt endlich Gelegenheit für Urlaub – endlich mal raus aus dem Hamsterrad, ausschlafen und entspannen. Allerdings ist das Abschalten oft gar nicht so einfach – oder es hält nach dem Urlaub nicht lange an.

Denn Urlaub ist nur eine Form von Pause und Regeneration braucht oft mehr als freie Zeit.

Unser Nervensystem ist komplex. Je nachdem, wie belastet wir sind und was uns aktuell die besonders Energie zieht, brauchen wir verschiedene Arten von Pause. Im Laufe der Jahre habe ich sieben Arten herauskristallisiert, die unser Nervensystem auf unterschiedliche Weise unterstützen können.

7 Arten von Pause

1. Bewegung

Wenn wir viele Stunden am Schreibtisch verbringen, ist der Abend auf der Couch kein Ausgleich: Bewegung bringt den Körper und Geist wieder in Schwung und baut außerdem Stresshormone ab. Ein Spaziergang, ein paar Dehnübungen, Yoga oder Tanzen in der Küche können fürs Nervensystem übrigens mehr bringen als eine Stunde Powertraining. Die entscheidende Frage ist nämlich nicht: Wie powere ich mich aus? Sondern: Wie komme ich wieder in Fluss und ins Spüren?

2. Körperliche Wechselreize

Unser Körper liebt Reize, die sanft herausfordern und einladen, eine gesunde Mitte wiederzufinden. Wechseldusche, Saunieren, Barfußlaufen im Gras oder eine Massage können unserem Nervensystem daher helfen, sich selbst wieder zu regulieren. Diese Methoden „er-innern“ unseren Körper und Geist daran, dass wir über die Fähigkeit zur Selbstregulation verfügen.

3. Soziale Verbindung

Viele Menschen ziehen sich zurück, wenn sie gestresst sind. Manchmal ist Stille auch genau richtig – auf Dauer aber nicht nur, denn wir Menschen brauchen auch echte Verbindung mit anderen. Eine gute „Pause“ im Alltag kann daher auch soziale Elemente beeinhalten wie ein gutes Gespräch, gemeinsames Lachen oder zusammen essen und plaudern. Denn wir regulieren unser Nervensystem nicht nur allein, sondern auch miteinander.

4. Kreativität und Spiel

Wann hast du zuletzt etwas getan, ohne dir selbst Druck zu machen, dass dabei ein WOW-Ergebnis dabei herauskommen muss? Kreativität ist und Spielen sind keine Zeitverschwendung. Sie öffnen vielmehr einen inneren Raum, in dem wir den ständigen Problemlösemodus verlassen und wieder Zugang zu Leichtigkeit und neuen Perspektiven finden.

5. Sinnespausen

Manchmal reicht ein Moment des bewussten Genießens, um uns wieder in die Gegenwart zu bringen und mit uns selbst zu verbinden. Vielleicht den Duft von Kaffee schnuppern, Vogelstimmen lauschen, das Sonnenlicht auf der Haut spüren oder den Blick auf etwas Schönem ruhen lassen. Unsere Sinne sind ein direkter Zugang zum Hier und Jetzt. Wenn wir lernen, sie bewusst einzusetzen, entstehen mitten im Alltag kleine Inseln der Regeneration.

6. Stille und Achtsamkeit

Viele Menschen sagen zu mir: „Ich kann nicht meditieren.“ Dabei geht es gar nicht darum, still stundenlang im Schneidersitz zu verharren und nichts zu denken. Es geht bei Achtsamkeit viel mehr um die regelmäßige Rückkehr zu uns selbst. Gerade wenn es uns schwerfällt, abzuschalten und uns zu konzentrieren, ist es sehr wertvoll zu lernen und zu üben, unseren Geist freundlich zu beobachten und unsere Aufmerksamkeit zu lenken.

7. Schlaf und bewusstes Ruhen

Schlaf ist die offensichtlichste Form der Pause udn die Basis für tiefe Regeneration. Leider versuchen viele ambitionierte Menschen, am Schlaf zu sparen. Das geht auf Dauer allerdings nicht, denn unser Gehirn braucht die Zeit für die Verarbeitung von Erlebtem und auch zur körperlichen Regeneration.

Manchmal fällt Schlafen allerdings auch schwer, gerade wenn wir dauerhaft unter hohem oder intensivem inneren Druck stehen. Dann kann es hilfreich sein, sich an zwei Dinge zu erinnern: Auch bewusstes Ruhen – ohne sich Druck zu machen, Schlafen zu müssen – kann wertvoll sein.

Erholung entsteht durch Loslassen – wenn nötig, mit Plan

Wir brauchen meiner Meinung nach alle diese Arten von Pausen regelmäßig. Und gerade für Vielbeschäftigte ist es weise, sie von vornherein verbindlich einzuplanen und genauso wichtig zu nehmen wie die andere Termine.

Welche Pause braucht dein Nervensystem jetzt gerade?

Es gibt nicht die eine richtige Art von Pause. Manchmal brauchen wir Bewegung, manchmal Ruhe und manchmal Verbindung mit anderen. Je besser wir lernen, die Signale unseres Nervensystems wahrzunehmen, desto leichter fällt es uns, die Form von Regeneration zu wählen, die uns in diesem Moment wirklich guttut.

Welche Art von Pause würde dir jetzt gerade wohltuen?

Der ursprüngliche Impuls zu diesem Thema stammt aus meinem Fachartikel „Die Pause als Basis für Performance“, der in der Ausgabe 04/2026 des healthstyle-Magazins erschienen ist. Dort gehe ich unter anderem darauf ein, warum unser Nervensystem nicht einfach per Knopfdruck zwischen Anspannung und Entspannung umschalten kann und weshalb echte Regeneration immer auch eine Form gelungener Selbstführung ist.

Juli 29, 2026

Vom tiefen Sinn der Zuversicht und warum wir sie oft gerade in den schwierigsten Momenten finden

Zuversicht ist ein zartes Geschöpf und doch fast unverwüstlich. Warum wir oft just in der Krise oder Katastrophe lernen, offener für das Wunder des Lebens zu werden.

Dieser Blogbeitrag entstand im Rahmen der Blogparade #Zuversichtfinden meiner lieben Kollegin Pia Hübinger. Gedanken zum Thema Zuversicht spukten schon lange in meinem Kopf herum und ihr wunderbarer Themenimpuls half mir, sie nun zu sortieren und konkret werden zu lassen. Tausend Dank!

1. Der Moment, in dem meine Zukunft starb – und neu geboren wurde

Ich war Anfang zwanzig und mein Lebenstraum war gerade zerbrochen: Eine Kooperation mit einem Tonstudio hatte krachend und überraschend geendet und meine Musik, für die ich alles gegeben hatte, würde nie mein Beruf werden. Gleichzeitig war eine große Liebe gescheitert.

Als mich die volle Härte dieser Realisation traf, ging ich gerade die Straße, in der ich damals in Freiburg wohnte, entlang – umgeben von absurd fröhlich-opulenter Frühlingsnatur. Und dachte zum ersten Mal in meinem Leben: Ich sehe keinen Weg mehr. Mein Leben wird nie mehr schön und wie ich es mir wünsche.

Ich weiß noch wie heute das Gefühl völliger Hoffnungs-, Perspektiv- und Sinnlosigkeit.

Und dann kam mir, typisch Singer-Songwriterin eben, die erste Zeile eines neuen Lieds in den Kopf:

„When your dream is lost, you´ve got to hold on, because … all might not be lost.“
„Wenn dein Traum verloren ist, dann gib nicht auf, weil du nicht weißt, wie es weitergeht.“

Es war sehr stark, sehr klar. Und dann kam als nächstes: Nichts!

Keine weitere Zeile. Nur diese verdammte eine.

2. Warum Zuversicht mehr ist als Hoffnung

Ich wartete und hoffte so sehr, dass das Lied mir als nächstes verraten würde, wie es weitergehen sollte – nur ein Schnipsel einer Idee! Aber woher auch immer die Musik in Köpfe kommt: „Es“ schwieg hartnäckig.

Und so blieb die eine Zeile hängen. Innerlich ehrlich gesagt mit einem Fragezeichen am Ende: „All might not be lost?“

Aber irgendetwas in mir war trotz tiefster Depression auf eine Weise aufgewacht – und neugierig. Bei allen Tränen, die ich noch weinte: Beobachtend. Vielleicht auch innerlich sammelnd für den Rest der Lyrics, falls die Muse gedenken sollte, sich irgendwann erneut zu zeigen. Was sie auch tat – gut 10 Jahre später.

In der Zwischenzeit lernte ich, mit der offenen Frage zu leben. Und ich glaube, ich wäre heute nicht die, die ich bin, wäre damals gleich eine schlaue zweite Zeile für das Lied mitgeliefert worden.

Ich begann, mir noch tiefere Fragen zu stellen, als das Philosophiestudium bereit hielt. Ich fragte mich, woher diese Zeile gekommen war: Aus meiner Intuition, meinem Unterbewusstsein oder von ganz woanders? Ein bischen Hoffnung war auch dabei, klar. Aber entscheidend war etwas anderes: Zum ersten Mal begriff ich, dass ich weder Sicherheit und Gewissheit brauchte, noch Hoffnung, noch Kenntnis des Wegs in die Zukunft. Etwas in mir begann, sich von einem starren Lebensplan, so schön er auch gewesen war, zu lösen. Irgendwie offener zu werden – und damit auch lebendiger.

Es war ein äusserst schmerzhafter und angsterregender Prozess – aber im Rückblick ein echter innerer Wendepunkt.

3. Zuversicht: Das Netz, aus dem das Leben gewoben wird

Nicht nur mich, sondern auch die Wissenschaft beschäftigt die Frage, was uns in solchen Situationen eigentlich trägt. Ein wichtiges Konzept ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten das der Resilienz, der seelischen Widerstandsfähigkeit, geworden.

In der Resilienzforschung gilt „Optimismus“ gilt als eine der sieben Säulen der Resilienz. Sie ist also sogar auch ein wissenschaftlich validierter psychischer Schutzfaktor.

Denn gemeint ist damit natürlich keine naive Schönfärberei, toxisches Positivdenken oder Zweckoptimismus, sondern eine Weise, bewusst mit sich selbst und dem Leben und seinen Herausforderungen in Beziehung zu treten.

Das klingt abstrakt, ist aber Lebensweisheit pur.

4. Ist Zuversicht in einer Welt voller Krisen nicht naiv?

Zuversicht bedeutet nicht, dass ich glaube, alles wird schon irgendwie „gut“. Das wissen wir nicht. Wir müssen / dürfen uns auch darum kümmern. Und die großen Krisen unserer Zeit stellen uns vor Herausforderungen, vor denen wir schon mal den Mut verlieren können. Aber bitte nicht die Zuversicht!

Zuversicht ist für mich tiefer, existenzieller und philosophischer zugleich als „wird schon“-Optimismus: Sie ist (m)ein tastendes Vertrauen, dass das Leben weitergeht und neue Möglichkeiten entstehen können, selbst wenn ich sie gerade noch nicht sehen kann.

Optimismus als Grundhaltung dem Leben gegenüber ist etwas, was daraus im Laufe der Zeit entstehen kann. Diese äußere Lackschicht bekommt immer wieder Kratzer durch den Kontakt mit der Realität. Aber darunter ist für mich die Zuversicht, die erstaunlich unkaputtbar ist, auch wenn unser Verstand sich vielleicht in der schlimmsten Krise eine andere Geschichte erzählt.

Vielleicht ist Zuversicht das stille Ja zum Leben und vom Leben, auch wenn der Verstand gerade Nein sagt.

Interessanterweise gehen auch Traditionen, die betonen, dass das Leben voller Leiden ist (Yoga und die Veden, der Buddhismus, aber auch die monotheistischen Religionen), in der Tiefe von einem wohlwollenden und freundlichen Universum aus und der Möglichkeit der Transformation, der Freiheit und des persönlichen Lernens.

Daher ist Zuversicht und Optimismus samt Lernoptimismus heute einer meiner wichtigsten Werte. Und das ist aus meiner Sicht nicht naiv, sondern mutig. Denn es bedeutet, dass man sich immer wieder mit dem Leben, wie es wirklich ist, in Kontakt bringt und in Kauf nimmt, dass das Kratzer gibt oder die Geschichte kein hübsches Hollywoodende bekommt. Aber man wagt es, das Leben.

Und ich finde, dazu brauchen wir mutige Zuversicht, die sich über den Rand des bisher Bekannten, Vertrauten und Denkbaren hinauswagt, in die Zukunft. Insbesondere, wenn wir glauben, dass die Zukunft, die wir gerne gehabt hätten, so nicht mehr eintreten wird. Es könnte auch anders (gut) werden…

5. Was mir hilft, wenn meine Zuversicht wankt

Zuversicht ist nichts, das man in bester Laune und an guten Tagen wirklich bemerkt. Wahrscheinlich ist sie da auch dabei, aber so richtig bewusst wird sie uns meist erst, wenn sie uns irgendwo in innerer Finsternis überraschend findet.

Trotzdem können wir auch lernen, sie zu kultivieren und einzuladen, wenn wir sie brauchen.

Im folgenden einige Aspekte, die mir persönlich dabei helfen:

Musik: Musik kann Räume in uns öffnen, zu denen unser Verstand die Tür nie finden würde. Sie kann uns an etwas in uns er-innern, in Schwingung und Resonanz versetzen und so anregen, auch das Leben selbst wieder mehr zu spüren und seine Schwingungen zuzulassen.

Der Atem: Zum Zeitpunkt der eingangs geschilderten Szene hatte ich auch meine erste Panikattacke. Es war ein Erlebnis des extremen Kontrollverlusts und emotionalen Zusammenbruchs, das mich letztlich auch das erste Mal in Kontakt mit Psychotherapie brachte (auch das war ein Anstoß, dessen Bedeutung mir erst mehr als 20 Jahre später bewusst wurde. Wer weiß, ob ich ohne dies heute Heilpraktikerin für Psychotherapie wäre?).

Jedenfalls war ich damals mit meiner Panikattacke alleine und wusste auch nicht, was da geschah. Ich dachte nur, dass ich sterbe, weil ich vor lauter Weinen und Angst keine Luft mehr bekam. Aber auf einmal merkte ich, inmitten meines Zusammenbruchs und meiner Panik: Doch, ich bekomme Luft. Mein Körper nutzt jede Millisekunde Pause im Heulkrampf, um schnell Sauerstoff zu tanken. Es war nicht schön, aber mein Körper versorgte mich selbst in diesem Moment, als der Rest von mir nicht mehr konnte.

Es klingt vielleicht ein wenig seltsam, aber auch darauf können wir auf eine Weise vertrauen.

Kinder und Tiere: Manchmal genügt der offene Blick eines kleinen Kindes oder eines Tiers, um sich daran zu erinnern, dass die Welt größer ist als die eigene Angst.

Achtsamkeit: Achtsamkeit ist für mich keine Technik, sondern eine Haltung und ein Weg. Sie hilft mir immer wieder, von meiner Geschichte im Kopf zurück ins Hier und Jetzt und ins Leben zu kommen.

Neugier: Sich fragen, was als Nächstes kommt: Ein Atemzug? Eine Idee? Ein Anruf? Ein Seufzer? Eine endlich wieder etwas erholsame Nacht? Ein Traum, der einen Zusammenhang zeigt? Eine wertvolle Begegnung?

Das Leben wirken lassen. Und sich tragen lassen. Vom nächsten Schritt aus hat man eine neue Perspektive, die man jetzt noch gar nicht haben kann. Offenheit, Wunder und Staunen sowie eben Neugier nehmen enorm Druck heraus.

Ressourcenbewusstsein und Lösungsorientierung: Auf das schauen, was geht – und das stärken und nutzen, was funktioniert. Klingt simpel, aber oft gerät das gerade in schwierigen Zeiten aus dem Blick. Dieser ganzheitliche Blick auf das komplette Leben, und nicht nur unsere Probleme und Herausforderungen, ist aus meiner Sicht einer der wichtigsten Schlüssel zur Wirksamkeit, auch wenn wir uns überfordert, verloren und ohnmächtig fühlen.

Der Intuition vertrauen: Das Leben will leben und findet seinen Weg, wie Wasser. Wenn wir auf unsere innere Stimme hören, machen wir es dem Fluss des Lebens leichter, auch in uns wieder wirksam zu werden.

Wertebewusstsein: Unsere Werte können uns Leitsterne sein – gerade wenn in unserem Leben Chaos herrscht. Es lohnt sich, unter die Oberfläche unserer vermeintlichen Werte zu schauen und zu spüren, was uns wirklich in der Tiefe antreibt, gerade wenn da Widerspruch, Schmerz und Spannung ist.

Vorbilder verankern: Das können weise Menschen sein, die Schweres durchgemacht haben und daran gewachsen sind wie Maya Angelou, Nelson Mandela oder vielleicht auch unsere eigenen Vorfahren. Vielleicht gibt es ein Zitat oder ein Bild dieses Menschen, das wir in unsere Räume bringen können und so von ihnen Kraft und Zuversicht „borgen“.

Auch die Natur ist ein wunderbares Vorbild: Mich inspirieren Pflanzen, die unter den schwierigsten Bedingungen einfach wachsen und sich der Sonne zuwenden, immer wieder.

Humor: Humor hilft, unsere Mindfucks zu dekonstruieren und einen Schritt zurückzutreten und das kosmische Spiel zu bewundern. Um es mit Mark Twain zu sagen: „Mein Leben war voller schrecklicher Katastrophen. Von denen die meisten nie eingetreten sind.“

Wir sind Meister im Katastrophisieren (oder „Hinein-Theatern“, wie man in Österreich wohl sagt). Warum werden wir nicht Meister*innen im glückliche Wendungen für möglich halten?

6. Zuversicht als meine berufliche Verbündete

Heute arbeite ich als Coach und Heilpraktikerin mit Menschen, die ähnliche Momente wie ich damals (und auch danach immer wieder) erleben. Viele stehen dann vor einem Scherbenhaufen ihrer Träume, im Beruf oder in der Beziehung oder haben Angst, wie es in der Welt inmitten all unserer Krisen weitergehen soll.

Ich bin dankbar, dass ich gelernt habe, dass es immer weitergeht – auch wenn wir gerade nicht sehen können, wie. Und dass ich selbst erlebt habe, dass wir mehr Wandlungsfähigkeit und Resilienz besitzen, als wir selbst glauben.

Ich bin aufgrund meiner Erfahrungen und der Begleitung anderer Menschen in sehr schwierigen Situationen auch tief entwicklungs- und lernoptimistisch … Gegenüber fixen Lebensplänen und Identitätsverwechslungen mit Rollen bin ich hingegen gesund misstrauisch geworden. Was wir letztlich lernen dürfen, wenn solche Träume scheitern, ist dass wir und das Leben immer größer sind als unsere Ideen davon.

Ja, es kann sehr weh tun, wenn etwas zerbricht, das uns wertvoll war und sehr ängstigen, wenn wir um etwas bangen, das uns lieb ist. Aber wenn wir Jahre später zurückblicken uns sagen „Auch das habe ich überlebt“, erkennen wir, wie resilient und stark wir sind.

Manchmal ist es auch befreiend und es entsteht aus einer großen, bangen Frage oder einem Verlust etwas Neues und vielleicht auch Schönes. Daher finde ich auch Lebenswege so faszinierend – und insbesondere die Spurensuche nach der Zuversicht, die oft fast unsichtbar bleibt, ausser in den dunkelsten Momenten.

7. Fazit: Was ich dir wünsche, wenn du gerade den Weg nicht siehst

Vielleicht stehst du gerade selbst an einem Punkt, an dem du nicht siehst, wie es weitergehen kann oder soll. Tatsächlich wünsche ich dir dann keine guten Ideen und schnellen Lösungen. Sondern dass du den Mut und die Neugier findest, den nächsten kleinen Schritt trotzdem zu gehen.

Oft erkennen wir erst im Rückblick, Jahre später, wohin uns dieser Schritt geführt hat.

Manchmal besteht Zuversicht nur aus einem einzigen Gedanken:

„When your dream is lost, you´ve got to hold on, because … all might not be lost.“

Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Aber ich gehe trotzdem weiter.

P. S.: Der eingangs erwähnte Song schrieb sich übrigens rund 10 Jahre nach der ersten Zeile selbst fertig, binnen weniger Minuten. Es war wie eine innere Durchsage, nachdem ich jahrelang auf der ersten Zeile herummeditiert hatte.
Lust reinzuhören? Hier findest du den ganzen, finalen Song: HOLD ON
Wie es kam, dass meine Musikkarriere doch nicht endete, sondern dass ich zwei Alben mit meiner Musik aufnahm, kannst du hier lesen.

Teile gerne auch deine Gedanken und Inspirationen zum Thema Zuversicht in einem Kommentar.

Denn im Laufe der Jahre habe ich noch etwas über die Zuversicht gelernt: Sie wächst, wenn man sie teilt.

Zitat von Cornelia aus Podcast mit Marwin Zander Mai 19, 2026

Achtsamkeit statt Hamsterrad: Podcast-Interview mit Marwin Zander

Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, mit Marwin Zander über ein Thema zu sprechen, das mich seit vielen Jahren begleitet – persönlich wie beruflich: Achtsamkeit. Das Gespräch ist jetzt zu hören in seinem Homöopathie-Podcast: „Achtsamkeit statt Hamsterrad: Wie präsent bist du wirklich?“ 

Wir sprachen unter anderem darüber,

  • warum gerade empathische Menschen Gefahr laufen, sich selbst zu verlieren,
  • weshalb Stress nicht grundsätzlich schlecht ist … ausser, wenn es keine Pausen gibt,
  • woher der Stress wirklich kommt (Spoiler: meist nicht von außen),
  • warum viele Menschen dauerhaft im Funktionsmodus leben,
  • und weshalb Achtsamkeit wenig mit „Stillsitzen und Nichtsdenken“ und umso mehr mit Präsenz, Selbstwahrnehmung und Lebendigkeit im Alltag zu tun hat.

Außerdem geht es um Burnout, innere Spannung, Regeneration, Hochsensibilität, Selbstführung und die Frage, wie wir in einer reizüberfluteten Welt wieder stärker mit uns selbst in Verbindung kommen können.

Das komplette Interview findest du auf Marwins Website und auf allen gängigen Podcast-Plattformen sowie YouTube:

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Mehr Informationen

Viel Freude beim Hören!

Schreib mir gerne mal, welcher Gedanke aus dem Gespräch bei dir nachklingt.

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Portrait von Cornelia - sie sieht Achtsamkeit als Zukunftskompetenz Okt. 1, 2025

Darum ist Achtsamkeit in der Arbeitswelt wichtiger denn je

Achtsamkeit ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Selbstentfremdung.

Wenn dieser Satz dir irgendwie bekannt vorkommt, ist das kein Wunder: Es ist eine Paraphrasierung von Immanuel Kants berühmtem Aufsatz über die Aufklärung, der mit ähnlichen Worten beginnt. Kant sprach genau genommen von der selbstverschuldeten „Unmündigkeit“ – und auch wir werden heute oft eher gelebt als zu leben!

Unser Geist ist gefährdeter denn je, aus seiner Verbindung mit dem Körper und der Gegenwart herausgerissen zu werden. Denn wir sind heute mit vielen Technologien in Kontakt, die unsere Neugierde, aber auch unsere psychologische Sucht nach Stimulation auf verschiedene Weise anregen.

In unserer „VUCA“-Welt – VUCA steht für volatil, unsicher, komplex und mehrdeutig (ambiguous) –, ist Achtsamkeit nichts, was nur spirituelle Suchende praktizieren, um Erleuchtung zu finden. Denn sind wir gerade in einer Zeit, in der viel Unsicherheit und Ängste vorherrschen. Und auch das prädestiniert unseren Geist dazu, sich auf die Suche nach Lösungen in der Vergangenheit oder auch in der Zukunft zu begeben. Der Preis ist, dass wir den Kontakt zur Gegenwart und sogar zu uns selbst verlieren können.

Gerade in der Arbeitswelt, in der Technologien uns permanent ablenken, Meetings dicht getaktet sind und der Erwartungsdruck hoch ist, brauchen wir einen Anker, um klar, handlungsfähig und verbunden zu bleiben. Achtsamkeit ist genau dafür der Schlüssel.

Achtsamkeit ist aus meiner Sicht eine absolute Basiskompetenz und zugleich hochmoderne „Future Skill“ – eine der tragenden Säulen gesunder Selbstfürsorge und Selbstführung. Sie hilft uns, die Essenz dessen zu leben, was der eigentliche Wert menschlichen Seins und Wirkens auch bei der Arbeit ist.

Was ist Achtsamkeit?

Achtsamkeit wird definiert als ein freundliches Gewahrsein im gegenwärtigen Moment – ohne zu urteilen, ohne festzuhalten. Sie ist ein offenes und weites „Zeugenbewusstsein“, das immer wieder in das Hier und Jetzt zurückkehrt und sich seiner Verbundenheit mit dem eigenen Körper und der direkten Umgebung bewusst ist.

Das ist gar nicht so einfach, aber auch nicht so egozentrisch, wie es vielleicht im ersten Moment klingt. Denn Achtsamkeit hat viele weitere Facetten, die das Wort in seiner Übersetzung nicht transportiert und die vielen Menschen dadurch entgehen können: Achtsamkeit ist eine Praxis, die nicht nur die Verbundenheit mit uns selbst, sondern auch mit anderen fördert. Das ist sehr wertvoll in einer Zeit, in der Technologien und auch psychologisch Angst-förderliche Informations- und Kommunikationsmuster zu immer mehr sozialer Differenz und Entfremdung führen. 

Achtsamkeit ist dabei keine Modeerscheinung, sondern eine uralte Praxis, die in Indien und Tibet schon vor Tausenden von Jahren entwickelt wurde. Denn der menschliche Geist hatte schon immer die Tendenz, sich in die Zukunft oder Vergangenheit zu vergaloppieren und sich in Probleme hinein zu „katastrophisieren“.

Trotz dieser Historie ist Achtsamkeit per se keine religiöse oder spirituelle Praxis, sondern in ihrem Kern weltanschaulich neutral. Sie kann eine spirituelle Dimension haben – muss aber nicht. Man kann Achtsamkeit und Meditation auch schlicht als Praxis von Psychohygiene und mentaler Gesundheit betrachten.

Achtsamkeit umfasst mehrere innere Haltungen, die hilfreich und wertvoll für einen guten Umgang mit sich selbst und anderen sind:

  • Nicht-Urteilen
  • Offenheit
  • Präsenz
  • Geduld
  • Akzeptanz
  • Anfängergeist
  • Loslassen
  • Dankbarkeit
  • Selbstverantwortung
  • Empathie / Mitgefühl

Sie ist also weit mehr als „still sitzen und an nichts denken“ – es geht letztlich um Lebendigkeit und um deren innere Qualität, die sich in jeden Moment des Alltags integrieren lässt.

Achtsamkeit: Future Skill für die moderne (Arbeits-)Welt?

Meine Prognose ist, dass Achtsamkeit in der Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen wird.

Denn es wird immer entscheidender werden, Achtsamkeit als Basiskompetenz zu kultivieren, je härter der Kampf um unsere Aufmerksamkeit tobt. Nicht umsonst heisst es, dass wir in einer Aufmerksamkeits-Ökonomie (attention economy) und in einem Zeitalter der Reizüberflutung und Überstimulation leben!

Um Meinungs-Filterblasen, Manipulation und völliger Zerfaserung und Überwältigung unseres Geistes entgegenzuwirken, gibt es wenig, was so tiefgreifend und zugleich simpel ist wie Achtsamkeit – die Kunst, still, präsent und zentriert in sich selbst zu sein. Und wir haben das Potenzial davon noch lange nicht erschöpft … gerade auch bei der Arbeit!

Der Mensch passt sich seit der Industrialisierung bei der Arbeit – bewusst und unbewusst – Maschinen an. Wenn wir unsere Gesundheit und Menschlichkeit nicht verlieren wollen, wird es überlebenswichtig sein, hier umzusteuern. Insbesondere im beginnenden KI-Zeitalter!


Es gibt sogar schon einen Krimi mit dem Titel „Achtsam morden“. Der Begriff ist jedenfalls im Mainstream angekommen – was leider auch Missverständnisse über die eigentliche Bedeutung schürt. Geht es um Aufmerksamsein? Ums Stillsitzen? Ist es ein Lifestyle? Eine Religion? Alles unzutreffend – und was mich an solchen Verknüpfungen ärgert (ganz achtsam, natürlich!), kannst du hier nachlesen.

Gute Führung braucht achtsame Selbstführung

In der Berufswelt beginnen wir gerade erst zu verstehen, wie wichtig Achtsamkeit für die individuelle Resilienz und auch für organisationale Resilienz ist: Denn wer achtsam ist, versteht nicht nur sich selbst, sondern auch andere besser – eine wichtige Basis für gute und produktive Kooperation. Zudem befähigt Achtsamkeit auch zu einer gesunden Selbstführung – also Leistungsstreben in Einklang mit guten Grenzen und tiefem Selbstwert zu bringen, um etwa Burnout vorzubeugen.

Diese Fähigkeiten sind in der modernen Arbeitswelt unabkömmlich. Welcher Schaden individuell und organisationell entsteht, wenn ein Mangel an Vertrauen oder gesunder (Selbst-)Führung vorherrscht, spiegelt sich direkt in steigenden Krankheitsausfällen und sinkender Produktivität. Wir sind aktuell schon sehr weit auf einer kollektiven schiefen Ebene: In einer Situation, in der viele Menschen mit mindestens einem Bein im Burnout stehen, weil sie nicht gelernt haben, sich selbst gut zu führen. Und andere folglich auch nicht gut führen können. Burnout-fördernde Strukturen gibt es in vielen Unternehmen und Organisationen zuhauf! Dazu kommen dann als Brandbeschleuniger von Unsicherheit und Angst diverse weitere Herausforderungen wie die aktuelle Wirtschafts-, Politik- und Umweltkrise.

Achtsamkeit wird aus meiner Sicht den Unterschied machen zwischen denjenigen, die in der Masse mitschwimmen und zum Spielball äußerer Ereignisse werden – und denjenigen, die gelernt haben, sich selbst und ihren eigenen Geist zu führen, schwierige Emotionen zu halten und proaktiv ins eigene Lernen und ins eigene Wachstum zu investieren: Zum Wohl ihrer selbst, zum Wohl der Menschen, mit denen sie zusammenarbeiten und zum Wohl der Organisation insgesamt.

Achtsamkeit fördert so indirekt nicht nur Resilienz und Gemeinschaft – sondern auch Erfolg sowie Krisen- und Veränderungskompetenz.

Künstliche und natürliche Intelligenz: Am besten in Kombination

Dieser „Wettbewerbsvorteil“ ist immens und gerade in Hinsicht auf die neuen Technologien höchst relevant. Der Einsatz von KI in der Arbeitswelt ist schon jetzt nicht mehr wegzudenken und wird künftig noch in ganz neue Dimensionen vorstoßen.

Es werden allerdings nur diejenigen einen guten Umgang damit haben, die es gelernt haben, ihre eigene innere Wahrheit zu unterscheiden von dem, was eine künstliche Intelligenz – frei von jeglichen menschlichen Selbstzweifeln – kernig und mit viel Überzeugungskraft an Lösungsvorschlägen präsentiert. Nur ein achtsames Bewusstsein der eigenen Situation und des Kontexts in der Gegenwart erlaubt es, künstliche Intelligenz-Inputs sicher zu bewerten, differenziert zu betrachten und sinnvoll weiterzuentwickeln.

Willkommen in der „schönen neuen Welt“

Man muss nicht paranoid sein oder Fan dystopischer Literatur wie Aldous Huxleys‘ „Brave New World“ oder George Orwells‘ „1984“, um zu erkennen, welche fatalen Auswirkungen es haben kann, wenn KI von wenigen Macht-getriebenen Menschen geprägt wird und die Mehrheit der Menschen in innere oder äußere Abhängigkeit der scheinbar allwissenden Instanz abgleitet. „42“ ist da noch die harmloseste Antwort – um auch die visionäre Weitsicht von Douglas Adams‘ „Per Anhalter durch die Galaxis“ zu zitieren. Was darin so lustig verpackt war, wäre in echt nicht lustig: Nämlich die ungebremste manipulative Macht einer intelligenten Maschine ohne menschliches Maß und menschliche Werte.

Schon jetzt gibt es auch Stimmen, die davor warnen, dass viele Menschen in Pseudo-Beziehungen zu KI gehen und ihrer riesigen Intelligenz eine Art Allwissenheit und damit Autorität zuschreiben, der sie sich unterordnen und von der sie emotional und geistig abhängig sind. Von der Erodierung menschlicher Beziehungen samt der dafür notwendigen Frustrationstoleranz abgesehen: Es ist ungünstig, wenn KI auch in Situationen blind vertraut wird, in denen Verantwortung für schwere Entscheidungen übernommen werden muss.

Doch natürlich kann KI auch eine wunderbare Unterstützung sein und ein Werkzeug, von dem die Menschheit sehr profitiert … wenn es klug eingesetzt wird.

Selberdenken: Use it or lose it!

Wir brauchen eine kultivierte natürliche Intelligenz – sprich, Achtsamkeit – um mit dem ureigenen menschlichen Fingerspitzengefühl zu prompten, abzugrenzen und zu korrigieren, wenn KI in eine Richtung geht, die nichts mit der tatsächlichen Realität oder gewünschten Zukunft zu tun hat.

„Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“, schrieb Kant in seinem Essay über die Aufklärung.

Dies wird in Zeiten von Ki-generierten Nachrichten, Algorithmus-getriebenen Filterblasen und einer Erodierung von Ethos- und Qualitäts-orientierten Medien immer wichtiger.

Achtsamkeit ist eine essentielle Komponente „kritischen Denkens“

Die Fähigkeit, achtsam zu sein, ist aus meiner Sicht eine entscheidende Zukunftskompetenz – innerhalb wie außerhalb der modernen Arbeitswelt. Denn es geht darum, die eigene innere Wahrheit zu kennen, den Kontext realistisch wahrzunehmen und zu bewerten und proaktiv die eigene Arbeit und auch das eigene Leben zu gestalten, statt nur emotional und kognitiv abhängiger Handlanger künstlicher Intelligenz oder anderer Menschen zu sein.

Hier zeigt sich nun, warum ich den Bezug zu Kants Essay über die Aufklärung „als Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ sehe, mit dem ich ja eingestiegen bin. Denn ich bin überzeugt, dass Achtsamkeit direkt diese Mündigkeit und Unabhängigkeit fördert.

Achtsamkeit gehört aus meiner Sicht zu den grundlegenden Fähigkeiten für ein gelingendes, erfülltes und selbstbestimmtes Leben – zusammen mit anderen Kernkompetenzen wie beispielsweise Intuition, Beziehungsfähigkeit und Selbstführung, die zugleich eng damit zusammenhägen.

Die Kultivierung von Achtsamkeit ist die Basis für wahre Humanität in einer Arbeitswelt, in der eben auch die künstliche Intelligenz nicht mehr wegzudenken ist. Denn sie sorgt für eine gesunde Einordnung und ein gesundes Selbstverständnis dessen, was der Mehrwert menschlichen Arbeitens und Seins in dieser Welt ist.

Achtsamkeit bei der Arbeit: Herumsitzen und nichts tun – eine gute Idee?!

Es klingt zugegebenermaßen paradox: Nichtstun bei der Arbeit!
Doch so ähnlich wie in der Musik sind auch bei der Arbeit Präsenz und Pausen entscheidend.
(Dabei ist Achtsamkeit übrigens nicht die einzige Methode – hier 40 weitere Tipps für regenerierende Mikro-Pausen).

Achtsamkeit als bewusstes Zur-Ruhe-Kommen wirkt regenerierend und setzt neue Kraft und Energie frei.

Achtsamkeit …

  • stärkt die Selbstwahrnehmung und Selbstregulation in stressigen Situationen.
  • ermöglicht es, Grenzen klar und freundlich zu setzen, ohne Schuldgefühle.
  • verbessert Kooperation und Kommunikation, weil wir präsenter sind und offener zuhören.
  • macht resilienter gegenüber Veränderungen und Phasen der Unsicherheit.

Und: Achtsamkeit kann nicht nur in äußerer Stille praktiziert werden. Ihr Wert zeigt sich sogar oft besonders, wenn sie als innere Haltung in Aktivitäten mit eingebracht wird: Etwa in schwierige Gespräche mit Mitarbeitenden, Kunden und Kollegen, in die Auswahl des Essens in der Mittagspause, ins Wechseln von einem Aktivitätsmodus in einen anderen, beim konzentrierten Fokussieren auf eine bestimmte Aufgabe und auch beim Treffen von Entscheidungen.

Konkrete Tipps, wie man beginnen kann, Achtsamkeit in den Arbeitsalltag zu integrieren, führe ich unten aus.

Mein eigener Weg zur Achtsamkeitspraxis: Wie ich zu Mindfulness-based stress reduction (MBSR) nach Jon Kabat-Zinn kam

Achtsamkeit als weltanschaulich neutrale Praxis für Stressreduktion und Resilienz kann man natürlich auch in Kursen kennenlernen. Das bekannteste Format ist das 8-Wochen-Programm nach Jon Kabat-Zinn. Es ist wissenschaftlich gut untersucht und zahlreiche Studien belegen die gesundheitsunterstützende Wirkung. Achtsamkeit hat auch Eingang gefunden in moderne Psychotherapie, da sie die mentale Gesundheit stärken und emotionale Selbstregulation fördern kann.

Mein eigener Weg führte mich im Jahr 2005 in einer beruflich besonders stressigen Phase zuerst zu Jon Kabat-Zinns Buch „Gesund durch Meditation“ und dann zu seinem MBSR-Programm. MBSR steht für mindfulness-based stress reduction – übersetzt „Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion“. Für mich war es nichts weniger als lebensverändernd, Achtsamkeit kennenzulernen und in mein Leben zu integrieren.

Was Achtsamkeit bei mir veränderte

Von Natur aus bin ich kein besonders resilienter Mensch: Hochsensibel, idealistisch, sehr empathisch (und schlecht in Abgrenzung) und zudem sehr ambitioniert und vielfältig interessiert, war mein Geist in typischer Hochsensiblen-Scanner-Manier extrem zerstreut. Meist war ich dauergestresst und nervlich dysreguliert.

Ich arbeitete damals zudem in einem sehr stressigen Umfeld – als Presseverantwortliche für ein Unternehmen mit viel öffentlicher Aufmerksamkeit und in einer Umstrukturierung. Durch die Achtsamkeitspraxis fand ich einen Weg, anders mit dem Stress umzugehen, der in solchen intensiven Arbeitssituationen dazugehört.

Achtsamkeit lehrte mich, mich, meinen Körper und meine Bedürfnisse wieder besser zu spüren und gesündere Grenzen zu setzen – auch gegenüber meinen eigenen Ambitionen, Standards und Ideen! Und ich lernte, auch im Außen bei der Arbeit auf eine ganz neue Weise in gesunde Selbstführung und Selbstfürsorge zu gehen. Meine Resilienz und auch meine Produktivität profitierten sehr davon.

Keine Wundertechnik – aber eine Basiskompetenz für mentale Gesundheit und Umgang mit Krisen

Es ist mir wichtig, zugleich zu sagen, dass Achtsamkeit keine „Wundertechnik“ ist, die alles löst. Ich erlebte „trotz“ meiner Achtsamkeitspraxis in einer späteren beruflichen Hochstressphase, zu der eine private Krise kam, ein Burnout.

Eine Achtsamkeitspraxis allein kann keine psychische Krise verhindern. Aber sie war für mich – neben Therapie und dem Aufarbeiten meiner inneren Konflikte – ein unverzichtbares Werkzeug, um die Krise zu überstehen und schließlich zu überwinden.

Von Selbstwert und dem Wert menschlicher Arbeit

Ich persönlich lernte durch die Praxis der Achtsamkeit in dieser Phase, dass mein Selbstwert auf einer tieferen Ebene von klassischer „Leistung“ unabhängig ist. Es ist schön, dass Achtsamkeit auch die Leistungsfähigkeit durch bessere Konzentration zu stärken vermag – aber diese tiefere Ebene ist das eigentliche Geschenk.

Denn wollen und können wir wirklich mit KI in einen Wettlauf um Output treten? Oder geht es nicht um etwas ganz anderes – etwas viel Wichtigeres? Den Begriff von „Leistung“ müssen wir im KI-Zeitalter jedenfalls grundlegend neu denken.

Meiner Überzeugung nach liegt der Mehrwert menschlichen Arbeitens heute weniger auf klassischen „Leistungs-KPIs“ als vielmehr bei genau diesen Achtsamkeits-basierten Fähigkeiten. Es ist wichtiger denn je, dass wir auch bei der Arbeit als ganze, vollständige Menschen mit geistiger Wachheit, emotionaler Präsenz und innerer Zentrierheit da sind. Denn dies ist die Basis für Authentizität, stimmige Entscheidungen, klare Unterscheidungskraft und auch echte, authentische Verbindung mit anderen. Dies ist viel relevanter als die reine messbare „Leistung“ im Sinne von Output je Zeiteinheit!

Meine eigene Erfahrung inspirierte mich, selbst MBSR-Lehrerin zu werden. Seit 2010 unterrichte ich Kurse für Achtsamkeit im Arbeitskontext – online oder vor Ort in der Region Bühl, Baden, Karlsruhe und Offenburg.

Tipp: Viele Krankenkassen bezuschussen eine Achtsamkeitskurs-Teilnahme – bei Interesse einfach bei der eigenen mal anfragen. Firmen, Organisationen und Schulen können solche Maßnahmen auch als BGM-Maßnahme ansetzen.

Außer in Kursen vermittle ich die Grundlagen von Achtsamkeit und MBSR auch in einem individuellen Coaching an interessierte Einzelpersonen wie Führungskräfte und Unternehmer:innen. Termine und Optionen

Meine Prognose: Achtsamkeit als Kernkompetenz moderner Arbeit

Achtsamkeit ist weder Wellness noch „nice to have“, sondern die Basis für echte Mündigkeit und Humanität – und vor allem in der modernen und hochkomplexen Arbeitswelt unverzichtbar!

Wir brauchen Achtsamkeit auf verschiedenen Ebenen, um die Herausforderungen unserer Zeit gut zu meistern:

Individuell: Wer seinen Geist führen kann, statt sich von Emotionen, Reizen oder Technologien führen zu lassen, bleibt unabhängig, zentriert und handlungs- und entscheidungsfähig – selbst in Krisen.

Organisational: Teams, die Achtsamkeit kultivieren, arbeiten kooperativer, kreativer und widerstandsfähiger. Achtsamkeit fördert Vertrauen in sich selbst und andere, Problemlösekompetenz, Kommunikation und sogar Kreativität.

Gesellschaftlich: In einer Welt, in der KI und Automatisierung vieles übernehmen, wird der menschliche Mehrwert in Empathie, unabhängiger Urteilsfähigkeit und Intuition liegen – Fähigkeiten, die Achtsamkeit stärkt.

Insbesondere hochsensible, werteorientierte und empathische Menschen schützt Achtsamkeit vor Reizüberflutung aber auch Selbstverausgabung. Denn feinfühlige Menschen nehmen Reize intensiver wahr – was ein großes Talent ist, aber auch schnell zu Überlastung führen kann.

So fängst du mit Achtsamkeit im Berufsalltag an

Um achtsam zu sein, muss man nicht stundenlang still sitzen und an nichts denken. Es gibt formelle Übungswege, wie Sitzmeditation, Gehmeditation, Yoga / Qigong und auch Übungen wie den „Bodyscan“ / Yoga Nidra. Diese können regelmäßig und gezielt geübt werden, um den Geist zu beruhigen und in die Gegenwart und den Körper zurückzuholen.

Daneben gibt es eine ganze Reihe weiterer informeller Übungsmöglichkeiten, die sich wunderbar in den Alltag integrieren lassen.

Was immer geht – achtsames Atmen

Die einfachste Achtsamkeitsübung ist, sich seines eigenen Atems bewusst zu sein.
Denn der Atem ist die Schnittstelle zwischen Geist und Körper und reagiert zum einen sehr fein auf das, was wir gerade erleben, kann also so ein Signal sein, wie viel Stress wir gerade derzeit spüren. Zum anderen können wir aber auch den Atem bewusst steuern und so auf unser autonomes Nervensystem beruhigend einwirken.

Eine wunderbare Atemübung ist die sogenannte Lippenbremse. Hier wird einfach die Ausatmung verlängert, indem mit dem Mund ein kleiner Verschluss gebildet wird, um den Atemstrom zu verlangsamen. Das Entscheidende ist, dass die Ausatmung verlängert wird, denn das hat meist binnen weniger Minuten eine stark beruhigende Wirkung auf das Nervensystem. Mit ein wenig Übung kann man auf die gleiche Weise durch die Nase atmen, ohne die Lippen zu schürzen. So lässt sich diese beruhigende Atmung sogar unauffällig in stressigen Meetings üben!
Es gibt viele weitere gute Atem-Übungen, wie die Wechselatmung, wo man die Ein- und Ausatmung zwischen den Nasenlöchern abwechselt. Das gleicht die Gehirnhälften aus, beruhigt und fördert vernetztes Denken.

Auch simple alltägliche Dinge – wie achtsam eine Tasse Tee zu trinken, zu duschen, eine Mahlzeit einzunehmen oder eine achtsame Ich-tue-gar-nichts-Pause mitten im Arbeitsalltag – sind wunderbare Möglichkeiten, Achtsamkeit zu praktizieren.

Auch immer wieder auf den Strom der eigenen Gedanken zu achten und nicht alles für bare Münze zu nehmen, was diese Gedanken uns suggerieren, ist ein Teil von Achtsamkeitspraxis.

Praktische Tipps

Wenn du mit Achtsamkeit beginnen möchtest, empfehle ich, dir Höranleitungen zu suchen von jemandem, dessen Stimme du magst. Probiere einfach mal für fünf bis zehn Minuten eine solche Sitzmeditation oder auch einen Bodyscan oder etwas Ähnliches aus.

Reserviere dir jeden Tag ein wenig Zeit dafür. Am besten morgens vor der Arbeit oder abends vor dem Schlafengehen.

Und dann versuche als nächstes, eine kleine weitere achtsame Einheit in deinen Tag zu integrieren, beispielsweise eine achtsame Pause. Das kann so einfach sein wie ein Spaziergang in der Mittagszeit.

Und nach und nach kannst du diese Praktiken erweitern. Schließlich wird dies eine Inselkette aus achtsamen Momenten, die dich trägt und dir nach und nach eine andere Perspektive auf deinen Alltag ermöglicht.


5 Schritte für Achtsamkeit im Berufsalltag

1. Missverständnisse ausräumen

Du musst nicht stundenlang meditieren. Schon wenige Minuten täglich können einen Unterschied machen.

2. Formelle Praxis kennenlernen – mit Höranleitungen oder Meditations-App

  • Sitzmeditation
  • Gehmeditation
  • Yoga oder Qigong
  • Body Scan

Einige meiner Höranleitungen für Achtsamkeitsübungen findest du hier.

3. Den Atem als Anker nutzen

Achtsam atmen: z. B. einige Minuten mit sanfter Lippenbremse oder Wechselatmung üben

4. Informelle Achtsamkeit in den Alltag bringen

  • Achtsam essen oder Tee trinken
  • Eine „Aus-dem-Fenster-Schauen“-Pause im Büro
  • Den Gedankenstrom beobachten, ohne auf die „Stories“ darin zu reagieren. Für Fortgeschrittene: Die Nachrichten in dieser Haltung verfolgen!

5. Routine aufbauen – als tragfähige „Inseln im Alltag“

  • Starte mit 5–10 Minuten morgens oder abends.
  • Ergänze eine weitere achtsame Einheit in deinem Tag, z. B. einen Spaziergang in der Mittagspause.
  • Baue Schritt für Schritt eine „Inselkette“ aus achtsamen Momenten auf, die dich trägt.

Tipps: Schau dich gerne hier auf meinem Blog ein wenig um – du findest viele weitere Hinweise, wie Achtsamkeit im Alltag geht. Und mit meinem Newsletter bekommst du bei Interesse regelmäßig hilfreiche Tipps und Inspirationen direkt in dein Postfach, wie du Achtsamkeit in deinen Alltag integrieren kannst.

Mai 14, 2024

Einfach mal locker machen

Oft bauen wir Spannung auf, ohne es zu merken! Und diese Verspannungen lösen dann oft einen Teufelskreis aus Schmerz und Schonhaltung und weiterer Verspannung aus…

Deshalb tut es sehr gut, in den Alltag zwischendurch immer mal wieder Lockerungsübungen einzubauen. Eine meiner Lieblingsübungen ist das Klopfen! Es braucht wenig Zeit und Platz.

Klopf einfach mit und probiere aus, was schon ein wenige Minuten für eine Änderung bewirken können!

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Mehr Informationen

Und noch ein Tipp: Oft bauen wir riesige Hürden in unserem Kopf auf, wenn es um das Thema Entspannung geht! Wir denken: Ich müsste endlich jeden Tag 20-30 Minuten meditieren, oder mindestens dreimal in der Woche Sport machen, mir eine einstündige Massage buchen, und so weiter.

Ich bin aber der Meinung, dass wir zuerst einmal kleine Inseln der Entspannung und Achtsamkeit im Alltag schaffen sollten. Diese positive Erfahrung gibt uns dann oft die Kraft, um größere Gewohnheitsveränderungen wie etwa eine Achtsamkeitspraxis einzuführen.

Auf einen aufgelockerten Alltag!

März 31, 2024

Energie-Balance: 10 Erinnerungen für den Alltag

Erinnere dich an diese 10 Leitsätze, wenn du mal wieder drohst, auf deiner Prioritätenlisten nach ganz unten zu rutschen.

1. Ich bin wichtiger als alle meine Pflichten.

Pflege Deine körperliche und geistige Gesundheit. Nur wenn es Dir gut geht, kannst Du auch andere unterstützen und gut arbeiten. Du lebst, um zu leben!

2. Mein Wohlergehen kommt vor allem, was ich leiste.

Setze Dein Wohlbefinden an allererste Stelle. Entspanne zwischendurch bewusst. Du bist keine Gehirnchirurgin (und die arbeiten erst recht nicht 8 Stunden am Stück). 

3. Mein Beitrag ist wichtig und wertvoll.

Dein Einsatz hat langfristig Wirkung, auch wenn die Resultate vielleicht oft nicht gleich sichtbar sind. Orientiere Dich an Deinen Werten. Und dann: Keep calm and carry on! 

4. Ich bin größer als dieses Problem.

Wie groß bist Du im Verhältnis zu dieser Sache? Schrumpfe das Problem innerlich. Du hast schon ganz andere Sachen gewuppt!

5. Meine Feinheit ist meine Stärke.

Feinfühlig für sich und andere zu sein, ist eine Superpower! Dein feines Gespür hilft Dir, kreative Lösungswege zu finden und andere zu unterstützen.

6. Ich erlaube mir, nicht alles zu erledigen.

Wir leben in einer Welt, in der nie alles zu schaffen sein wird! Diese Erkenntnis kann entlastend sein. Definiere Deine Prioritäten und fokussiere Dich auf das Wesentliche.

7. Ich kann und darf mich abgrenzen.

Schütze Dich vor Überlastung, indem Du Grenzen setzt. Leichter gesagt als getan! Aber wie heisst es so schön? „Nein“ ist ein vollständiger Satz.

8. Ich schütze und nähre meinen inneren Raum.

Lerne, Deine Energie wahrzunehmen und gezielt zu stärken! Nimm Dir regelmäßig Zeit für Dich, für bewusste Reflexion, Entspannung und das, was Dir Freude macht.

9. Auch die zweit- und drittbeste Lösung führt zum Ziel.

Perfektionismus kostet viel Energie. In den meisten Fällen führt langfristig auch eine Lösung zum Ziel, die vielleicht nicht perfekt ist, aber dafür jetzt machbar. 

10. Ich vertraue mir, jetzt den nächsten richtigen Schritt zu finden.

Höre auf Deine innere Stimme, um den nächsten Schritt zu planen. Vertraue darauf, dass sie Dir sagt, was als Nächstes zu tun ist.

Feb. 21, 2024

Was Achtsamkeit ist – und was nicht

Dieses Bild einer meditierenden jungen Frau, die im Lotus-Sitz in weißer Kleidung an irgendeinem See sitzt und glücklich lächelnd Richtung Sonnenuntergang schaut … NERVT mich!

Klar, als Meditationslehrerin habe ich das natürlich gaaanz achtsam reflektiert. 😉

Hier erfährst Du, was mich daran stört und warum solche Bilder oft mehr schaden als nützen.

Frau sitzt am Strand und lächelt versunken

Das soll Meditation sein!?

Image by pressfoto on Freepik

Bei Achtsamkeit geht es um Dinge, die man nicht sehen kann

Es geht um Wahrnehmen, Nicht-Urteilen und im-Moment-Sein – beziehungsweise immer wieder zurückkehren. Jon Kabat-Zinn, Begründer des MBSR-Programms (Mindfulness-Based Stress Reduction) beschreibt Achtsamkeit so:

„Achtsamkeit ist das Gewahrsein, das entsteht,
wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Weise ausrichten:
absichtslos
im gegenwärtigen Moment
und nicht wertend.“


Weiße Kleidung, Lotus-Sitz und entrücktes Lächeln: alles rein optional!

Und was den See bei Sonnenuntergang angeht, so kann ich nur sagen: Denkt an die Stechmücken! 

Mal ganz im Ernst, warum halte ich dieses Bild für so unglücklich? Weil es bei so vielen Menschen völlig falsche Erwartungen daran weckt, was Meditation und Achtsamkeit eigentlich sind. Das fängt an bei äußeren Vorstellungen, wie das auszusehen hat, und geht weiter damit, dass es auch innerlich vermeintlich etwas falsch und richtig zu machen gibt.

Zum Beispiel ist eine sehr verbreitete Meinung, dass beim Meditieren die Gedanken aufhören (sollten). Nö! Es KANN passieren, dass sie ruhiger werden – und das ist natürlich angenehm. Doch auch darum geht es primär gar nicht! Aber viele Menschen erleben, dass die Gedanken sogar erst einmal lauter werden, und sagen dann: „Ich kann halt nicht meditieren. Ich kann einfach nicht abschalten. Ich habe die ganze Zeit Gedanken im Kopf. Ich kann das nicht. Das ist nichts für mich.“ Und das ist so schade! 

Viele gestresste Menschen geben wegen falscher Vorstellungen auf

Sie verzichten damit darauf, Aufmerksamkeitslenkung zu trainieren und zu erfahren, was es bewirkt, seine Sinne bewusst immer wieder nach innen zurückzuholen. (Wichtig: „Immer wieder“ – die Wiederholung macht es zur Übung!) Und zu lernen, auch mit Dingen präsent zu sein, die unangenehm sind. Dies „halten“ zu lernen (nicht: „Aushalten!). Wenn sie zu schnell aufgeben bzw. sich mit „Nicht-Können“ identifizieren, verpassen sie zudem die Chance zu erleben, wie sich ihr Nervensystem im Laufe der Zeit oft ganz von alleine beruhigt. (Geheimtipp: Entspannung erzwingen zu wollen, funktioniert nicht. Absichtslose Präsenz hat hingegen fast immer eine entspannende und beruhigende Wirkung).

Die Fähigkeit, sich zu konzentrieren, sich selbst zu spüren und geduldig mit seinen eigenen inneren Reaktionen zu sein: Das sind Geschenke von Achtsamkeit, die wir heute in einer chaotischen, lauten, ungeduldigen und oft wenig wertschätzenden Welt dringend benötigen! Sie sind ein Tor zu unserem eigenen Inneren, in dem der Schlüssel zu einem glücklichen, erfüllten, sinnvollen und selbstbestimmten Leben liegt. Es ist wertvoll zu lernen, dass wir diesen Schlüssel in uns selbst haben und gezielt auf unsere Ressourcen zugreifen können!

Natürlich kann Meditation nicht alles lösen

Achtsam wahrzunehmen, welche Unordnung gerade in einem Zimmer herrscht, macht das Zimmer nicht aufgeräumt, egal wie achtsam wir sind. Deshalb gilt es auch, (wieder) ein gesundes Verhältnis zum aktiven Tun zu entwickeln. Herauszufinden, was für uns jetzt wirklich wichtig, relevant und stimmig ist.

In vielen Momenten unseres Lebens gelingt es uns das auch völlig mühelos, denn da sind wir in Einklang mit uns selbst. Doch in anderen Bereichen oder Situationen unseres Lebens kann es uns sehr schwer fallen, weil wir uns selbst im Wege stehen oder die Umstände herausfordernd sind. Dann ist es gut, gelegentlich schon mal Achtsamkeit geübt zu haben. Denn es geht darum, diese Fähigkeit zur Achtsamkeit ins tatsächliche Leben zu bringen, nicht nur auf der Meditations-Matte (oder sonstigem idealem, ruhigen Ort) damit zu bleiben. Sonst wäre es steril, es geht aber um Lebendigkeit! Und darum, wie sich diese in jedem von uns individuell ausdrücken will.

Wir brauchen Symbolbilder, aber …

… meines Erachtens wird es höchste Zeit, die junge Frau im weißen Dress endlich von den Stechmücken und vom Muskelkrampf in den Beinen zu erlösen und das Bild zu sehen als das, was es ist: Ein kultureller Stereotyp von Meditation, der mit dem tiefen Wesen von Achtsamkeit ungefähr so viel zu tun hat wie eine Hollywood-Schmonzette mit echter Liebe. Symbolbilder sind oft nützlich und manchmal sogar hilfreich, wenn sie uns an eine tiefere Essenz in uns Selbst erinnern. Manchmal schaden aber Bilder auch, denn sie verweisen auf eine Oberfläche oder eine erstarrte Vorstellung – und dann gilt es, sie zu hinterfragen. Im Buddhismus geht das sogar noch einen Schritt weiter „If you meet the Buddha – kill him!“, heißt es dort. Beziehungsweise, etwas pazifistischer:

„Wandle nicht auf den Spuren der Meister, sondern suche, was sie suchten.“

Hinterfrage Dein Bild von Achtsamkeit

Wo und wie und wann wärst du gerne achtsamer, auch wenn es vielleicht gar nicht zu den typischen Bildern von Achtsamkeit passt? 

Es ist möglich, achtsam Auto zu fahren, eine unangenehme Email zu schreiben, ein weinendes Baby zu trösten oder einem trotzigen Teenie Paroli zu bieten, den aufsteigenden Ärger in einem Streit zu beobachten, zu duschen, den nächsten Urlaub zu planen, einzukaufen oder zu kochen. 

Probiere es einfach mal aus! Die drei magische Zutaten sind: Wahrnehmung, Nicht-(Selbst-Ver-)Urteilen und Präsenz. Dazu gib noch eine Prise Wohlwollen gegenüber dir selbst, wenn es nicht „klappt“. Es gibt kein Falsch und kein Richtig. Achtsamkeit ist ein Weg, sich selbst besser kennenzulernen. Und einen guten Umgang mit sich selbst zu kultivieren. Denn: Vergleich dich bitte nicht mit anderen! Das Gedankenkarussell im Kopf von anderen kannst du (zum Glück) nicht sehen. 

Praxistipp: Gehe ohne Erwartungen und von außen geprägte Bilder heran!

Setze Dich einfach vor dem Schlafengehen für 5 Minuten auf Deine Couch. Mach es Dir bequem – Du musst nur frei atmen können. Dann beobachte, wie sich Dein Atem anfühlt.

Wie er kommt und geht. Wie auch Deine Gedanken und Gefühle kommen und gehen. Und vielleicht fällt Dir dabei nach einer Weile auf, dass es tief in Dir eine ruhige Schicht gibt. Dort ist die innere Stille. Dort ist die Quelle Deiner inneren Weisheit. Dort ist verspielte Neugier und staunende Freude über dieses Wunder Deines Atems, Deines Körpers und Deines Lebens.

Es mag sein (und ist wahrscheinlich so!), dass darüber – in verschiedenen anderen Schichten – auch Unruhe ist und Gedankenwirrwarr, intensive Gefühle oder unangenehme Körperempfindungen. Auch das gehört zum Leben dazu. Und, wann immer es sich zeigt, eben zum jeweiligen Moment. 

Doch es gibt einen Teil in Dir, der kann das alles halten (manchmal vielleicht nur für Millisekunden, aber das macht schon einen großen Unterschied!). Der achtsam und wohlwollend beobachtet. Und Dich spüren lässt, wenn etwas nicht stimmig ist. Manchmal schickt er Dir auch Impulse, wie Du Dein Leben glücklicher, authentischer, erfüllter und sinnvoller gestalten kannst. Was Dir gut tut und was nicht.

Bist Du bereit, nach Innen zu lauschen und wirklich lebendig zu sein?
Wenn Du diese Fragen mit Ja beantwortest, kannst Du meditieren!

Feb. 21, 2024

Was Achtsamkeit ist – und was nicht

Dieses Bild einer meditierenden jungen Frau, die im Lotus-Sitz in weißer Kleidung an irgendeinem See sitzt und glücklich lächelnd Richtung Sonnenuntergang schaut … NERVT mich!

Klar, als Meditationslehrerin habe ich das natürlich gaaanz achtsam reflektiert. 😉

Hier erfährst Du, was mich daran stört und warum solche Bilder oft mehr schaden als nützen.

Frau sitzt am Strand und lächelt versunken

Das soll Meditation sein!?

Image by pressfoto on Freepik

Bei Achtsamkeit geht es um Dinge, die man nicht sehen kann

Es geht um Wahrnehmen, Nicht-Urteilen und im-Moment-Sein – beziehungsweise immer wieder zurückkehren. Jon Kabat-Zinn, Begründer des MBSR-Programms (Mindfulness-Based Stress Reduction) beschreibt Achtsamkeit so:

„Achtsamkeit ist das Gewahrsein, das entsteht,
wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Weise ausrichten:
absichtslos
im gegenwärtigen Moment
und nicht wertend.“


Weiße Kleidung, Lotus-Sitz und entrücktes Lächeln: alles rein optional!

Und was den See bei Sonnenuntergang angeht, so kann ich nur sagen: Denkt an die Stechmücken! 

Mal ganz im Ernst, warum halte ich dieses Bild für so unglücklich? Weil es bei so vielen Menschen völlig falsche Erwartungen daran weckt, was Meditation und Achtsamkeit eigentlich sind. Das fängt an bei äußeren Vorstellungen, wie das auszusehen hat, und geht weiter damit, dass es auch innerlich vermeintlich etwas falsch und richtig zu machen gibt.

Zum Beispiel ist eine sehr verbreitete Meinung, dass beim Meditieren die Gedanken aufhören (sollten). Nö! Es KANN passieren, dass sie ruhiger werden – und das ist natürlich angenehm. Doch auch darum geht es primär gar nicht! Aber viele Menschen erleben, dass die Gedanken sogar erst einmal lauter werden, und sagen dann: „Ich kann halt nicht meditieren. Ich kann einfach nicht abschalten. Ich habe die ganze Zeit Gedanken im Kopf. Ich kann das nicht. Das ist nichts für mich.“ Und das ist so schade! 

Viele gestresste Menschen geben wegen falscher Vorstellungen auf

Sie verzichten damit darauf, Aufmerksamkeitslenkung zu trainieren und zu erfahren, was es bewirkt, seine Sinne bewusst immer wieder nach innen zurückzuholen. (Wichtig: „Immer wieder“ – die Wiederholung macht es zur Übung!) Und zu lernen, auch mit Dingen präsent zu sein, die unangenehm sind. Dies „halten“ zu lernen (nicht: „Aushalten!). Wenn sie zu schnell aufgeben bzw. sich mit „Nicht-Können“ identifizieren, verpassen sie zudem die Chance zu erleben, wie sich ihr Nervensystem im Laufe der Zeit oft ganz von alleine beruhigt. (Geheimtipp: Entspannung erzwingen zu wollen, funktioniert nicht. Absichtslose Präsenz hat hingegen fast immer eine entspannende und beruhigende Wirkung).

Die Fähigkeit, sich zu konzentrieren, sich selbst zu spüren und geduldig mit seinen eigenen inneren Reaktionen zu sein: Das sind Geschenke von Achtsamkeit, die wir heute in einer chaotischen, lauten, ungeduldigen und oft wenig wertschätzenden Welt dringend benötigen! Sie sind ein Tor zu unserem eigenen Inneren, in dem der Schlüssel zu einem glücklichen, erfüllten, sinnvollen und selbstbestimmten Leben liegt. Es ist wertvoll zu lernen, dass wir diesen Schlüssel in uns selbst haben und gezielt auf unsere Ressourcen zugreifen können!

Natürlich kann Meditation nicht alles lösen

Achtsam wahrzunehmen, welche Unordnung gerade in einem Zimmer herrscht, macht das Zimmer nicht aufgeräumt, egal wie achtsam wir sind. Deshalb gilt es auch, (wieder) ein gesundes Verhältnis zum aktiven Tun zu entwickeln. Herauszufinden, was für uns jetzt wirklich wichtig, relevant und stimmig ist.

In vielen Momenten unseres Lebens gelingt es uns das auch völlig mühelos, denn da sind wir in Einklang mit uns selbst. Doch in anderen Bereichen oder Situationen unseres Lebens kann es uns sehr schwer fallen, weil wir uns selbst im Wege stehen oder die Umstände herausfordernd sind. Dann ist es gut, gelegentlich schon mal Achtsamkeit geübt zu haben. Denn es geht darum, diese Fähigkeit zur Achtsamkeit ins tatsächliche Leben zu bringen, nicht nur auf der Meditations-Matte (oder sonstigem idealem, ruhigen Ort) damit zu bleiben. Sonst wäre es steril, es geht aber um Lebendigkeit! Und darum, wie sich diese in jedem von uns individuell ausdrücken will.

Wir brauchen Symbolbilder, aber …

… meines Erachtens wird es höchste Zeit, die junge Frau im weißen Dress endlich von den Stechmücken und vom Muskelkrampf in den Beinen zu erlösen und das Bild zu sehen als das, was es ist: Ein kultureller Stereotyp von Meditation, der mit dem tiefen Wesen von Achtsamkeit ungefähr so viel zu tun hat wie eine Hollywood-Schmonzette mit echter Liebe. Symbolbilder sind oft nützlich und manchmal sogar hilfreich, wenn sie uns an eine tiefere Essenz in uns Selbst erinnern. Manchmal schaden aber Bilder auch, denn sie verweisen auf eine Oberfläche oder eine erstarrte Vorstellung – und dann gilt es, sie zu hinterfragen. Im Buddhismus geht das sogar noch einen Schritt weiter „If you meet the Buddha – kill him!“, heißt es dort. Beziehungsweise, etwas pazifistischer:

„Wandle nicht auf den Spuren der Meister, sondern suche, was sie suchten.“

Hinterfrage Dein Bild von Achtsamkeit

Wo und wie und wann wärst du gerne achtsamer, auch wenn es vielleicht gar nicht zu den typischen Bildern von Achtsamkeit passt? 

Es ist möglich, achtsam Auto zu fahren, eine unangenehme Email zu schreiben, ein weinendes Baby zu trösten oder einem trotzigen Teenie Paroli zu bieten, den aufsteigenden Ärger in einem Streit zu beobachten, zu duschen, den nächsten Urlaub zu planen, einzukaufen oder zu kochen. 

Probiere es einfach mal aus! Die drei magische Zutaten sind: Wahrnehmung, Nicht-(Selbst-Ver-)Urteilen und Präsenz. Dazu gib noch eine Prise Wohlwollen gegenüber dir selbst, wenn es nicht „klappt“. Es gibt kein Falsch und kein Richtig. Achtsamkeit ist ein Weg, sich selbst besser kennenzulernen. Und einen guten Umgang mit sich selbst zu kultivieren. Denn: Vergleich dich bitte nicht mit anderen! Das Gedankenkarussell im Kopf von anderen kannst du (zum Glück) nicht sehen. 

Praxistipp: Gehe ohne Erwartungen und von außen geprägte Bilder heran!

Setze Dich einfach vor dem Schlafengehen für 5 Minuten auf Deine Couch. Mach es Dir bequem – Du musst nur frei atmen können. Dann beobachte, wie sich Dein Atem anfühlt.

Wie er kommt und geht. Wie auch Deine Gedanken und Gefühle kommen und gehen. Und vielleicht fällt Dir dabei nach einer Weile auf, dass es tief in Dir eine ruhige Schicht gibt. Dort ist die innere Stille. Dort ist die Quelle Deiner inneren Weisheit. Dort ist verspielte Neugier und staunende Freude über dieses Wunder Deines Atems, Deines Körpers und Deines Lebens.

Es mag sein (und ist wahrscheinlich so!), dass darüber – in verschiedenen anderen Schichten – auch Unruhe ist und Gedankenwirrwarr, intensive Gefühle oder unangenehme Körperempfindungen. Auch das gehört zum Leben dazu. Und, wann immer es sich zeigt, eben zum jeweiligen Moment. 

Doch es gibt einen Teil in Dir, der kann das alles halten (manchmal vielleicht nur für Millisekunden, aber das macht schon einen großen Unterschied!). Der achtsam und wohlwollend beobachtet. Und Dich spüren lässt, wenn etwas nicht stimmig ist. Manchmal schickt er Dir auch Impulse, wie Du Dein Leben glücklicher, authentischer, erfüllter und sinnvoller gestalten kannst. Was Dir gut tut und was nicht.

Bist Du bereit, nach Innen zu lauschen und wirklich lebendig zu sein?
Wenn Du diese Fragen mit Ja beantwortest, kannst Du meditieren!