7 Arten von Pause – und warum wir alle davon brauchen
Für viele beruflich stark eingespannte Menschen ist der Sommer die Jahreszeit, auf die sie sich besonders freuen. Denn oft ist jetzt endlich Gelegenheit für Urlaub – endlich mal raus aus dem Hamsterrad, ausschlafen und entspannen. Allerdings ist das Abschalten oft gar nicht so einfach – oder es hält nach dem Urlaub nicht lange an.
Denn Urlaub ist nur eine Form von Pause und Regeneration braucht oft mehr als freie Zeit.
Unser Nervensystem ist komplex. Je nachdem, wie belastet wir sind und was uns aktuell die besonders Energie zieht, brauchen wir verschiedene Arten von Pause. Im Laufe der Jahre habe ich sieben Arten herauskristallisiert, die unser Nervensystem auf unterschiedliche Weise unterstützen können.
7 Arten von Pause
1. Bewegung
Wenn wir viele Stunden am Schreibtisch verbringen, ist der Abend auf der Couch kein Ausgleich: Bewegung bringt den Körper und Geist wieder in Schwung und baut außerdem Stresshormone ab. Ein Spaziergang, ein paar Dehnübungen, Yoga oder Tanzen in der Küche können fürs Nervensystem übrigens mehr bringen als eine Stunde Powertraining. Die entscheidende Frage ist nämlich nicht: Wie powere ich mich aus? Sondern: Wie komme ich wieder in Fluss und ins Spüren?
2. Körperliche Wechselreize
Unser Körper liebt Reize, die sanft herausfordern und einladen, eine gesunde Mitte wiederzufinden. Wechseldusche, Saunieren, Barfußlaufen im Gras oder eine Massage können unserem Nervensystem daher helfen, sich selbst wieder zu regulieren. Diese Methoden „er-innern“ unseren Körper und Geist daran, dass wir über die Fähigkeit zur Selbstregulation verfügen.
3. Soziale Verbindung
Viele Menschen ziehen sich zurück, wenn sie gestresst sind. Manchmal ist Stille auch genau richtig – auf Dauer aber nicht nur, denn wir Menschen brauchen auch echte Verbindung mit anderen. Eine gute „Pause“ im Alltag kann daher auch soziale Elemente beeinhalten wie ein gutes Gespräch, gemeinsames Lachen oder zusammen essen und plaudern. Denn wir regulieren unser Nervensystem nicht nur allein, sondern auch miteinander.
4. Kreativität und Spiel
Wann hast du zuletzt etwas getan, ohne dir selbst Druck zu machen, dass dabei ein WOW-Ergebnis dabei herauskommen muss? Kreativität ist und Spielen sind keine Zeitverschwendung. Sie öffnen vielmehr einen inneren Raum, in dem wir den ständigen Problemlösemodus verlassen und wieder Zugang zu Leichtigkeit und neuen Perspektiven finden.
5. Sinnespausen
Manchmal reicht ein Moment des bewussten Genießens, um uns wieder in die Gegenwart zu bringen und mit uns selbst zu verbinden. Vielleicht den Duft von Kaffee schnuppern, Vogelstimmen lauschen, das Sonnenlicht auf der Haut spüren oder den Blick auf etwas Schönem ruhen lassen. Unsere Sinne sind ein direkter Zugang zum Hier und Jetzt. Wenn wir lernen, sie bewusst einzusetzen, entstehen mitten im Alltag kleine Inseln der Regeneration.
6. Stille und Achtsamkeit
Viele Menschen sagen zu mir: „Ich kann nicht meditieren.“ Dabei geht es gar nicht darum, still stundenlang im Schneidersitz zu verharren und nichts zu denken. Es geht bei Achtsamkeit viel mehr um die regelmäßige Rückkehr zu uns selbst. Gerade wenn es uns schwerfällt, abzuschalten und uns zu konzentrieren, ist es sehr wertvoll zu lernen und zu üben, unseren Geist freundlich zu beobachten und unsere Aufmerksamkeit zu lenken.
7. Schlaf und bewusstes Ruhen
Schlaf ist die offensichtlichste Form der Pause udn die Basis für tiefe Regeneration. Leider versuchen viele ambitionierte Menschen, am Schlaf zu sparen. Das geht auf Dauer allerdings nicht, denn unser Gehirn braucht die Zeit für die Verarbeitung von Erlebtem und auch zur körperlichen Regeneration.
Manchmal fällt Schlafen allerdings auch schwer, gerade wenn wir dauerhaft unter hohem oder intensivem inneren Druck stehen. Dann kann es hilfreich sein, sich an zwei Dinge zu erinnern: Auch bewusstes Ruhen – ohne sich Druck zu machen, Schlafen zu müssen – kann wertvoll sein.
Erholung entsteht durch Loslassen – wenn nötig, mit Plan
Wir brauchen meiner Meinung nach alle diese Arten von Pausen regelmäßig. Und gerade für Vielbeschäftigte ist es weise, sie von vornherein verbindlich einzuplanen und genauso wichtig zu nehmen wie die andere Termine.
Welche Pause braucht dein Nervensystem jetzt gerade?
Es gibt nicht die eine richtige Art von Pause. Manchmal brauchen wir Bewegung, manchmal Ruhe und manchmal Verbindung mit anderen. Je besser wir lernen, die Signale unseres Nervensystems wahrzunehmen, desto leichter fällt es uns, die Form von Regeneration zu wählen, die uns in diesem Moment wirklich guttut.
Welche Art von Pause würde dir jetzt gerade wohltuen?
Der ursprüngliche Impuls zu diesem Thema stammt aus meinem Fachartikel „Die Pause als Basis für Performance“, der in der Ausgabe 04/2026 des healthstyle-Magazins erschienen ist. Dort gehe ich unter anderem darauf ein, warum unser Nervensystem nicht einfach per Knopfdruck zwischen Anspannung und Entspannung umschalten kann und weshalb echte Regeneration immer auch eine Form gelungener Selbstführung ist.
