Psychische Gesundheit ist keine reine Privatsache: Führung braucht Beziehungskompetenz

GKV-Zitat Juli 18, 2026

Psychische Gesundheit ist keine reine Privatsache: Führung braucht Beziehungskompetenz

Im folgenden teile ich anlässlich der Verabschiedung GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes im Juli 2026 meine Gedanken dazu – und zu Führung, Vertrauen und gesellschaftlichem Zusammenhalt.

Miteinander oder Gegeneinander: In was für einer Kultur möchten wir leben?

Das ist keine rhetorische Frage. Sie wurde sehr aktuell und konkret letzte Woche, als das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz verabschiedet wurde – trotz deutlicher Warnung vor den Folgen durch unzählige Experten aus der Versorgungspraxis.

Auch mich bewegt die Situation – obwohl ich als Coach und Heilpraktikerin für Psychotherapie nicht direkt betroffen bin, denn ich kann sowieso nicht mit gesetzlichen Krankenkassen abrechnen.

Doch zu mir kommen auch etliche Menschen, die dringend einen Therapieplatz brauchen und keinen finden. Ich höre teils von Wartezeiten von über neun Monaten! Das ist schlicht nicht zumutbar, wenn man in einer psychischen Krise steckt.

Zumal viele Menschen, gerade auch junge, sich eine selbst gezahlte Therapie nicht leisten können.Warten zu müssen verstärkt den Leidensdruck – und auch psychische Erkrankungen können chronifizieren.

Ich will gar nicht so sehr auf die Folgekosten eingehen, die das mit sich bringt. Nur einen Gedanken dazu: Ohne Frage – wir müssen sparen, doch ob dieses Gesetz wirklich Beiträge stabilisieren wird, ist ungewiss. Ansonsten zeichnet sich schon jetzt ab, dass es ziemlich viele andere Bereiche destabilisiert.

Eine Einordnung aus systemischer und bindungspsychologischer Sicht

Sie ist nicht nur politisch und gesellschaftlich relevant, sondern allgemein. Denn es sind Dynamiken, die auch im beruflichen Kontext, in Firmen und in Teams, auftreten.

Wir sind Beziehungs- und Sinnwesen. Niemand will anderen auf der Tasche liegen, sondern einen sinnvollen Beitrag zur Gemeinschaft leisten.

Fürsorge, Teilhabe und Solidarität sind Kernwerte jeder Gemeinschaft

Wenn Menschen in psychischen oder anderen Belastungssituationen der Zugang dazu verwehrt oder entzogen wird, spart die Gemeinschaft nicht Geld, sondern kappt Vertrauen und Zusammenhalt.

Das geschieht in Firmen, wenn Mitarbeitern nahegelegt wird, „weniger krank zu sein“ oder trotz jahrelangem Dauerkrisenmodus und Stellenstreichungen die Einsatzbereitschaft doch bitteschön weiter zu intensivieren. Insbesondere, wenn Menschen nach einem Burnout plötzlich als „nicht mehr belastbar“ gelten – obwohl sie sich oft jahrelang über ihre Grenzen hinaus für die Gemeinschaft eingesetzt haben.

Etwas Ähnliches geschieht aber auch gesamtgesellschaftlich, wenn Menschen in einer vulnerablen Situation wie psychischer oder sonstiger gesundheitlicher Krise das Signal bekommen: Auf zeitnahe Unterstützung kannst du dich nicht mehr verlassen. Aber Beiträge zahlen musst du weiterhin. Und bitteschön: Reiß dich doch einfach mal zusammen und sei wieder produktiv.

Nun, psychische Gesundheit lässt sich nicht durch Disziplin und Willenskraft herstellen. (Als willensstarker Mensch, der selbst ein Burnout erlebt hat, würde ich heute aus fachlicher Sicht sogar sagen: im Gegenteil).

Und Zukunftsfähigkeit entsteht nicht allein durch Sparen, sondern vor allem durch kluge Investitionen in zukunftsrelevante Bereiche. (Health vielleicht? Soll ein Future Market sein…)

Wie dem auch sei:

Psychische Gesundheit ist keine reine Privatsache, sondern eine (Selbstführungs-)Kompetenz UND eine soziale Aufgabe

Es ist Pflicht der Solidargemeinschaft, Menschen in solchen Situationen zu unterstützen. Und zwar auf eine Weise, die nicht beschämend, stigmatisierend oder bedrängend ist, sondern wertschätzend und ermächtigend.

Manche Menschen haben es schwerer als andere, ganz ohne eigenes Verschulden. Und nein, das sind nicht „die anderen“: Fast jeder von uns erlebt Phasen im Leben, in denen die Lebensfreude und der Lebenssinn abhanden kommen.

Tatsächlich können wir aus Krisen, auch psychischen, die sinnorientiert bewältigt wurden, viel lernen – und das kommt auch der Gesellschaft wieder zugute.

All diese Aspekte scheinen bei der Entscheidung fürs GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz kaum berücksichtigt worden zu sein.

Und es wird auch in Krisen-Maßnahmen und -Kommunikation in Organisationen meist ausgeblendet:
„Was kostet eigentlich ein indirekt aufgekündigter Gemeinschaftsvertrag?“

Zu Führung – gleich auf welcher Systemebene – gehören nicht nur Durchsetzungskraft und Nüchternheit, sondern auch Verbindlichkeit, wertschätzende Beziehung, Fürsorge und ein verantwortungsvoller Blick auf die langfristigen, gesamtsystemischen Folgen.

Vermeintlich rein sachliche Top-Down-Führung kann das Miteinander und Vertrauen in einer Gemeinschaft erschüttern. Die Folgekosten davon lassen sich gar nicht beziffern, denn es trifft den Kern der Gemeinschaftsunternehmung.

Eine zukunftsorientierte Miteinander-Kultur lässt sich dabei genauso wenig wie Gesundheit per Ansage herstellen. Taten sprechen deutlich lauter als Worte – auch das ist eine wichtige Perspektive aus der Psychologie.

Irgendwas scheint verrutscht zu sein in unserem Gemeinschafts-Wertegefüge

Wie kommen wir da wieder raus, in Richtung konstruktive Lösung und vor allem: Verbundenheit?

Vielleicht über einen problemwertschätzenden Gedanken?

Wer unter dauerhaftem Entscheidungsdruck und Stress steht, verliert leichter den Blick für langfristige Folgen und die Verbindung zu anderen.

Das gilt für Unternehmer*innen, für Führungskräfte und für Eltern – und selbstverständlich auch für Menschen, die politische Verantwortung tragen. Denn Führung verändert sich nicht dadurch, auf welcher Ebene sie stattfindet. Die psychologischen Grunddynamiken bleiben ähnlich und innere Führung beeinflusst äußere Entscheidungen…

Noch eine konstruktive Perspektive:

Aus der Bindungsforschung wissen wir, dass Beziehungen, die erschüttert wurden und dann eine echte Reparatur erleben, sogar gefestigt werden (Rupture & Repair). Insofern ist es wichtig und gut, dass ein lebendiger gesellschaftlicher Diskurs stattfindet. Dass wir weiterhin nach konstruktiven Lösungen suchen.

Vielleicht gibt es ja noch ungenutzte Ansätze, die die Versorgung der Gemeinschaft mit psychotherapeutischen Leistungen stützen. Zum Beispiel könnten Arbeitgeber hier eine größere Rolle als bisher übernehmen

Denn in der aktuellen Misere steckt noch eine wertvolle Erinnerung:

Psychische Gesundheit beginnt nicht mit Therapie, sondern viel früher!

🌿 Selbstführung, Selbstwahrnehmung und Selbstfürsorge

🌿 Selbstreflexion und die Bereitschaft, eigene Muster frühzeitig zu erkennen

🌿 Empathie und Wohlwollen – verbunden mit gesunden Grenzen und Selbstverantwortung

Die gute alte Selbsterkenntnis ist bekanntlich der erste Schritt zur Besserung.

Doch sie reicht nicht.

Wir müssen auch handeln. Am besten früh … und werte-, gemeinschafts- und zukunftsorientiert.

Bewegt dich das Thema GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz auch?
Teile gerne deine Gedanken dazu – unten im Kommentarbereich oder gerne auch als Mail direkt an mich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert